Die Braut von Bessa

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Clemens Brentano: Die Braut von Bessa (1808)

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Zu Felsberg bat mich Kledte,
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Ich solt ihm schreiben recht,
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Was ich gesehen hätte,
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Von manchem stolzen Knecht,
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In einem Dorf hies Bessa,
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Da war ein groß Kürmes,
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Darzu ein grosser Tanz
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Um einen Ketten-Kranz.

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Ich kam einmal gen Beß,
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Auf einen Sonntag früh,
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Da war ein groß Kürmes,
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Davon ich singen will,
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Ich ward gar schön empfangen,
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Von ein'm der hieß Hans Lange,
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Mit dem ich ziehen pflegt
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Gar manche liebe Täg.

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Er bracht mich unter ein Linde,
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Die war unterschieden recht,
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Da fand sich ein wüst Gesinde,
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Das waren die Eisern Knecht,
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Die hätten sich bezeichnet mit Weiden,
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Kein Hochmuth wollen sie leiden,
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Sie sprungen auf den Plan,
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Ein jeder wolt den Vorreihen han.

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Die andern trugen Berken,
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Das war also gethan,
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Das einer den andern soll merken,
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Wann sich erhüb ein Schlan,
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Die dritten trugen Hopfen
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Am Hals und auch am Kopf,
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Truz wer sie zornig mächt,
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Und sie zum Zanke brächt.

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Wohl an demselbigen Tanze,
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Sahe man ein wunder schöne Magd,
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Sie kunt gar wohl umschwanzen,
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Vor allen wohlbehagt,
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Sie kunt gar wol begaffen
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Mit Mönchen und mit Pfaffen,
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Sie wolt kein andern han,
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Als Eisserer Henzen Sohn.

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Sie hieß die Riebel feiste,
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Das war ganz offenbar.
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Viel Spott thät sie beweisen,
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An manchem Knecht fürwahr,
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Es hofft ein jeder Knabe
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Kundschaft mit ihr zu haben,
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Dadurch wuchs ihr der Muth,
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Keinem Geringen thät sie gut.

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Sie war so schön gezieret,
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Den Sternen ward sie gleich,
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Darzu konnt sie vexieren
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Die Knaben meisterlich,
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Sie war von solcher Schanze,
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Daß jeder wolt mit ihr tanzen,
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Dadurch zulezt geschah,
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Groß Leid und Ungemach.

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Da kam ein stolzer Knabe,
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Der hieß Bellerstein,
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Den Vortanz wolt er haben,
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Mit der schönen Magd allein,
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Er sprach: Mich thun verdrießen,
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Die Helleparten und die Spiesse,
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Der sehe ich also viel,
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Daß ich nicht tanzen will.

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Ein Zank erhub sich balde,
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Durch die Eissern und Bessar Knecht,
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Ein jeder wolt den Plaz behalten,
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Sie waren all kühn und frech,
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Sie begundten sich zu schlagen,
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Die Bessar waren zagen,
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Sie machten die Flucht darvon,
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Die Eissern behielten den Plan.

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Wol an demselben Tanze,
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Sag ich wohl auf mein Eid,
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Waren vier und vierzig Knechte,
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Waren alle roth Lündsch gekleidt,
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In gelben Wammes und Hosen,
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Sie sprungen als wären sie rasend,
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Sie machten sich so breit,
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Zum Streit waren sie bereit.

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Großen Hochmuth thäten sie treiben,
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Mit Trotzen, Keiben und Schlan,
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Das wolt ich bald aufschreiben,
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Und nicht vergessen lan,
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Sie thäten sich bald bedenken,
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Ein Trinkgeld wolten sie mir schenken,
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Sie brachtens zu mir her,
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War gar nicht mein Beger.

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Sie thäten mich bald fragen:
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Ob ich der Schreiber wär?
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Das solt ich kurzum sagen,
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Dazu ward mir nicht her.
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Ich gab ihn gute Worte,
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Als die keiner nie erhörte,
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Ich macht mich bald darvon,
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Ihr Klopfen an mich kam.

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Sie wolten mich lernen schreiben,
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Die zornig Bursche Art,
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Bei ihn war nicht zu bleiben,
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Sie waren mir viel zu gelahrt;
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Ihr Buchstaben thaten sie ziehen
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Mit Schlägen und großen Striemen,
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Ich macht mich bald darvon,
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Begert von ihn kein Lohn.

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Der uns dies Lied thut singen,
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Will ich berichten bald,
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Von dannen mußt er entspringen,
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Sonst er nicht worden alt,
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Er ging mit kurzen Schritten,
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Recht nach der Hasen Sitten,
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Ja lauffete über Nacht.
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Ade zu guter Nacht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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