Maria Stuart’s Weihe

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Theodor Fontane: Maria Stuart’s Weihe (1851)

1
Schloß Holyrood ist öd’ und still,
2
Der Nachtwind nur durchpfeift es schrill,
3
Es klirrt kein Sporn in Hof und Hall’,
4
Nur finstres Schweigen überall.

5
Da plötzlich schwebt, in luftgem Gang,
6
Ein hohes Weib die Hall’ entlang:
7
Ihr klares Aug’ strahlt ewig-jung
8
Vom Feuer der Begeisterung.

9
Zu Häupten ihr glüht Sternenschein,
10
Ihr Haar ist Gold, — wer mag sie sein?
11
Sie kommt, und bringt ihr Angebind
12
Im Saale drin dem Königskind.

13
Das Königskind das heißt
14
Sie aber ist die
15
Die neiget jetzt zur Wiege sich,
16
Und flüstert ernst: „ich weihe Dich!“

17
Sie flüstert’s kaum, da — still und stumm
18
Entschwebet schon sie wiederum,
19
Und lachend schlüpfen lust’ge Zwei
20
Jetzt in die Thür, an ihr vorbei.

21
Die Eine strotzt von buntem Tand,
22
Ein Spiegel blitzt in ihrer Hand,
23
Bald schaut sie sich und bald ihr Kleid,
24
Das war die Dirne „

25
Die Andre frech und üppig gar,
26
Trägt langes aufgelöstes Haar,
27
Ihr Aug’ ist schwarz, nackt ihre Brust,
28
Das war die Dirne „

29
Sie neigen beid’ zur Wiege sich,
30
Und kichern hell: „wir weihen Dich!“
31
Da huscht, — und ihre Wang’ erblasst,
32
Rasch in den Saal ein dritter Gast.

33
Wie Schatten schleicht er an der Wand,
34
Sein Kleid ist roth, roth seine Hand,
35
Er schaut sich um, sein Auge sticht,
36
Und messerscharf ist sein Gesicht.

37
Er neigt sich jetzt, und spricht das Wort:
38
„ich weihe Dich zu Blut und Mord!“
39
Aufschreit im Schlaf das Königskind,
40
Und heller draußen pfeift der Wind.

41
Der Gast ist fort, doch her und hin
42
Wirft banger Traum die Schläferin,
43
Geweiht für’s Leben schlummert sie
44
Die schöne, schottische Marie.

(Fontane, Theodor: Gedichte. Berlin, 1851.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Theodor Fontane
(18191898)

* 30.12.1819 in Neuruppin, † 20.09.1898 in Berlin

männlich, geb. Fontane

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.