1.

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Theodor Fontane: 1. (1851)

1
In England wüthen zwei Tyrannen:
2
Der König Jacob und die Pest,
3
Und Jener immer raft von dannen,
4
Was diese noch am Leben läßt.
5
Gesetz und Recht — des Volkes Pathen
6
Sind jedes Höflings Spiel und Spott,
7
Schon seufzen gilt als hochverrathen,
8
Und führt zu Kerker und Schaffott.

9
Im Staube liegt die heilge Sache
10
Des Volks, und bettelt vor dem Thron,
11
Schon aber weben Haß und Rache
12
Dein Siegeskleid — Revolution.
13
Schon schlummert Er in goldner Wiege,
14
Deß Stirne jenen Stempel trägt,
15
Den auf des Mordgeweihten Züge
16
Von Jugend auf das Schicksal prägt;
17
Schon athmet Cromwell, schon allnachtens
18
Tritt Englands Zukunft vor ihn hin,
19
Und legt die Keime künftgen Trachtens
20
In seinen ruhmbegiergen Sinn;
21
Schon graut der Tag, nur noch ein Kurzes
22
So steigt die Sonne blutigroth,
23
Doch für die Zeichen nahnden Sturzes
24
Ist jede Fürstenseele todt.

25
An Jacobs Hof drückt ihren Stempel
26
Die Lust noch auf jedwede Stirn,
27
Noch ist sein Schloß ein Bacchustempel:
28
Die Flasche gilt, es gilt die Dirn’;
29
Wohl rast die Pest, doch jedes Opfer
30
Scheint nur zu rufen: „Frisch gelebt!
31
Wer weiß es ob der Tod den Klopfer
32
Nicht bald an Deiner Thüre hebt.“
33
Es ist, als ob das nahe Sterben
34
Dem Leben tausend Reize leiht,
35
Man jagt um seine Lust zu werben;
36

37
Bei Hof ist Ball; schau, — scheint nicht eben
38
Die Schönheit selbst daher zu schweben?
39
Wer anders kann sie sein die Schlanke,
40
Zu der, wenn sie vorüberrauscht,
41
Ein jeder Sinn sich und Gedanke
42
Hinneiget und gefangen lauscht!
43
An ihrer Schönheit stumpft der Hohn.
44
Mehr als ein König auf dem Thron,
45
Wenn seine Blicke zornig irren,
46
Vermag
47
Das bloße Flattern ihrer Locken
48
Macht schon des Höflings Zunge stocken,
49
Und selbst der Neid auf den sie späht,
50
Bewundert solche Majestät.

51
Was ist’s, das bis in’s tiefste Herze
52
Selbst das Geschmeiß am Hof durchbebt,
53
Wenn anmuthvoll, mit leichtem Scherze,
54
Die Lady Essex näher schwebt!
55
Ist es das junogleiche Haupt,
56
Was jeder Brust den Athem raubt?
57
Ist’s jener Tugend hoher Geist
58
Der selbst die Spötter schweigen heißt,
59
Und Ehrfurcht auch von
60
Der schier von allen Lastern strotzt?
61
Wie oder ist es nur ein Grauen,
62
Das sich in alle Herzen bahnt,
63
Weil man die finstren Mächte ahnt,
64
Die ihr im Busen Hütten bauen?
65
So ist’s! ein Ahnen flüstert leis:
66
All dieser Stolz ist Aetna-Eis,
67
Ist Lüge, die zu leugnen strebt
68
Die Lavagluth, die drunter lebt.

(Fontane, Theodor: Gedichte. Berlin, 1851.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Theodor Fontane
(18191898)

* 30.12.1819 in Neuruppin, † 20.09.1898 in Berlin

männlich, geb. Fontane

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.