2.

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Theodor Fontane: 2. (1851)

1
Manch Jahr, in immer schnellrer Flucht,
2
Ist hin in’s Land gegangen,
3
Längst hält der Graf, in Sitt’ und Zucht,
4
Ein jung Gemahl umfangen;
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In ihrem Aug’ ist andres nicht
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Wie Lieb und Treu zu schauen,
7
Doch keinem Engelsangesicht
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Vermöcht er zu vertrauen.

9
Er schläft: — auffährt er aus dem Traum,
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Er bebt an Seel’ und Leibe,
11
Todblaß, die Füße wollen kaum,
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Schleicht er zu seinem Weibe;
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Er lauscht, und als er vor ihr steht,
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Was hört er?
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Ihr Träumen war ein fromm Gebet,
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Vernehmlich sprach sie: Amen!

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Er reitet einsam in den Wald,
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Und sinnt, und — muß erbleichen:
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Er drückt dem Renner allsobald
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Die Sporen in die Weichen,
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Er fliegt
22
Im Wettlauf mit dem Winde, —
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Und findet — spielend vor dem Schloß,
24
Sein Weib mit seinem Kinde.

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Oft läßt er selbst, auf seinen Knien,
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Den hübschen Blondkopf schaukeln,
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Bis plötzlich tolle Bilder ihn,
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Wie hergeweht, umgaukeln:
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Des Kindes Augen sind so blau,
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Und schwarz sind doch die seinen, —
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Er stößt es fort, und murmelt rauh:
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„was kümmert mich sein Weinen?“

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Einst als sein Roß, im Walde draus
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Gar alten Weg genommen,
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Ist an des Försters stillem Haus
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Der Graf vorbeigekommen;
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Er sprach: „die Treu ist keine Mähr’; —
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Ich hab ihr Band zerrissen,
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Nun treibt mich ruhelos umher
40
Ein strafendes Gewissen.“

(Fontane, Theodor: Gedichte. Berlin, 1851.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Theodor Fontane
(18191898)

* 30.12.1819 in Neuruppin, † 20.09.1898 in Berlin

männlich, geb. Fontane

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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