Die Herzogin von Orlamünde

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Clemens Brentano: Die Herzogin von Orlamünde (1808)

1
Albert Graf von Nürnberg spricht:
2
„herzogin ich liebe nicht;

3
„bin ein Kind von achtzehn Jahren
4
„und im Lieben unerfahren,

5
„würde doch zum Weib dich nehmen,
6
„doch vier Augen mich beschämen;

7
„wenn nicht hier vier Augen wären,
8
„die das Herze mein beschweren.“

9
Orlamündens Herzogin
10
Spricht zu sich in ihrem Sinn:

11
„witwe bin ich schön vor allen,
12
„aller Fürsten Wohlgefallen;

13
„wenn nicht hier vier Augen wären,
14
„würde seine Lieb mich ehren.“

15
„kinder ihr vom schlechten Mann,
16
„der mich hielt in strengem Bann;

17
„weil ihr meine Land ererbet
18
„wenn ihr nicht unmündig sterbet.“

19
Also Oehl in Flammen wüthet,
20
Das statt Wasser aufgeschüttet.

21
Also deutet sie die Rede
22
Auf zwey eigne Kinder schnöde,

23
Die im Saal zum Spiel abzählen,
24
Unter sich den Engel wählen:

25
„engel, Bengel, laß mich leben,
26
„ich will dir den Vogel geben.“

27
Nadeln aus dem Wittibschleyer
28
Zieht sie, daß er falle freyer,

29
Zu dem wilden Hager spricht:
30
„nimm die Nadeln und verricht,

31
„schwarzer Hager, du mein Freyer
32
„fürchtest nicht den schwarzen Schleyer,

33
„fürchtest du nicht auch vier Augen,
34
„die zum Zusehn hier nicht taugen,

35
„setz' dich mit zu ihren Spielen,
36
„daß sie keine Schmerzen fühlen,

37
„daß die Wunden niemals sprechen,
38
„must du in das Hirn sie stechen,“

39
Herulus zum Hager spricht,
40
Eh der ihm das Hirn einsticht:

41
„lieber Hager, laß mich leben,
42
„will dir Orlamünde geben,

43
„auch die Plassenburg die neue,
44
„und es soll mich nicht gereuen.“

45
Herula zum Hager spricht,
46
Eh er ihr das Hirn einsticht:

47
„lieber Hager laß mich leben,
48
„will dir meine Docken geben,

49
„engel, Bengel laß mich leben,
50
„will dir meinen Vogel geben.“

51
Hager sich als Mörder nennt,
52
Eh er sich das Hirn einrennt.

53
„gott ach Gott, wo werd ich ruhen,
54
„höre schon den Vogel rufen,

55
„gott ach Gott, wo soll ich fliehen,
56
„sehe schon den Vogel ziehen.“

57
Albert spricht zur Herzogin:
58
„das war nicht der Rede Sinn,

59
„meinte unsre eignen Augen,
60
„wie wir nicht zusammen taugen.“

61
Beyde Kinder unverweset
62
Liegen noch im Marmorsarge,
63
Als wär heut der Mord gewesen,
64
Recht zum Trotze allem Argen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.