Galantes dreissigjähriges Kriegslied

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Clemens Brentano: Galantes dreissigjähriges Kriegslied (1808)

1
Amor, erheb dich edler Held!
2
Begebe dich mit mir ins Feld,
3
Frisch auf!
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Mein Liebchen ist gerüst'
5
Als ob sie mit mir streiten müst',
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Sie hat nichts Guts im Sinn.

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Jezt zieh ich wider die ins Feld,
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Die mir die Liebst ist in der Welt,
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Frisch auf!
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Gott weiß, ich bin bereit,
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Mit ihr zu leben ohne Streit,
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Wenn sie nur selber wollt'.

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Was all ihr Gott verliehen hat
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Vor andern Frau'n aus großer Gnad,
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Frisch auf!
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Das setzt sie wider mich,
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Mich zu vertilgen eigentlich,
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Der ich doch nichts verschuldt.

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Ihr Leib von Gott gar schön bereit
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Die Festung ist, darum ich streit',
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Frisch auf!
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Ihr zarte Brüstelein
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Zwei mächtige Basteien sein,
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Worauf sie sich verläßt.

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Ihr Fähnlein ist der Uebermuth,
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Damit sie mich verachten thut,
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Frisch auf!
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Ihr zarter rother Mund,
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Ist Spieß und Schwerdt, so mich verwundt,
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Ja öfters bis in Tod.

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Trabanten, Fußknecht, Reiterei
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Sind Ungnad, Falschheit, Tirannei.
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Frisch auf!
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Ihr klare Aeugelein,
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Die sind zwei Feuerkügelein,
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Damit sie mich verblendt.

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So Gott mir gönnet Glück und Preis
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Daß ich das Fähnlein niederreiß,
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Frisch auf!
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Ich hoff' damit zu sieg'n,
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Herzlieb, du mußt doch unterlieg'n
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Und geben mir den Preis.

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Die Waffen sind, womit ich streit,
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Kunst, Tugend, Ehr und Frömmigkeit,
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Frisch auf!
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So soll ihr Spies und Schwerd
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So mich vor Zeiten hat versehrt
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Meinen Schaden machen heil.

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Denn nimmer hast du die Gewalt,
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Daß sich dein List gen mir erhalt,
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Frisch auf!
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Geliebt dir Frömmigkeit,
53
Kunst, anrgend, Ehr, so wird der Streit
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Durch mich gewonnen seyn.

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Wo aber du nach Reichthum freist,
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Schau, daß du nie den Kauf bereust,
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Frisch auf!
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O Weh! Ein alter Mann
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Hat einen Sack voll Thaler an,
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Der wird dich führen hin.

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Ein wenig denke nach, mein Schatz,
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Eh du kömmst auf den Musterplatz,
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O Weh!
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Wenn du mich nun besiegst,
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Und dann bei deinem Alten liegst,
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Wie wird dir sein zu Muth!

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Herzallerliebstes Engellein,
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Bedenk, was dir zu thun mag sein,
69
O Weh!
70
Wirst du einmal verführt,
71
Mein junger Leib dir nimmer wird,
72
Du bringst mich auch in Tod.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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