Die Wiese . Ein Waldstrom dieses Namens, der an dem Feldberg im Vorderöstreichischen ent- springt, hinter Hausen im Wiesenthal ins Badische sich ergießt, bey Günden- hausen einen andern Strom gleiches Na- mens aufnimmt, und bey Kleinhüningen im Kant. Basel in den Rhein ausströmt

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Johann Peter Hebel: Die Wiese . Ein Waldstrom dieses Namens, der an dem Feldberg im Vorderöstreichischen ent- springt, hinter Hausen im Wiesenthal ins Badische sich ergießt, bey Günden- hausen einen andern Strom gleiches Na- mens aufnimmt, und bey Kleinhüningen im Kant. Basel in den Rhein ausströmt (1803)

1
Wo der Dengle-Geist Gespenst auf dem Feldberg. in mitternäch-
2
tige Stunde
3
uffem silberne Gschir e goldeni Sägese
4
denglet,
5
(todtnau’s Chnabe wüsse’s wohl) am wal-
6
dige Feldberg,
7
Wo mit liebligem Gsicht us tief verborgene
8
Chlüfte
9
d’ Wiesen use luegt, und check ins Todt-
10
nauer Thal springt,
11
schwebt mi muntere Blick, und schwebe
12
mini Gidanke.
13
Feldbergs liebligi Tochter, o Wiese, bis
14
mer Gottwilche!
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Los, i will di iez mit mine Liederen
16
ehre,
17
und mit Gsang bigleiten uf dine freudige
18
Wege!
19
Im verschwiegene Schoß der Felse heimli
20
gibohre,
21
vo de Wulke gsäugt, mit Duft und himm-
22
lischem Rege,
23
schlofsch e Bütscheli-Chind in di’m verbor-
24
gene Stübli
25
heimli, wohlverwahrt. No nie hen mensch-
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ligi Auge
27
güggelet und gseh, wie schön mi Meiddeli
28
do lit
29
im christalene Ghalt und in der silberne
30
Wagle;
31
und kei menschlig Ohr het no si Othmen
32
erlustert,
33
oder si Stimmli ghört, si heimli Lächlen
34
und Briegge.
35
Numme stilli Geister göhn uf verborgene
36
Pfade
37
us und i, und ziehn di uf, und lehre di
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laufe,
39
gen der e freudige Sinn, und lehre di nütz-
40
ligi Sache,
41
und es isch kei Wort verlohre, was sie der
42
sage.
43
Denn so bald de chasch uf eigene Füeßlene
44
furtcho,
45
schliefsch mit stillem Tritt us di’m christa-
46
lene Stübli
47
barfis usen, und luegsch mit stillem Lächlen
48
an Himmel.
49
O, wie bisch so nett, wie hesch so heiteri
50
Aeugli!
51
Gell, do ussen ischs hübsch, und gell, de
52
hesch ders nit vorgstellt?
53
Hörsch, wie’s Läubli ruuscht, und hörsch,
54
wie d’ Vögeli pfife?
55
Jo, de seisch: „I hörs, doch gangi witers
56
und blib nit.
57
„freudig isch mi Weg, und alliwil schö-
58
ner, wie witer!“
59
Nei se lueg me doch, wie cha mi Meid-
60
deli springe!
61
„chunnsch mi über,“ seits und lacht, „und
62
witt mi, se hol mi!“
63
Alliwil en andere Weg, und anderi
64
Sprüngli!
65
Kei mer nit sel Reinli ab! — Do hem-
66
mers, i sags io, —
67
hani’s denn nit gseit? Doch pürzlisch witers
68
und witers,
69
groblisch uf alle vieren, und stellsch di wie-
70
der uf d’ Beinli,
71
schliefst in d’ Hürst, — iez such mers eis! —
72
dört güggelets use,
73
Guggus, daß di Potz! und het si urige
74
Phatest!
