Taille douce eines süßen Herrn in bittrer Manier von 1650

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Clemens Brentano: Taille douce eines süßen Herrn in bittrer Manier von 1650 (1808)

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Hört zu, ein neuer Pantalon ist auf dem Markt an-
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kommen,
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Den Charletan jagt er davon, hat selbst den Platz ge-
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nommen,
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Der seltsam Kund in einer Stund wird tausend Possen
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reißen,
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Bist du ein Mann, trutz schau ihn an und's Lachen thu'
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verbeißen.

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Was ist das für ein Strobelhaar, sind's Igel oder
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Ratzen?
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Vielleicht nur einmal in dem Jahr thu'n kämmen ihn die
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Katzen.
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Sein Haar ist g'wiß ein Storchennest, krumm hin und
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wieder bogen,
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Er hat ein Schopf wie ein Wiedhopf, viel Volks darein
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erzogen.

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Am linken Ohr hängt ihm herab ein a la Mode Zot-
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ten,
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Den darf er gar nicht stutzen ab, bey Leibstraf ists ver-
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boten,
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Dünkt ihm sehr toll, wie ihm die Woll herumschwebt vor
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den Augen,
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Ist lang und dick, für einen Strick thu't es dem Henker
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taugen.

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Bald flicht er ihn wie einen Zopf, thut ihn zusammen-
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drehen,
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Läst rausser schaun ein'n kleinen Schopf, damit man ihn
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thut kennen,
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Er bindt darein ein Nestel ein, das er bey'm Krämer
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funden,
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Ein Dama nennt, die ihn nit kennt; sagt, hab's ihm
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eingebunden.

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Der Huth ist voller Federbüsch, als ob er wollte flie-
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gen,
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Er gäb ein'n guten Flederwisch, damit man kehrt die
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Stiegen,
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Er macht's mit Fleiß hell gelb halb weiß fein scheckigt wie
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die Narren,
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Er schmieget sich schön, und fliegt davon, will hier nicht
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länger harren.

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Der Bart ist spitzig überaus, krum hin und her gezo-
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gen,
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Mich däucht es sey ein Fledermauß ihm für das Maul
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geflogen,
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Mich dünkt wie daß ihm bey der Nas die Flügel sie
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ausbreite.
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Ein schöne Art von Ratzenbart, thu't Noth, daß man ihn
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schneide.

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Das Streichen währt den ganzen Tag und sonderlich am
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Morgen
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Bis er sich schickt, macht ihm viel Plag, und wunder-
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große Sorgen,
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Muß spitzig seyn, ein Nädelein könnt man damit ein-
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födel'n,
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Es hat kein End, all beyde Händ haben daran zu
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knödel'n.

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Ein Leilach, wenn's erklecken kann, braucht er für einen
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Kragen,
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Ein Hasengarn hängt unten dran, Zahmwildprett drinn
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zu jagen,
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Er dient ihm statt als Fazolett, das Maul thut er dran
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putzen,
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Stärkt ihn mit Schmutz, der Hudelbutz, mit Falten thut
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er stutzen.

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Um seinen Hals trägt er zumal ein breite rothe Bin-
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den,
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Damit ihn kein Catharr befall, er könnt sonst nicht mehr
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schlingen,
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Das Hälsle das ist weiß und rein; es möchts die Sonn
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verbrennen,
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Der lose Tropf verdeckt den Kropf, man mög't den Schelm
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sonst kennen.

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Zu dem Reitmantel, den er trägt, kaum zwanzig Ellen
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klecken,
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In Ermeln, die er überschlägt, könnt er zwei Dieb ver-
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stecken.
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Das Tuch ist roth, es wäre noth, wenns giebt ein'n
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großen Regen,
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Daß allemal ein Futteral er drüber thät anle-
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gen.

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Da braucht es Müh und Arbeit viel den Mantel recht zu
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tragen,
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Wenn er hinauf ihn ziehen will; so runzelt er den Kra-
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gen,
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Er muß allzeit auf einer Seit, gar weit hinunter han-
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gen,
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Liegt viel daran, daß man auch kann in schönem Wam-
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mes prangen.

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Das Wammes wie ein Vogelhaus zerhauen und zersto-
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chen,
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Ach Gott wie mancher Vogelstrauß ist aus und eingekro-
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chen,
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Es ist darbey ein Vortheil neu, kanns nit besser zer-
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reißen,
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Er besserts noch, giebt nur ein Loch, wenn zwei zusam-
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menschleißen.

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Damit er noch mehr Luft empfang, thut er die Knöpf
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aufschließen;
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Im Winter ist ihm heiß und bang, er würd sonst schwitzen
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müssen.
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Der Nestel viel ohn' Maaß und Ziel sind um und um
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herbunden,
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Er geb wohl ab ein Nestel Schwab, wie man schon längst
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hat funden.

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Die Tätzle wie die Pattenfleck, jetzt auf jetzt nieder schlin-
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gen,
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Wann er die Händ' vom Leib hin rek't, thu'n hin und
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wieder schwingen,
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Hat Händsche an, die man wohl kann ein halbe Meil
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weit schmecken,
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Wo das nit wär; so röche er gleich allen andern
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Böcken.

