Bachus

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Clemens Brentano: Bachus (1808)

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Ich bin der Gott Bachus genannt,
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Den guten Schluckern wohlbekannt,
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Die dienten mir ein lange Zeit;
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Die Fürsten, Herrn und Edelleut,
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Dazu Mönche und auch Pfaffen,
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Haben mit mir viel zu schaffen.
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Allweg hat man mit mir groß Freud,
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Man brauchet mich auch gegen Leid.
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Durch mich hat mancher viel gewagt,
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So er sonst war so gar verzagt,
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Ich thäts als frey mit Hülf und Rath,
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Des Weines war da früh und spat,
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Man sang, man sprang, man rang dazu,
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Durch mich hat man kein Rast noch Ruh
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Mit Geigen, Pfeifen, Saitenspiel,
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Kein Schimpf noch Scherz war mir zu viel.
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Ich richt auch etwan zu Unrug,
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Daß einer den andern weicher schlug;
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Und aber jetzt, zu dieser Frist,
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Ein ander Rüstung worden ist.
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Seither der Wein ist edel worden,
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Will er nicht mehr in gemeinen Orden,
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Gesellt sich stets zu großen Herren,
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Die allweg ohne Trauren zehren.
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Vor Zeiten war man wohlgemuth,
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Ob es schon allweg nicht war gut,
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Sollt einer von der Kirbin gahn,
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Sollt sich nicht vollgesoffen han!
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Und wenn der Bauer kam zu Markt,
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So war ihr keiner also karg,
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Er trank vorher ein Mäßlein Wein,
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Er kam oft heim beim Mondenschein,
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Und sang, daß die lieb Haide lacht,
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Er wenig an sein Schuldner dacht.
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Nun aber jetzt hats den Bescheid,
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Es ist mir wahrlich selber leid;
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Wie geht der Wein, lugt wie er prangt,
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Als wie ein Bildniß an der Wand,
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Und hat ein Knecht, der geht ihm nach,
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Ich denk er thuts nur ums zur Schmach,
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Er zeigt sein Helm und auch sein Schild,
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Und aufs gemeine Volk nur schilt,
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Er ist ein Herr nun mit Gewalt,
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Kein Mann ist jetzund also alt,
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Sonst bracht er große Abentheuer,
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Doch jetzo ist er viel zu theuer,
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Daß niemand ihn bezahlen kann,
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Er ist nicht für gemeinen Mann.

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Ich laß mir das nicht zweymal sagen,
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Ich will hier gut Gesellen fragen.
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Wie sitzt ihr also traurig hier,
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Als wärs vor Tag und sonst noch früh?
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Ich will euch einen Kurzweil machen,
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Daß ihr allsammt müst drüber lachen.

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Ach edler, fester, theurer Wein,
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Ich wollt gern mit euch fröhlich seyn,
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Doch mag die Kosten ich nicht tragen,
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Beserg, ich darf so was nicht wagen.

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Ach Bestlin, wie bist du ein Mann,
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Ich leider nicht ein Pfenning han,
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Hätt ich so vieles Geld wie du,
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So wär bei mir kein Rast noch Ruh.

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Ich spar es auf für'n alten Mann,
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Das Saufen will ein Reichen han.

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Dein Lebtag hast kein guten Tag,
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Denn du bist karg und hast dein Klag,
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Leih du mir Geld und ich will saufen,
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Sollt morgen ich den Rock verkaufen.

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Zeug du nur hin, mach kein Gesicht,
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Ich werd dir wahrlich leihen nicht.