75
Aber wie de gohsch, wirsch alliwil größer
76
und schöner;
77
wo di liebligen Othem weiht, färbt si der
78
Rase
79
grüner rechts und links, es stöhn in saftige
80
Triebe
81
Gras und Chrüter uf, es stöhn in frischere
82
Gstalte
83
farbigi Blümli do, und d’ Immli chöm-
84
men und suge.
85
’s Wasserstelzli chunnt, es chömme Totnauer
86
Wuli,
87
alles will di seh, und alles will di bi-
88
grüße,
89
und di fründlig Herz git alle fründligi
90
Rede:
91
„chömmet ihr ordlige Thierli, do hender,
92
esset und trinket!
93
„witers goht mi Weg, Gsegott, ihr ord-
94
lige Thierli!“
95
Rothet iez ihr Lüt, wo üser Töchterli
96
hi goht!
97
Hender gmeint an Tanz, und hender gmeint,
98
zu de Bube?
99
z’ Uzefeld verbey gohts mit biwegliche
100
Schritte
101
zu de Schöne Buchen,
102
Meß a
103
Gut erzogen ischs, und anderst cha me nit
104
sage.
105
No der heilige Meß se seits: „Jez willi mi
106
schicke,
107
aß i wieder witers chumm!“ — Jez simmer
108
scho z’ Schönau,
109
iez am Chastel verbey und alliwil witers
110
und witers
111
zwische Berg und Berg im chüele duftige
112
Schatte,
113
und an mengem Chrütz verbey an menger
114
Kapelle.
115
Aber wie de gohsch, würsch sichtli größer
116
und schöner;
117
wo di liebligen Othem weiht, färbt si der
118
Rase
119
grüner rechts und links, es stöhn in chräf-
120
tige Triebe
121
neni Chrüter do, es schießen in prächtige
122
G’stalte
123
Blumen an Blumen uf, und geli saftigi
124
Wide.
125
Vo di’m Othem gwürzt, stöhn rothi Er-
126
beri-Chöpfli
127
Millione do, und warten am schattige
128
Thalweg.
129
Vo di’m Othem g’nährt, stigt rechts an
130
sunnige Halde
131
goldene Lewat uf in Feldere Riemen an
132
Rieme.
133
Vo di’m Othem g’ chüelt, singt in de Hürste
134
verborge,
135
freudig der Hirte-Bueb, und witer ehne
136
tönt d’ Holz-Ax.
137
’s Mambecher Hätteli chunnt, und wulligi
138
Häli vo Zell her.
139
Alles lebt und webt, und tönt in freudige
140
Wiise;
141
alles grünt und blüeiht in tusigfältige
142
Farbe;
143
alles isch im Staat, und will mi Meiddeli
144
grüße.
145
Doch de bisch ke Meiddeli me, de bisch iez
146
e Meidli!
147
Aber an der Bruckwoog, nit wit vom
148
steinene Chrützli,
149
chresme Zeller Büebli hoch an de felsige
150
Halde,
151
suchen Engelsüß, und luegen aben und
152
stune.
153
„toneli, seit der Sepli, was het echt d’
154
Wiesen im Chöpfli?
155
„lueg doch, wie sie stoht, und wie sie nie-
156
der an d’ Stroß sizt
157
„mit vertieftem Blick, und wie sie wieder
158
ufstoht,
159
„gege de Matte lauft, und mittere selber
160
im Champf isch!“
161
Feldbergs Tochter, was hesch im Chopf?
162
I frog, wie der Sepli,
163
und de g’fallsch mer numme halber, chani
164
der sage!
165
Fehlt der näumis, se schwetz, und hättsch
166
gern näumis, se sag mer’s!
167
Aber wer nüt seit bisch du! Mit schwan-
168
kige Schritte
169
Laufsch mer d’ Matten ab in dine tiefe Gi-
170
danke
171
usem Zeller Thal ins Wiesethal gegenem
172
Bergwerch,
173
und schangschiersch der Glauben und wirsch
174
e luthrische Chetzer!
175
Hani’s denn nit gseit, und hani mers nit
176
vorgstellt?
177
Aber iez ischs so, und was hilft balgen und
178
schmähle!
