Bruder Liederlich

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Clemens Brentano: Bruder Liederlich (1808)

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Bruder Liederlich,
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Was saufst dich so voll?
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O du mein Gott,
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Was schmeckts mir so wohl.

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Am Montag
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Muß versoffen seyn,
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Was Sonntag
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Uebrig war vom Wein.

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Am Dienstag
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Schlafen wir bis neun,
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Ihr liebe Brüder
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Führt mich zum Wein.

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Am Mittwoch
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Ist mitten in der Wochen,
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Haben wir das Fleisch gefressen,
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Freß der Meister die Knochen.

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Am Donnerstag
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Stehn wir auf um vier,
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Ihr lieben Brüder,
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Kommt mit zum Bier,

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Am Freytag
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Gehen wir ins Bad,
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Alle Lumperey
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Waschen wir ab.

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Am Samstag
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Da wollen wir schaffen,
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Spricht der Meister:
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Könnts bleiben lassen.

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Am Sonntag
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Vor dem Essen
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Spricht der Meister:
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„jezt wollen wir rechnen.

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„die ganze Woche
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„hast du gelumpt,
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„hast du gesoffen,
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„null für Null geht auf.

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Nun will ich nicht mehr leben,
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Mit dir Geselle mein.
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Urlaub will ich dir geben,
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Weil du nicht bleibst daheim.
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Du hast die sieben Tag
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Gefeiert mit
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So ich nicht leiden mag.

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Gar willig und mit Freuden
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Will ich jezt ziehn davon,
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Will solche Krauter meiden,
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Dies also machen thun,
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O Kraut, o Meister Kraut,
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Des Tags soll zweymal fressen,
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In meine zarte Haut.

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Egyptisch soll dich plagen
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Der Sonn und Mondenschein,
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Ein Bündel schwer zu tragen
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Soll dir Gesellschaft seyn,
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Dazu ein schlimmer Weg,
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Darauf du jezt sollst wandern,
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Bis über die Schuh im Dreck.

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Wie bist du so vermessen,
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Hör zu du Krauter mein,
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Du giebst zwar wohl zu fressen,
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Viel Supp und wenig Fleisch,
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Und alle Tag zwey Kraut,
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Das macht in einem Jahre
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Sieben hundert dreissig Kraut.

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Was soll ich dir belohnen,
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Wenn du's verdienest nicht?
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Den Buckel thust du schonen,
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DastDass dir nicht Weh geschieht;
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Thust alle Stund ein Schlag,
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Die Hand magst nicht aufheben,
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Drum ich dich nimmer mag.

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Die Frau hat mich geliebet,
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Und auch die Tochter dein,
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Der Abschied mich betrübet,
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Bringt mich in schwere Pein,
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Macht mir mein Herz verwundt,
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Wann ich an sie gedenke,
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Und ihren rothen Mund.

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Mein Weib kann dir nicht helfen,
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Weil sie nicht Meister ist,
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Laß nur die Lieb verwelken,
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Wann abgereiset bist,
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Geh, nimm dein Kleid an Leib,
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Und laß das Lieben bleiben,
85
Bey deines Meisters Weib.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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