Der Schmelz-Ofen

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Johann Peter Hebel: Der Schmelz-Ofen (1803)

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Jez brennt er in der schönsten Art,
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und ’s Wasser ruuscht, der Blosbalg gahrt,
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und bis aß d’Nacht vom Himmel fallt,
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se würd die ersti Maßle chalt.

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Und ’s Wasser ruuscht, der Blosbalg gahrt;
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i ha druf hi ne Gulde g’spart.
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Gang Chüngi, lengis alte Wi,
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mer wen e wengli lustig sy!

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Ne Freudestund isch nit verwehrt;
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me gnießt mit Dank, was Gott bischert,
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me trinkt e frische frohe Mueth,
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und druf schmekt wieder ’s Schaffe gut.

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E Frendestund, e guti Stund!
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’s erhaltet Lib und Chräfte gsund;
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doch muß es in der Ordnig goh,
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sust het me Schand und Leid dervo.

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E frohe Ma, ne brave Ma!
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Jez schenket i, und stoßet a:
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„es leb der Marggrov und si Huus!“
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Ziehnt d’Chappen ab, und trinket us!

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Ne bessere Her treit d’Erde nit,
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’s isch Sege, was er thut und git,
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i cha’s nit sage, wieni sott:
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Vergelts em Gott! Vergelts em Gott!

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Und ’s Bergwerch soll im Sege stoh!
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’s het menge Burger ’s Brod dervo.
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Der Her Inspekter lengt in Trog,
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und zahlt mit Freud, es isch kei Frog.

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Drum schenket i, und stoßet a!
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Der Her Inspekter isch e Ma,
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mit üsers Gattigs Lüte gmei,
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und fründli gege groß und chlei.

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Er schafft e gute Wi ufs Werk,
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er holt en über Thal und Berg,
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er stellt en luter uffe Tisch,
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und mißt wie’s recht und billig isch.

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Sell isch verbey, der Ma am Füür
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muß z’trinke ha, wärs no so thür;
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es rieslet menge Tropfe Schweiß,
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und wills nit go, men ächzet eis.

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Me streift der Schweiß am Ermel ab,
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me schnufet, d’ Bälg verstuune drab,
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und mengi liebi Mitternacht
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würd so am heiße Herd verwacht.

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Der Schmelzer isch e plogte Ma,
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drum bringet em’s, und stoßet a:
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Gsegott! Vergiß di Schweiß und Ach,
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’s het ieden anderen au si Sach!

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Am Zahltag theiltisch doch mit kei’m,
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und bringsch der Lohn im Nastuch heim,
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se luegt di d’Marei fründli a,
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und seit: „J ha ne brave Ma!“

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Druf schlacht sie Eiern-Anken i,
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nndundsträut e wenig Imber dri;
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sie bringt Salat und Grüebe dra,
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und seit: „Jez iß du liebe Ma!“

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Und wenn e Ma si Arbet thut,
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se schmekt em au si Esse gut;
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er tuuschti nit in Leid und Lieb
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mit mengem riche Galge-Dieb.

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Mer sitze do, und ’s schmektis wohl.
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Gang Chüngeli lengis no nemol,
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wil doch der Ofe wieder goht,
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und ’s Erz im volle Chübel stoht!

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Se brenn er denn zu guter Stund,
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und Gott erhaltich alli gsund,
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und Gott biwahrich uf der Schicht,
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aß niemes Leid und Unglück gschicht.

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Und chunnt in strenger Winters-Zit,
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wenn Schnee uf Berg und Firste lit,
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en arme Bub, en arme Ma,
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und stoht ans Füür, und wärmt si dra,

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und bringt e par Grumbireli,
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und leits ans Füür, und brotet sie,
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und schloft by’m Setzer uffem Erz —
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schlof wohl, und tröst der Gott di Herz!

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Dört stoht so ein! Chumm arme Ma,
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und thue eis Bscheid, mer stoßen a!
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Gsegott, und tröstder Gott di Herz,
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me schloft nit lieblig uffem Erz!

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Und chunnt zur Zit e Biderma
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ans Füür, und zündet ’s Pfifli a,
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und sezt si näumen ane mit,
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se schmeks em wohl, und — brenn di nit!

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Doch fangt e Büebli z’
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und meint, es chönns, as wie ne Ma,
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se macht der Schmelzer churze Bricht,
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und zieht em ’s Pfifli usem Gsicht.

89
Er keits ins Füür, und balgt derzu:
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„du dunderschießige Lappi du,
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„sug amme Zipfeli Leberwurst,
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„’s isch besser für so chleini Burst!“

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’s isch wohr, ’s git mengi Churzwiil mehr
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am Suntig no der Chinderlehr,
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und strömt der füürig Ise-Bach
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im Sand, es isch e schöni Sach.

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Frog menge Ma: „Sag, Nochber he!
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„hesch au scho ’s Ise werde seh
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„im füürige Strom de Forme no?“
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Was gilts, er cha nit sage: Jo!

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Mir wüsse, wie me ’s Ise macht,
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und wie’s im Sand zu Massle bacht,
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und wiemes druf in d’Schmidte bringt,
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und d’Luppen unterm Hammer zwingt.

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Jez schenket i, und stoßet a:
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der Hammer-Meister isch au ne Ma!
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Wär Hammer-Schmid und Zeiner nit,
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do läg e Sach, was thät me mit?

([Hebel, Johann Peter]: Allemannische Gedichte. Karlsruhe, 1803.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Johann Peter Hebel
(17601826)

* 10.05.1760 in Geburtshaus Johann Peter Hebel, † 22.09.1826 in Schwetzingen

männlich, geb. Hebel

deutscher Dichter, evangelischer Theologe und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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