179
Aendere chani’s nit, se willi lieber gar
180
helfe;
181
öbbe bringsch mer doch no Freud und hei-
182
teri Stunde!
183
Halt mer e wenig still, i will di iez luthe-
184
risch chleide;
185
barfis darfsch nit goh, und rothi Strümpfli
186
nit trage.
187
Do sin wiißi bauwele Strümpf mit chünst-
188
lige Zwickle,
189
(leg di selber a!) und Schuh und silberni
190
Rinkli,
191
do ne grüne Rock; vom breit verbendlete
192
Liibli
193
fallt bis zu de Chnödlenen abe Fältli an
194
Fältli!
195
Sizt er recht? Thu d’ Häftli i! und do isch
196
e Brusttuch,
197
sammet und roseroth. Jez flichtider chünst-
198
ligi Zupfe
199
us de schöne, sufer gstrehlte, flächsene
200
Hoore.
201
Obe vom wiißen Aecken und biegsem in
202
d’ Zupfe verschlunge,
203
fallt mit beiden Ende ne schwarze sidene
204
Bendel
205
bis zum tiefe Rock-Saum abe. Gfallt
206
der die Chappe,
207
wasserblaue Damast und gstickt mit goldene
208
Blume?
209
Zieh der Bendel a, wo in de Ricklene dur-
210
goht,
211
unter de Zupfe dure, du Dotsch, und über
212
den Ohre
213
fürsi mittem Letsch, und abe gegenem Gsicht
214
zu!
215
Jez e side Fürtuch her, und endli der
216
Hauptstaat,
217
zwenzig Ehle lang und breit e Mayländer
218
Halstuch!
219
Wie ne luftig Gwülch am Morgehimmel
220
im Frühlig
221
Schwebts der uf der Brust, und stigt und
222
fallt mittem Othem,
223
wahlt der über d’ Achsle, und fallt in präch-
224
tige Zipfle
225
übere Rucken abe, sie rusche, wenn de’n im
226
Wind gohsch!
227
Het me’s lang, se loßt me’s henke, hör i
228
mi Lebtig.
229
D’ Ermel, denk wol, henksch an Arm, wil
230
s’ Wetter so hüsch isch,
231
aß me s’ Hemd au sieht, und dini gattigen
232
Aermli;
233
und der Schie-Hut nimmsch in d’ Hand
234
am sidene Bendel;
235
d’ Sunne git der wärmer, und schint der
236
besser in d’ Auge,
237
wenn d’ en in de Hände treisch, und ’s stoht
238
der au hübscher!
239
Jez wärsch usstaffirt, als wenn de hofertig
240
stoh wottsch,
241
und de gfallsch mer selber wieder, chani der
242
sage.
243
Wienes si iez freut, und wie’s in zimpfere
244
Schritte
245
tänzelet, und meint, es seig d’ Frau Vög-
246
tene selber,
247
wie’s si Chöpfli hebt, und alli Augeblick
248
z’ ruk schielt,
249
öb me ’s echt au bschaut, und öb men or-
250
deli no luegt!
251
Jo, de bisch io hübsch, und io du Närli,
252
mer luege,
253
io, du Zeller Meidli, mit diner marggröfer
254
Chappe,
255
mit de lange Zupfen und mit der längere
256
Hoorschnur,
257
mittem vierfach zsemmegsezte Mayländer
258
Halstuch!
259
Aber rothet iez, wo d’ Marggröfer Jump-
260
fere hi goht!
261
Oebben uffe Platz, und öbben unter d’
262
Linde,
263
öbben in d’ Weserey, und zu de Husemer
264
Chnabe?
265
Hender gmeint, io wol! Am Bergwerch
266
visperlets abe,
267
lengt e wenig duren, und trüllt e wengeli
268
d’ Räder,
269
was der Blos-Balg schnufe mag, aß d’
270
Füürer nit usgöhn.
