Alle bey Gott, die sich lieben

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Clemens Brentano: Alle bey Gott, die sich lieben (1808)

1
Es hatt' ein Herr ein Töchterlein,
2
Mit Nahmen hieß es Annelein,
3
Ein Herrn wollt man ihr geben,
4
Frau Markgräfin sollte es werden.

5
Ach Vater ich nehm noch keinen Mann,
6
Ich bin nicht älter dann elf Jahr,
7
Ich bin ein Kind und sterb fürwahr.

8
Es stund nicht an ein halbes Jahr,
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Das Fräulein mit dem Kinde ging,
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Sie bat ihren Herrn im Guten,
11
Er sollt jezt holen ihre Mutter.

12
Und als er in den finstern Wald eintrit,
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Ihm seine Schwieger entgegen schritt:
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„wo habt ihr dann euer Fräulein?“

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Mein Fräulein liegt in großer Noth,
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Fürcht, wenn wir kommen, sei sie schon todt;
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Mein Fräulein liegt in Ehren
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Ein Kind soll sie gebähren.

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Und als er über die Heide ritt,
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Ein Hirtlein hört er pfeifen,
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Ein Glöcklein hört er läuten.

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Ei Hirtlein, liebes Hirtlein mein,
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Was läutet man im Klösterlein,
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Läutet man um die Vesperzeit,
25
Oder läutet man um eine Todten Leich?

26
Man läutet um eine Todten Leich!
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Es ist dem jungen Markgrafen
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Sein Fräulein mit dem Kind entschlafen.

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Und als er zu dem Thor einritt,
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Und als er in den Hof einritt,
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Drei Lichter sieht er brennen,
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Drei Schüler Knaben singen.

33
Und als er in die Stube kam
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Sein Fräulein in der Bahre lag,
35
Das Kindlein in ihren Armen lag.

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Er küßt sie an ihren bleichen Mund,
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Jezt bist du todt und nimmer gesund.
38
Er küßt sein Kindlein an ihrem Arm,
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Das Gott erbarm, das Gott erbarm.

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Die Mutter die war ganz allein,
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Die sezt sich an ein harten Stein,
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Vor Leid brach ihr das Herz entzwei.

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Da zog er aus sein glitzerich Schwerd,
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Und stachs sich selber durch sein Herz:
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Er sprach, ists nicht ein Straf von Gott,
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Vier Leichen in eines Fürsten Schloß.

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Es stand nicht länger als drei Tag,
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Drei Lilien wuchsen auf des Fräuleins Grab,
49
Die erste weiß, die andre schwarz.

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Die schwarz dem kleinen Kindlein war,
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Weil es noch nicht getaufet war;
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Auf der dritten war wohl geschrieben:
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Sie sind all bei Gott, die sich lieben.

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Den Herrn, den gräbt man wieder aus,
55
Legt ihn zum Annelein ins Gotteshaus,
56
Da liegen vier Leichen zusammen,
57
Das Gott erbarme. Amen!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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