Ein Ball in Paris

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Theodor Fontane: Ein Ball in Paris (1851)

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Paris hat Ball: hin durch der Gassen Enge
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Braust rasselnd der Karossen bunte Menge,
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Die Quai’s entlang, entlang die Tuillerien,
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Ein rastlos Jagen und Vorüberfliehn.
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Halloh, die Peitsche knallt, die Rosse dampfen,
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Schon dröhnt „La Gr
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Stampfen,
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Und jetzt ein kurzes „Halt!“ — hell glänzt
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das Ziel,
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Der prächtge Ballsaal des H

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Rings Fackelglanz; die Nacht ist lichter Tag,
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Betresste Diener springen an den Schlag,
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Leis knistert auf der steingehaunen Treppe
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Der Atlasschuh, es rauscht die Seidenschleppe,
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Der Mantel fällt, und jetzt in luftgem Shawl,
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Selbst luftig, schwebt die Schönheit in den Saal.

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Drin wogt es schon; auf Klängen der Musik
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Wiegt sich der Glanz der neuen Republik:
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Die Abenteurer und die Schleppenträger,
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Die Vettern all und all die Stellenjäger
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(auf deren Brust das Kreuz der Ehre blitzt,
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Weil nichts von Ehre drin im Herzen sitzt)
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All sind sie da, und leichter schwebt ihr Fuß,
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Trifft sie des Kaiserneffen flüchtger Gruß.

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Der Kaiserneffe aber, klanglos hin
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Zieht heut der Töne Macht an seinem Sinn,
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Sein Aug’ ist todt rings für den Blumenflor,
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Nach
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Von wo herab im Purpur, goldgestickt,
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Des Kaisers Bild auf ihn herniederblickt.

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Das Kaiserbild! traun in das Festgebraus
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Aus seinem goldnen Rahmen tritt’s heraus,
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Ein tiefer Ernst umschattet sein Gesicht,
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Der Kronendurstge aber sieht es nicht,
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Er sieht nur wie der Goldreif blinkt und blitzt,
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Der auf der Stirne des Allmächtgen sitzt,
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Er sieht das Scepter nur der halben Welt,
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Das Jener spielend fast in Händen hält,
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Und zitternd nach des Glückes gleicher Huld,
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Ruft er sich selber zu: „Geduld, Geduld!“

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So aber denken nicht die schlanken Schönen,
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Die leicht hin schweben auf den leichten Tönen,
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Mit Blüthen sind die Blühenden geschmückt,
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Wie wenn man Rosen noch auf Rosen drückt,
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Und schier als wär’ die Gabe zu genießen
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Selbst nur ein stundenkurzes Blüthensprießen,
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So jagt man hin, voll fieberhafter Hast,
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In ewger Furcht, die Stunde sei verpasst.

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Ich tanze nicht; — im Durst nach Luft
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und Frische
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Tret’ ich seitab in eines Fensters Nische,
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Und hinter mir jetzt all den Saus und Braus,
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Blick’ ich, aufathmend, in die Nacht hinaus.
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Die lagert draußen schwarz und schwer und
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dicht,
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Mit Eifersucht-umfinstertem Gesicht,
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Und in des Saales Glanz und Pracht und Schein,
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Starrt wie der Tod in’s Leben sie herein.

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Doch lauter immer wird das laute Treiben,
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Fest drück’ die Stirn ich an die feuchten
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Scheiben,
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Da ist es mir, als ob mein Ohr es träf’:
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„kennst Du den Platz da draus? kennst Du
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„la Gr

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La Gr
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Und nächtge That vor meine Seele rief;
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La Gr
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Der Freiheit Zerrbild aus der Taufe hob;
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La Gr
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Wenn mal auf mal das Beil herniederfuhr;
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La Gr
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Daß es — ein Strom sich in den Strom ergoß.

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Und mir im Rücken jetzt erbraust es wilder,
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Vor meinen Augen aber, Schattenbilder
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Der Greuel all, die ringsumher geschehn,
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Läßt mich die Nacht in ihrem Spiegel sehn.

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Horch! Weiberstimmen durch die Lüfte kreischen;
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Da sind sie selbst; — in Wollust zu zerfleischen,
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Hat ihres Fleisches Wollust sich verkehrt, —
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Blut heißt jetzt was die Sinnlichkeit begehrt.
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Manch Eine trägt den Säugling an der Brust,
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Doch nirgends einer Mutter stille Lust;
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Mit aufgelöstem Haar, halbnackt die Leiber,
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So ziehn vorbei mir die Versailler Weiber.

(Fontane, Theodor: Gedichte. Berlin, 1851.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Theodor Fontane
(18191898)

* 30.12.1819 in Neuruppin, † 20.09.1898 in Berlin

männlich, geb. Fontane

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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