Einem Todten. Wilhelm Krause starb zu Malaga 1842.

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Theodor Fontane: Einem Todten. Wilhelm Krause starb zu Malaga 1842. (1851)

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Zwei Jahre kaum, als heitre Träume scheuchten
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Der Sorgen dunklen Schwarm aus Deiner Brust;
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Du riefst „Ade!“ ich sah Dein Auge leuchten,
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Und fühlte Thränen doch das meine feuchten,
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Ich war der ew’gen Trennung mir bewußt.
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Mein armer Wilm, das Roth auf Deinen Wangen,
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Es war das Kleid des frischen Lebens nicht,
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Der Tod nur, sichrer Dich in’s Netz zu fangen,
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Ließ Rosen blühn auf Deinem Angesicht.

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Du sahst das Roß des Matadors sich bäumen,
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Eh’ Deine Barke noch vom Ufer stieß, —
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Gen Spanien ging’s, — Du durftest heiter träumen
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Von duft’gen Mandel- und Kastanienbäumen,
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Denn Deine Zukunft barg ein Paradies.
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Doch statt vom Duft der Blüthen zu gesunden,
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Hat Dich der Hauch des Todes angeweht,
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Und
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Als Sensenmann vor meiner Seele steht.

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Ich sah ihn längst Dich Schritt vor Schritt
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bewachen,
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Gleich einem Schatten Dir zur Seite gehn,
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Behende sprang er mit Dir in den Nachen,
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Und immer schien er höhnisch mir zu lachen,
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So oft Du riefst: „auf fröhlich Wiedersehn!“
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Auf Wiedersehn! wann, Freund? statt Herzens-
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frieden
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Hat ew’ge Ruh die Ferne Dir geschenkt,
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Und in die Gruft, die
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schieden,
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Hat man

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Schön ist das Leben! ach, man lernt es lieben
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Recht innig erst, wenn man es meiden soll,
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Doch in die weite Welt hinaus getrieben,
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Wo fremd wie wir auch unser Herz geblieben,
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Da wird der Tod uns doppelt qualenvoll.
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Auf welcher Wange sahst Du Thränen glänzen?
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Wer hat Dein brechend Auge zugedrückt?
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Mein armer Wilm, mit Immortellenkränzen
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Hat flücht’ges Mitleid nur Dein Grab geschmückt.

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Was half es Dir, daß schöner dort die Rosen,
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Und goldner selbst des Himmels Sterne glühn?
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Nun gilt es gleich — ob rauhe Stürme tosen,
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Ob linde Weste mit den Blumen kosen,
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Mit Blumen, Freund, die Deinem Grab entblühn.
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Du ruhtest besser wohl am heim’schen Strande,
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Im Dünensand, wo Du zu ruhn geglaubt:
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Ein Kuß der Liebe hätt’ im Vaterlande
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Dem Tode seinen Stachel noch geraubt.

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Doch jetzt, wo Du den bittren Kampf bestanden,
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Jetzt ruf ich: „Freund, wohl Dir! es ist vorbei.“
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Schön ist das Leben, doch von tausend Banden,
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Ob in der Heimath, ob in fremden Landen,
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Macht erst der Tod die Menschenseele frei.
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Mir löst die Pflicht, der strenge Kerkermeister,
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Die Fessel nie, gleichviel ob Tag ob Nacht,
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Und selbst von Deinem Grabeshügel reißt er
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Mich unerbittlich, wenn der Tag erwacht.

(Fontane, Theodor: Gedichte. Berlin, 1851.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Theodor Fontane
(18191898)

* 30.12.1819 in Neuruppin, † 20.09.1898 in Berlin

männlich, geb. Fontane

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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