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Was zankt ihr hier, ihr losen Leut,
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Ihr wißt nicht um die Armuth beyd,
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Ich bin ein alter, kranker Mann,
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Mein Lebtag ich gearbeit han,
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Und wär mir noth, daß ich jetzt hätt'
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Ein Trünklein nur vorm Tode spät,
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Soll ich nun ein halb Mäßlein trinken,
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Es thut mir sehr im Seckel sinken,
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Trink ich ein Achttheil nur der Maaß,
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So machts mir kaum die Zunge naß.
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Ich glaub, es sey ein rechte Straf
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Die Gott über uns Menschen schaff,
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Es sey doch Gott ewig geklagt,
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Daß er uns mit der Theure plagt,
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Wir han doch leider oft getrunken,
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Daß wir sind unter die Bänk gesunken,
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Und wenn die Zech nun hat ein End,
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So gieng es heim dicht an die Wänd,
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Je einer dann des andern lacht,
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Wie hab ich ihn so voll gemacht;
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Jetzt macht der Wein sich gar zu kraus,
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Man säuft ihn nicht im Ganzen aus

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Ihr lieben Herrn, ihr fehlet weit,
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Die Herren und die Edelleut,
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Die saufen noch, als wärens wild,
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Wenn schon das Maaß ein Gulden gilt,
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Wärt ihr bei mir, in mancher Zech,
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Ihr säht wie man mir recht zuspräch.

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Sagst recht davon, wers Geld nur hätt',
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Hätt ich das Geld, ichs wagen thät,
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Ich hab jetzund daran gedacht,
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Du hast mich um viel Pfenning bracht,
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Mir dünkt auch wohl, was du vorher
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Gewesen bist, der du jetzt her
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Mit deinen Schilden prächtig gehst,
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In Silber und in Gold da stehst,
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Und prangst mit dir, als seyst ein Fürst,
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Drum daß uns allweg nach dir dürst.
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Du weist noch wohl zu dieser Frist,
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Wo du vorzeit gewesen bist,
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Du fielst auch manchmal mit mir hin,
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Man schütt dich oft auch untern Tisch,
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Ich sah auch oft, du machst Unruh,
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Daß man dich aufs Diuppen schlug,
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Und werd ich dich wiederum treffen,
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So werd ich dich zum Fenster n'aus werfen.

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Wenn du mich hast, so halt mich fast,
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Kein Geld zum Weine du mehr hast,
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Ich mag nicht hören euer Klagen,
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Ihr wißt euch gar nicht zu betragen,
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Wer mich will haben, muß mich zahlen,
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Nach allem meinem Wohlgefallen.
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Gen Worms zieh ich auf den Reichstag,
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Da ich ein große Losung hab;
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Bey Fürsten und bey Edelleuten
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Thut man mit Fingern auf mich deuten,
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Man thut mich in ein Prachtgeschirr,
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Und zieht mich allenhalb herfür.

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Wie soll ich mich ernähren,
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Ich armes Bruderlein,
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Ich hab nicht viel zu zehren,
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Zu theuer ist der Wein,
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Es ist mir ungewohnt,
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Beym Wein hab ich gewohnt,
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Den Abend und den Morgen,
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Bis er ist hoch belohnt.
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Der Wein ist worden Ritter,
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Altadlich im Geblüt,
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Ich habe nicht gestritten,
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Der Wein hat mich bemüht,
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Nun sieht er mich nicht an,
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Und ist ein vornehm Mann,
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Den ich einst jung getreten,
144
Und jetzt noch tragen kann.

145
So wollt ich gern ihm singen,
146
Doch hat mein Stimm kein Ton,
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Ich kanns zu Stand nicht bringen,
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Wenn ich den Wein so schon';
149
Ich kann nicht fröhlig seyn,
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Zu theuer ist der Wein,
151
Muß ich denn Wasser saufen,
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So schlafe ich gleich ein.
153
Kein Kurzweil ist beym Wasser,
154
Das red ich offenbar,
155
Bezeugs mit jedem Prasser,
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Die zechen durch das Jahr,
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Der Wein ist mir zu theur,
158
Versauf ich Haus und Scheur,
159
Es ist allein mein Schaden,
160
Es giebt mir niemand Steur.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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