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Er weiß gar nit mehr wie er soll den Degen jetzt an-
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henken,
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Er will sich nirgend schicken wol, hat zwanz'gerley Be-
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denken,
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Thu't ihn vielmehr ganz hinten her, als an der Seite
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tragen,
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Es leben noch all, die er zumal in einem Streich er-
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schlagen.

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Die Bloderhosen um die Bein sind weiter als um d' Len-
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den,
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Die krumme Schenkel sieht man nie, damit sie ihn nit
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schänden,
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Ein Spangen weit, drey Finger breit sind sie am End
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aufschnitten,
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Dort kratzt er sich, wenn er ein Stich von
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erlitten.

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Groß Fischerstiefel hat er an, so weit als ein Wasch-
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kübel,
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Nit g'nugsam er d'rein prangen kann, wiewohl sie stehn
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gar übel.
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Ein Regenfaß kann man zum Spaß gar leicht daraus
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formiren,
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Sie waklen nicht, sind fest gericht, auf Stöcklein sich
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fundiren.

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Groß Sporenleder hat er an, gar weit ein halbe
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Ellen,
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Gallotschen hangen unten dran, mag alles nit erzäh-
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len,
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Wie ein Pflugrad er Spornen hat, mit Resonant hell
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klingen,
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Wie wohl er sie, vielleicht gar nie aufs Pferd hinauf thut
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schwingen.

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Der trutzig Gsell tritt da herein, als wollt er alle
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fressen,
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Ist allzeit doch beim Sonnenschein beim Ofen hinge-
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sessen.
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Die deutsche Sprach ist all sein Sach, kann kein Hund
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anders loken;
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Sein Vater sizt und Stecken schnizt, sein Mutter spinnt
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am Rocken.

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Kömmt er zur Burst (Gesellschaft), thut er zur Stund
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Basalamana schneiden,
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Zieht seinen Huth, fährt zu dem Mund, sagt Servitor
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von weitem.
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Macht Cortesie, biegt doch die Knie, gar nicht oder gar
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wenig,
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Das Haupt er buckt, die Achseln zuckt
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terthänig.

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Wann er dann in die Kirche geht, auf ein Fuß kniet er
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nieder,
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Er macht kein Kreuz, spricht kein Gebet, er gafft nur hin
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und wieder,
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Er dreht sein Bart zusammen hart, streicht die Razzen-
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schnauz zur Seiten,
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Gar weit von hinn mit feinem Sinn thut er spazieren
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reiten.

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Sein Red' ist lauter Phantasie, viel schwätzen und viel
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lügen,
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Er lügt daher ohn alle Scheu, bis sich die Balken
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biegen,
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Erzählet frei, wie daß er sey in fremdem Land' ge-
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wesen,
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Er könn viel Sprach, kann allem nach ja kaum ein Buch-
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stab lesen.

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Er lügt daher manch Ritterthat, die er nit hat be-
178
gangen,
179
Wie er belagert jene Stadt und jenen Kriegsmann
180
g'fangen,
181
In einem Streich hab er zugleich zwei Kürassier er-
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schlagen,
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Kein todten Hund hat er verwundt, er thet daran ver-
184
zagen.

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Wann er dann auf die Fechtschul geht, sich da zu
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exerziren,
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Und einer ihm entgegen steht, die Wehr thut presen-
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tiren,
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Da zuckt er zwar, darf doch nit gar, er thut zu leztens
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wagen,
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Fängt fechten, er muß wohl dran, man thät ihn sonst
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ausjagen.

193
Jezt nimmt er ein Postur an sich, jezt spanisch, jezt
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französisch,
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Passiert jezt durch, jezt über sich, haut drein zulezt po-
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läckisch,
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Weil er nichts kann, so geht er an, und thut die Nas'
198
verstossen,
199
Das rothe Blut verderbt den Muth, ihm schmecken nit
200
solch Possen.

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Auf dem Tanzboden läßt er sich im Jahr nit zweimal
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sehen,
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Hüpft in die Höh ganz wunderlich, kann nichts als rum-
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mer drehen,
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Macht Capriol, als wär er toll, thut hin und wieder
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fallen,
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Hurtig dazu, gleich einer Kuh, fällt nieder, das thut
208
knallen.

209
Die Reitschul sucht er selten heim, er thut vorbei nur
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schnurren,
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Er hat ein hinkend Pferd daheim, ein alte Krämer
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Gurren,
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Giebt ihr kein Heu, kein Futterei, läßt sie nur ewig
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grasen,
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Sie geht den Zelt bis daß sie fällt, den vierten Schritt
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auf d' Nasen.

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Hiemit so end ich mein Gesang, vom Allomodo ge-
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sungen,
219
Wer es nit leiden mag der gang und binde mir die
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Zungen,
221
Der Eitelkeit zu dieser Zeit, dienen viel solcher Lap-
222
pen,
223
Die dazumal verdienen all eine große Narrenkap-
224
pen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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