Der Tower-Brand

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Theodor Fontane: Der Tower-Brand (1851)

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Wenn’s im Tower Nacht geworden, wenn die
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Höfe leer und stumm,
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Gehn die Geister der Erschlagnen in den Corri-
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doren um,
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Durch die Lüfte bebt Geflüster klagend dann,
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wie Herbsteswehn,
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Mancher hat im Mondenschimmer schon die
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Schatten schreiten sehn.

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Vor dem Zug, im Purpurmantel, silberweiß
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von Bart umwallt,
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Schwebt des sechsten Heinrichs greise, gram-
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verwitterte Gestalt,
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Lady Gray dann, mit den Söhnen König Edwards
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an der Hand; — —
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Leise rauscht der Anna Bulen langes seidenes
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Gewand.

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Zahllos ist das Heer der Geister, das hinauf —
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hinunter schwebt,
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Das da murmelt: „Fluch Dir Tower, dran das
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Blut der Unschuld klebt;
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Schutt und Trümmer sollst Du werden!“ aber
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machtlos ist ihr Fluch,
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Ehern hält den Bau zusammen böser Mächte
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Zauberspruch.

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Wieder nachtet’s, wieder ziehn sie durch die
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Räume still und weit,
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Plötzlich stockt der Zug und schaart sich um ein
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glimmend Tannenscheit,
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Dann geschäftig, wie die Bienen, tragen Schnitz-
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werk sie herzu,
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Und zur hellen Flamme schüren sie die matte
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Gluth im Nu.

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Wie das prasselt, wie das flackert! einen sprühn-
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den Feuerbrand
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Nehmen sie zum nächtgen Umzug jetzt als Fackel
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in die Hand,
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Weithin wird die Saat der Funken in den Zim-
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mern ausgestreut,
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Flammen sollen draus erwachsen; hei, der Fluch
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erfüllt sich heut!

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Alles schläft; doch auf vom Lager springt im Nu
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der rasche Sturm,
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Und er wirft sich in das Feuer, und das Feuer
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in den Thurm,
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An des Towers Felsenwände peitscht er schon
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das Flammenmeer,
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Und den Segen drüber sprechend, wogt auf ihm
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das Geisterheer.

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Doch, als ob das Salz der Thränen feuerfest
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die Wände macht,
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Wie wenn Blut der beste Mörtel, den ein Mei-
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ster je erdacht, —
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Seht, wie durstig auch die Flamme sich von Thurm
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zu Thurme wirft,
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Hat sie doch, als wären’s Becher, nur den In-
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halt ausgeschlürft.

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Wieder, wenn es Nacht geworden, wenn’s im
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Tower leer und stumm,
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Gehn die Geister der Erschlagnen in den Corri-
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doren um,
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Durch die Lüfte bebt Geflüster klagend dann,
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wie Herbsteswehn,
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Mancher wird im Mondenschimmer noch die
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Schatten schreiten sehn.

(Fontane, Theodor: Gedichte. Berlin, 1851.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Theodor Fontane
(18191898)

* 30.12.1819 in Neuruppin, † 20.09.1898 in Berlin

männlich, geb. Fontane

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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