Don Geishaar

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Clemens Brentano: Don Geishaar (1808)

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Müller, warum thust erbleichen?
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Weiße Farb bezüchtigt dich,
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Aller Muth will von dir weichen,
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Was ist dir, dich frage ich,
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Diebstähl dir vielleicht einfallen
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Die begangen hast beim Mahlen,
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Weisser Müller ohne Scham,
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Weil du führst ein Diebesnahm.

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Schneiderlein, was thust du fragen?
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Warum ich ganz weiß erschein,
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Solltest mir zuvor erst sagen,
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Was bedeut' die Röthe dein?
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Roth bist du vor lauter Fleckel,
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Die gestohlen du Geisböckel,
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Schneider grossen Diebstahl übt,
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Gar nichts als den Abschnitt liebt.

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Mehldieb sei nicht also trutzig,
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Halte mir nicht Diebstahl für,
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Mache dich nicht so unnützig,
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Kehre nur vor deiner Thür,
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Schwarzmehl du für weiß thust geben,
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Davon stiehlst du noch daneben,
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Ja die Kleien stiehlst du auch,
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Das ist ja der Müller Brauch.

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Was thut doch der Geißbock mecken,
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Fängt da mit mir Händel an,
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Will ihn in ein Beutel stecken,
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Hängen auf am Hosenband.
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Diebstahl will er mir vorstossen,
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Der doch voller Diebespossen,
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Sag, wie ist das Kleid doch dein,
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Da's gestohlne Fleckel sein.

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Seckelleerer, magst so lügen
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Schweige mir nur alsbald still,
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Sonsten deinen Mehlmuth biegen,
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Ich mit meiner Elle will,
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Meinst, ich pfleg vom Raub zu leben,
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Weil du es so machest eben,
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Dein Kropf ist Diebstahli voll
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Weil dein Kopf schmirali toll.

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Brauch die Elle nur zum messen,
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Fleckeldieb und nicht für mich,
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Doppelt messen thu vergessen,
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Hiezu mahnt Don Mahlmehl dich,
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Doppelt Tuch und doppelt Seiden
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Doppelt Knöpf brauchst beim Zuschneiden,
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Ja noch dieses nicht erkleckt,
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Weiter sich dein Geitz erstreckt.

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Müller, Mahler, Rockenstehler
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Sag, womit erhälst dein Schwein,
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Kaufst Getraid nicht um ein Heller,
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Muß doch fett wie du ja sein.
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Andre müssen sich ernähren,
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Du thust fremdes Gut verzehren
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Gleich ein Habicht Räuber lebst,
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Und in lauter Diebsiahl schwebst.

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Wie prangst du mit Silberknöpfen,
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Mit Seiden ausgenähtem Tuch,
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Weib und Tochter auch mit Schöpfen,
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Mit Spitz, Bändern, hohem Schmuck,
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Dann dies sind gestohlne Waaren,
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Die da zieren Hoffahrts Narren,
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Bist ein rechter Papagai,
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Ist nichts dein, als das Geschrei.

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Mein Mühlesel thu betrachten,
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Zieh dich bei der Nasen doch,
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Deinen Kropf thu beobachten
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Mit demselben hurtig poch,
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Die Natur hat dir ihn geben,
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Daß du sollst bezeichnet leben.
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Dieser ist ein Ueberfluß,
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Gleich wie dir dein Diebsgenuß.

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Hättst ein Kropf, du wärest schwerer,
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Dürfst nicht tragen 's Bögeleis,
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Der Wind dich hinweht du Leerer,
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Du verschüttest deine . . . .!
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Geh du deine Finger reiben,
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Daß du kannst die Zeit vertreiben,
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Unrecht Gut heraus dir fährt,
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Gesunder Haut bist du nicht werth.

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Eines muß ich dich noch fragen,
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Warum machst die Säck so leer,
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Werden voll dir zugetragen,
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Kehren heim nicht halb so schwer.
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Geld brauchst du für deine Kinder,
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Die nicht klüger als die Rinder,
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Oder für dein Lumpgesind,
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Wenns nicht durch die Gurgel rinnt.

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Sag mir auch du Fingerreiber,
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Zu was so viel Futter ist,
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Doch nicht so viel Diebstahl treibe,
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Schau man kennt schon deine List,
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Steifleinwand, Kameelhaar eben
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Muß man dir ja doppelt geben,
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Damit kleidest du die dein,
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Ach laß doch das Stehlen sein.

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Waitzendieb, Roggendieb, Gerstendieb,
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Korndieb, Kleiendieb, Breiendieb,
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Erbsendieb, du, du, du Linsendieb,
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Graubendieb du, du, du Mehlbeutel,
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Lügenveitel, Wasserkropf, Eselsknopf,
102
Mühlnarr, du, du, du Me Me Mehldieb,
103
Du bist ein Dieb, ja ja ja, nein nein nein,
104
Ich nicht, du du du.

105
Tuchdieb, Zeugdieb, Hosendieb, Seidendieb,
106
Fadendieb, Bordendieb, Säckeldieb,
107
Fleckeldieb, du, du, du Kameelhaardieb,
108
Manchesterdieb, du, du, du Knopfdieb,
109
Fingerreiber, Bocktreiber, Ziegenbart,
110
Armer Tropf, meck meck meck, Ziegenknopf,
111
Du bist ein Dieb, meck meck meck, ja ja ja,
112
Ich nicht, du, du, du!

113
Es ist ein Dieb da!

114
Es ist ein Bock da!

115
Wer ist er?

116
Wer ist er?

117
Der Mahlmehl.

118
Der Geishaar.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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