271
Aber ’s isch si Blibes nit. In d’ Husemer
272
Matte
273
schießt’s, und d’ Legi ab mit große Schritte
274
go Farnau,
275
laufsch mer nit, se gilts mer nit, ins Scho-
276
pfemer Chilspel.
277
Aber z’ Gündehuse, wer stoht echt an der
278
Stroße,
279
wartet, biß de chunnst, und goht mit freu-
280
dige Schritte
281
uf di dar, und git der d’ Hand, und fallt
282
der an Buse?
283
Chennsch di Schwesterli nit, ’s chunnt z’ aller-
284
nöchst vo Wisleth?
285
Uf und nieder hets di Gang und dini Ge-
286
behrde.
287
Jo de chennschs, worum denn nit? Mit
288
freudigem Brusche
289
Nimmschs in d’ Arm, und losch’s nit goh,
290
gib achtig, verdrucks nit!
291
Jez marschieremer witers, und alli wil aben
292
und abe!
293
Siehsch dört vorne ’s Röttler Schloß — ver-
294
falleni Mure?
295
In vertäfelte Stube, mit goldene Liiste
296
verbendlet,
297
hen sust Fürste gwohnt, und schöni fürstligi
298
Fraue,
299
Heren und Here-Gsind, und d’Freud isch
300
z’Röttle deheim gsi.
301
Aber iez isch alles still, undenklichi Zite
302
brenne keini Liechter in sine verrißene
303
Stube,
304
flackeret kei Füür uf siner versunkene Füür-
305
stet,
306
goht kei Chrug in Cheller, ke Züber aben
307
an Brunne.
308
Wildi Tube niste dört uf mosige Bäume.
309
Lueg dört ehnen isch Mulberg, und do im
310
Schatte verborge
311
’s Föhris Hüsli, und am Berg dört, d’
312
Höllstemer Chilche.
313
Steine lömmer ligen, und fahre duren in
314
d’ Matte,
315
Will der Schanzli näumis, se mag er use
316
zu dir cho.
317
Unter Steine chunnsch mit dine biwegliche
318
Schritte
319
wieder über d’Stroß. Jez göhmer füren
320
ins Rebland
321
Hauige zu, und Hage zu, und aben an
322
Röttle.
323
Lueg e wenig ufe, wer stoht dört oben am
324
Fenster
325
in si’m neue Chäpli, mit sine
326
Auge?
327
Neig di fin, zeig wie, und sag: „Gott
328
grüßich Her Pfarer!“
329
Jez gohts Thumrige zu, — sie hen der
330
welle ne Tuck thu,
331
aber ’s macht der g’ringe Chummer, —
332
öb der’s der Reinert
333
gut heißt, oder nit, se gumpisch ebe, wie ’s
334
dir gfallt,
335
übers Stellaschi ab, und furt in d’Lörre-
336
cher Matte.
337
Nimm di e wenig in Acht, siehsch dört im
338
Grüne sel Chrütz nit?
339
Wart, was werde d’ Stettemer sage, wenn
340
sie erfahre,
341
was de z’ Huse bosget hesch! Doch gheit es
342
di wenig.
343
Aber wie de gohsch vom Bergwerch abe
344
go Schopfe,
345
bis an Stetten aben uf diner steinige Land-
346
stroß,
347
bald am linke Bord, bald wieder ehnen am
348
rechte
349
zwischenem Faschinat, wirsch alliwil größer
350
und schöner,
351
freudiger alliwil, und schaffig, was me cha
352
sage.
353
Wo di liebligen Othem weiht, wie färbt
354
si der Rase
355
grüner rechts und links, wie stöhn mit chräf-
356
tige Triebe
357
neui Chrüter uf, wie stöhn in höhere Farbe
358
alli Blume do. De Summer-Vögle thut
359
d’ Wahl weh.
360
Wechslet nit der Chlee mit goldene Chette-
361
ne-Blueme,
362
Frauemänteli, Hasebrödli, würzige Chümmi,
363
Sunneblume, Habermark und Dolden und
364
Ruchgras?
365
Glitzeret nit der Thau uf hunderttusig Hal-
366
me?
