1
Ich bin der Gott Bachus genannt,
2
Den guten Schluckern wohlbekannt,
3
Die dienten mir ein lange Zeit;
4
Die Fürsten, Herrn und Edelleut,
5
Dazu Mönche und auch Pfaffen,
6
Haben mit mir viel zu schaffen.
7
Allweg hat man mit mir groß Freud,
8
Man brauchet mich auch gegen Leid.
9
Durch mich hat mancher viel gewagt,
10
So er sonst war so gar verzagt,
11
Ich thäts als frey mit Hülf und Rath,
12
Des Weines war da früh und spat,
13
Man sang, man sprang, man rang dazu,
14
Durch mich hat man kein Rast noch Ruh
15
Mit Geigen, Pfeifen, Saitenspiel,
16
Kein Schimpf noch Scherz war mir zu viel.
17
Ich richt auch etwan zu Unrug,
18
Daß einer den andern weicher schlug;
19
Und aber jetzt, zu dieser Frist,
20
Ein ander Rüstung worden ist.
21
Seither der Wein ist edel worden,
22
Will er nicht mehr in gemeinen Orden,
23
Gesellt sich stets zu großen Herren,
24
Die allweg ohne Trauren zehren.
25
Vor Zeiten war man wohlgemuth,
26
Ob es schon allweg nicht war gut,
27
Sollt einer von der Kirbin gahn,
28
Sollt sich nicht vollgesoffen han!
29
Und wenn der Bauer kam zu Markt,
30
So war ihr keiner also karg,
31
Er trank vorher ein Mäßlein Wein,
32
Er kam oft heim beim Mondenschein,
33
Und sang, daß die lieb Haide lacht,
34
Er wenig an sein Schuldner dacht.
35
Nun aber jetzt hats den Bescheid,
36
Es ist mir wahrlich selber leid;
37
Wie geht der Wein, lugt wie er prangt,
38
Als wie ein Bildniß an der Wand,
39
Und hat ein Knecht, der geht ihm nach,
40
Ich denk er thuts nur ums zur Schmach,
41
Er zeigt sein Helm und auch sein Schild,
42
Und aufs gemeine Volk nur schilt,
43
Er ist ein Herr nun mit Gewalt,
44
Kein Mann ist jetzund also alt,
45
Sonst bracht er große Abentheuer,
46
Doch jetzo ist er viel zu theuer,
47
Daß niemand ihn bezahlen kann,
48
Er ist nicht für gemeinen Mann.
71
Was zankt ihr hier, ihr losen Leut,
72
Ihr wißt nicht um die Armuth beyd,
73
Ich bin ein alter, kranker Mann,
74
Mein Lebtag ich gearbeit han,
75
Und wär mir noth, daß ich jetzt hätt'
76
Ein Trünklein nur vorm Tode spät,
77
Soll ich nun ein halb Mäßlein trinken,
78
Es thut mir sehr im Seckel sinken,
79
Trink ich ein Achttheil nur der Maaß,
80
So machts mir kaum die Zunge naß.
81
Ich glaub, es sey ein rechte Straf
82
Die Gott über uns Menschen schaff,
83
Es sey doch Gott ewig geklagt,
84
Daß er uns mit der Theure plagt,
85
Wir han doch leider oft getrunken,
86
Daß wir sind unter die Bänk gesunken,
87
Und wenn die Zech nun hat ein End,
88
So gieng es heim dicht an die Wänd,
89
Je einer dann des andern lacht,
90
Wie hab ich ihn so voll gemacht;
91
Jetzt macht der Wein sich gar zu kraus,
92
Man säuft ihn nicht im Ganzen aus
99
Sagst recht davon, wers Geld nur hätt',
100
Hätt ich das Geld, ichs wagen thät,
101
Ich hab jetzund daran gedacht,
102
Du hast mich um viel Pfenning bracht,
103
Mir dünkt auch wohl, was du vorher
104
Gewesen bist, der du jetzt her
105
Mit deinen Schilden prächtig gehst,
106
In Silber und in Gold da stehst,
107
Und prangst mit dir, als seyst ein Fürst,
108
Drum daß uns allweg nach dir dürst.
109
Du weist noch wohl zu dieser Frist,
110
Wo du vorzeit gewesen bist,
111
Du fielst auch manchmal mit mir hin,
112
Man schütt dich oft auch untern Tisch,
113
Ich sah auch oft, du machst Unruh,
114
Daß man dich aufs Diuppen schlug,
115
Und werd ich dich wiederum treffen,
116
So werd ich dich zum Fenster n'aus werfen.
117
Wenn du mich hast, so halt mich fast,
118
Kein Geld zum Weine du mehr hast,
119
Ich mag nicht hören euer Klagen,
120
Ihr wißt euch gar nicht zu betragen,
121
Wer mich will haben, muß mich zahlen,
122
Nach allem meinem Wohlgefallen.
123
Gen Worms zieh ich auf den Reichstag,
124
Da ich ein große Losung hab;
125
Bey Fürsten und bey Edelleuten
126
Thut man mit Fingern auf mich deuten,
127
Man thut mich in ein Prachtgeschirr,
128
Und zieht mich allenhalb herfür.
129
Wie soll ich mich ernähren,
131
Ich hab nicht viel zu zehren,
132
Zu theuer ist der Wein,
134
Beym Wein hab ich gewohnt,
135
Den Abend und den Morgen,
136
Bis er ist hoch belohnt.
137
Der Wein ist worden Ritter,
139
Ich habe nicht gestritten,
140
Der Wein hat mich bemüht,
141
Nun sieht er mich nicht an,
142
Und ist ein vornehm Mann,
143
Den ich einst jung getreten,
144
Und jetzt noch tragen kann.
145
So wollt ich gern ihm singen,
146
Doch hat mein Stimm kein Ton,
147
Ich kanns zu Stand nicht bringen,
148
Wenn ich den Wein so schon';
149
Ich kann nicht fröhlig seyn,
150
Zu theuer ist der Wein,
151
Muß ich denn Wasser saufen,
152
So schlafe ich gleich ein.
153
Kein Kurzweil ist beym Wasser,
155
Bezeugs mit jedem Prasser,
156
Die zechen durch das Jahr,
157
Der Wein ist mir zu theur,
158
Versauf ich Haus und Scheur,
159
Es ist allein mein Schaden,
160
Es giebt mir niemand Steur.