Schloß Eger oder drei böhmischer Grafen Tod

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Theodor Fontane: Schloß Eger oder drei böhmischer Grafen Tod (1851)

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Lärmend, im Schloß zu Eger
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Ueber dem Ungarwein,
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Sitzen die Würdenträger
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Herzogs Wallenstein:
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Tertschka — des Feldherrn Schwager,
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Illo und Kinsky dazu,
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Ihre Heimath das Lager,
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Und die Schlacht — ihre Ruh.

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Lustig flackern die Kerzen;
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Aber der Tertschka sprischt:
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„ist mir’s Nacht im Herzen,
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Oder vor’m Gesicht?
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Diese Lichter leuchten
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Wie in dunkler Gruft,
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Und die Wände, die feuchten,
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Hauchen Grabesluft.“

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Feurig funkelt der Unger;
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Aber der Kinsky spricht:
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Draußen bei Frost und Hunger
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Schüttelte so mich’s nicht,
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Hielte lieber bei Lützen
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Wieder in Qualm und Rauch;
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Wolle Gott uns schützen,
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Oder — der Teufel auch.“

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Illo nur, Herz wie Kehle
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Hält er bei Laune sich,
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Dicht ist seine Seele
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Gegen Hieb und Stich,
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Trägt ein Büffelkoller
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Wie sein Körper traun, —
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Lustiger und toller
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War er nie zu schaun.

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Und vom Trunke heiser
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Kreischt er jetzt und lacht:
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„das erst ist der Kaiser,
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Wer den Kaiser macht;
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Eid und Treue brechen
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Schreckt den Feigen allein,
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Hoch, der König der Czechen,
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Herzog Wallenstein!“

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Spricht’s. Da neue Bewohner
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Klirrend in Eisen und Stahl,
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Buttlersche Dragoner
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Dringen in den Saal;
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Buttler selbst, im Helme,
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Tritt an den Illo: „sprich,
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Seid Ihr Schurken und Schelme,
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Oder gut kaiserlich?!“

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Hei, da fahren die Klingen
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Wie von selber heraus,
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Von dem Pfeifen und Schwingen
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Löschen die Lichter aus;
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Weiter geht es im Dunkeln,
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Nein, im Dunkeln nicht:
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Ihrer Augen Funkeln
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Giebt das rechte Licht.

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Tertschka fällt; daneben
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Kinsky mit Fluch und Schwur;
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Mehr um Tod wie Leben
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Ficht selbst Illo nur,
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Schlägt blindhin in Scherben
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Schädel und Flaschen jetzt,
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Wie ein Eber im Sterben
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Noch die Hauer wetzt.

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Licht und Fackel kommen,
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Geben düstren Schein:
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In einander verschwommen
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Blinken Blut und Wein;
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Ueberall im Saale
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Leichen in buntem Gemisch,
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Stumm, vor seinem Mahle,
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Sitzt der Tod am Tisch.

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Buttler aber, wie Wetter
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Donnert jetzt: „laßt sie ruhn!
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Das sind erst die Blätter,
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An die Wurzel nun.“
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Bald in Schlosses Ferne
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Hört man’s Krachen und Schrein; —
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Schau nicht in die Sterne,
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Rette Dich Wallenstein!

(Fontane, Theodor: Gedichte. Berlin, 1851.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Theodor Fontane
(18191898)

* 30.12.1819 in Neuruppin, † 20.09.1898 in Berlin

männlich, geb. Fontane

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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