367
Wattet nit der Storch uf hoche Stelze der-
368
zwische?
369
Ziehn si nit vo Dorf zu Dorf in lange
370
Reviere
371
feisti Matte Stunde wiit und Tauen an
372
Taue?
373
’s Brombecher Mummeli chunnt, es chömme
374
Lörecher Rößli,
375
freße der us der Hand, und sin fast närisch
376
vor Freude,
377
und vo Baum zu Baum, vo Zell bis füre
378
go Rieche
379
halte d’Vögeli Jude-Schul und orglen und
380
pfife.
381
(d’Brombecher Linde lit, der Sturmwind
382
het sie ins Grab gleit.)
383
Aber rechts und links wie schwanken an fla-
384
chere Reine
385
Rocken und Weizehalm! Wie stöhn an sun-
386
nige Halde
387
Reben an Reben uf! Wie woget uf höchere
388
Berge
389
rechts und links der Buchewald und dunk-
390
leri Eiche!
391
Wie isch alles so schön, und überal anderst
392
und schöner!
393
Feldbergs Tochter, wo de bisch, isch Nah-
394
rig und Lebe!
395
Neben an der ufen und neben an der
396
abe
397
gigst der Wage, d’Geisle chlöpft, und d’
398
Sägese ruschet,
399
und de grüßisch alli Lüt, und schwetzisch
400
mit alle.
401
Stoht e Mühli näumen, en Oehli oder e
402
Ribi,
403
Drothzug oder Gerste-Stampfi, Sägen
404
und Schmidte;
405
lengsch mit biegsemen Arme, mit glenkseme
406
Fingere dure,
407
hilsschhilfsch im Müller mahlen und hilfsch de
408
Meidlene ribe,
409
spinnsch mer ’s Husemer Ise, wie Hanf in
410
gschmeidigi Fäde.
411
(gell, iez schlacht di ’s Gwiße wieder, ’s
412
goht eim nit anderst!)
413
Eicheni Plütschi versägsch, und wandlet ’s
414
Ise vom Füürherd,
415
uffen Ambos, lüpfsch de Schmiede freudig
416
der Hammer,
417
singst derzu, und gersch ke Dank, „Gott
418
grüßich, Gott bhütich!“
419
Und isch näume ne Bleichi, se losch di au
420
das nit verdrieße,
421
chuuchisch e bizzeli duren, und hilfsch der
422
Sunne bleiche,
423
aß sie ferig wird, sie isch gar grüseli land-
424
sem!
425
Aber solli eis, o Wiese sage, wie ’s an-
426
der,
427
nu se seig’s bikennt! De hesch au bsundert
428
Jeste,
429
’s chlage’s alli Lüt, und sage, ’s seig der
430
nit z’ traue,
431
und wie schön de seigsch, wie liebli dini Gi-
432
behrde,
433
stand der d’Bosget in den Auge, sage sie
434
alli.
435
Eb men umluegt, chresmisch näumen über
436
d’Faschine,
437
oder rupfsch sie us, und bahnsch der bsun-
438
deri Fußweg,
439
bohlsch de Lüte Stei uf d’Matte, Jaspis
440
und Feldspat.
441
Hen sie näume gmeiht, und hen sie gwar-
442
bet und g’schöchlet,
443
holsch’s und treisch’s im Nochber duren Ar-
444
fel um Arfel.
445
’s sagen au e Theil, de seigisch glückli im
446
Finde
447
uf de Bänke, wo nit g’wüscht sin, sel hani
448
nie gseh.
449
Mengmol haseliersch, und ’s muß der alles
450
us Weg goh;
451
öbbe rennsch e Hüsli nieder, wenns der im
452
Weg stoht.
453
Wo de gohsch, und wo de stohsch isch Bal-
454
gen und Balge.
455
Feldbergs Tochter los, de bisch an Tu-
456
ged und Fehler
457
zitig, chunnts mer halber vor, zum Manne,
458
wie wärs echt?
