Streit zwischen dem blinden Cupido und einem Waldbruder

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Clemens Brentano: Streit zwischen dem blinden Cupido und einem Waldbruder (1808)

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Cupido. Willkomm mein lieber Eremit!
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Was machst in dieser finstern Hütt?
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Wie kommts, daß der verdrieslich Wald
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Dir besser als die Stadt gefallt?
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Soll dann ein so betrübter Stand
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Das grob und rauhe Klausnerg'wand
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Den schönsten Kleidern von Drador
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Und Silber gehen vor.

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Eremit. Ein G'müth, so nach dem Himmel tracht,
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Acht' kein Geschmuck noch Kleiderpracht,
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Ein Hütt so mich bedecken kann,
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Ist stattlich gnug für mein Person:
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Dazu wo findt man größre Freud,
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Als in der süßen Einsamkeit?
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Da kann man in vergnügter Ruh
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Sein Leben bringen zu.

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Cupido. Ja, ja, hast recht, ich stimm dir bey
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Daß es kein gemeiner Wollust sey,
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Zubringen seine Lebenszeit
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In Wäldern mit der Jagdbarkeit,
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Wo man die Hirschen und die Reh
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Sieht lustig springen in die Höh,
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Doch aber so verschlossen sein,
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Das geht mir gar nicht ein.

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Eremit. Ist nur ein schnöde Eitelkeit
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Das irdisch Geschütz und Jagdbarkeit,
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Ein rein anmüthig Klausnerg'müth,
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Das ist allein mein Jagdgebieth,
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Mit dem Brevier so mein Geschoß,
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Geh ich auf gutes Waidwerk los,
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Bring meiner Seele einen Schmaus
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Von dieser Jagd nach Haus.

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Cupido. Hast du Lust zu dem Brevier,
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Wie gefallt dir das? hab eins bei mir,
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Das braucht so viel Durchblättern nicht.
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Verlaß den Wald und gehe mit,
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Ich will dich führen in die Stadt,
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So schöne Pläz und Häuser hat,
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Dort leben kannst in guter Ruh,
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Komm! schlag dein Hütte zu.

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Eremit. Wer Gott recht liebt, ihm dienen will,
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Dem ist das Beten nicht zu viel,
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Das Fasten und die Geisselstreich,
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Die bringen mich ins Himmelreich;
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Drum geh nur fort verführisch Kind,
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Dein Rath ist nichts als ungesinnt,
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Laß mich in meiner Klausnerey
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Der Andacht wohnen bey.

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Cupido. Du bist der erst mein Eremit!
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Der mich verstößt aus seiner Hütt,
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Du bist da wie im Himmel drein,
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Quäl dich einmal ein Gott zu seyn,
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Du hast wohl nicht dazu den Muth,
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Ich bin ein armes, junges Blut,
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Und muß mich wagen in die Welt,
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Als Gott bin ich bestellt.

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Eremit. Wenn dem so ist, gieb mir den Pfeil,
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Die Vögel schieß ich zum Kurzweil,
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Bleib hier mit Kutt und mit Brevier,
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Dir reuet's bald, es ist halb vier,
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Da kommt die alte Schäferin,
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Hör an die Beicht mit frommem Sinn,
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So viel ihr sind, sie sind verliebt
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In jeden Eremit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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