459
Zeig, was machsch für Aeugli? Was zupfsch
460
am sidene Bendel?
461
Stell di nit so närsch, du Dingli, meinsch
462
denn, me wüß nit,
463
aß de versproche bisch, und aß der enander
464
scho bstellt hen?
465
Meinsch, i chenn di Holderstock, di chräf-
466
tige Burst nit?
467
Ueber hochi Felsen, und über Stuuden und
468
Hecke
469
eis gangs us de Schwitzerberge gumpet er
470
z’ Rhineck
471
aben in Bodesee, und schwimmt bis füre
472
go Chostez,
473
seit: „J muß mi Meidli ha, do hilft nüt,
474
und batt nüt!“
475
Aber oben an Stei, se stigt er in landseme
476
Schritte
477
wieder usem See mit sufer gwäschene
478
Füße,
479
Tiesehofe gfallt em nit und ’s Chloster der-
480
nebe,
481
nei, er rennt Schafhusen ab, und stoht an
482
de Felse.
483
An de Felse seit er: „Mi Meidli muß
484
mer werde!
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„lib und Lebe wogi dra, und Brusttuch
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und Chretze!“
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Seits und nimmt e Sprung! Jez bruttlet
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er abe go Rhinau,
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trümmlig ischs em worde, doch chunnt er
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witers und witers.
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Eglisau und Chayserstuhl und Zurzi und
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Waldshut
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het er scho im Aecken, er lauft vo Wald-
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stadt zu Waldstadt,
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iez am Hörnli aben in schöne breite Re-
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viere
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Basel zu, und loßt der Hochzeit-Zedel
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schreibe.
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Gell, i weiß es! Bisch im Stand und
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läugnisch, was wohr isch!
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Hätti z’rothe gha, ’s wär z’Wil e schick-
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liche Platz gsi;
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’s sin doch au scho Gutsche vo Basel use
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gfahre,
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ohni Widerred vo mine gnädige Here,
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use zu Her Briggem, und ine zu Her Eh-
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ma.
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Aber di Vertraue stoht zum Chlei-Hüniger
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Pfarrer.
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Wie de meinsch, se göhnmer denn dur d’
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Riechemer Matte!
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Lueg, isch sel nit d’Chlübi, und chunnt er
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nit dört abe?
514
Jo er ischs, er ischs, i hörs am freudige
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Brusche!
516
Jo er ischs, er ischs mit sine blauen Au-
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ge,
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mit de Schwitzer-Hosen und mit der sam-
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mete Chretze,
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mit de christalene Chnöpfen am perlefarbi-
521
ge Brusttuch,
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mit der breite Brust, und mit de chräftige
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Stotze,
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’s Gotthards große Bueb, doch wie ne
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Roths-Her vo Basel
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stolz in sine Schritten und schön in sine Gi-
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behrde.
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O wie chlopft der ’s Herz, wie lüpft si
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’s Mayländer Halstuch,
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und wie stigt der d’Röthi in dini lieblige
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Backe,
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wie am Himmel ’s Morgeroth am lieblige
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Maytag!
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Gell, de bischem hold, und gell, de hesch
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ders nit vorgstellt,
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und es wird der wohr, was im verborgene
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Stübli
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d’ Geister gsunge hen, und an der silberne
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Wagle!
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Halt di numme wohl! — J möcht der no
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allerley sage,
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aber ’s wird der windeweh! Di Kerli, di
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Kerli!
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Förchsch, er lauf der furt, se gang! Mit
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Thränen im Aeugli
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rüefsch mer: „Bhütdi Gott!“ und fallsch
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em freudig an Buse.
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Bhütdi Gott der Her, und folgmer, was i
549
der gseit ha!

([Hebel, Johann Peter]: Allemannische Gedichte. Karlsruhe, 1803.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Johann Peter Hebel
(17601826)

* 10.05.1760 in Geburtshaus Johann Peter Hebel, † 22.09.1826 in Schwetzingen

männlich, geb. Hebel

deutscher Dichter, evangelischer Theologe und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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