Papst Julius

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Conrad Ferdinand Meyer: Papst Julius (1882)

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Halb vom Hades schon bezwungen,
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Von Lemuren schon umschwebt,
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Hat er doch sich losgerungen —
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Sieh er athmet! Sieh er lebt!
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Hinter seinen greisen Brauen
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Flammt's! Jetzt langt er nach dem Bart,
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Zürnt und schilt den Tod mit rauhen,
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Ungestümen Worten hart:

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„weg mir aus dem Angesichte,
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Larven, die mir bleich gedroht!
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Charon, aus dem Sonnenlichte
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Weg ins Schilf mit deinem Boot!
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Keine Macht ist dir gegeben,
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Bis ich selbst dich rufen mag!
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Heute hab' ich noch zu leben
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Einen vollgedrängten Tag!

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Arzt, statt deiner faden Tropfen
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Gieb mir des Falerners Glut!
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Lasse meine Pulse klopfen,
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Wirf mir Feuer in das Blut!
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Auf die Thüren! Weg die Kissen!
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Meine Feldherrn, tretet ein!
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Meine Meister, laßt sie wissen,
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Daß sie dreifach emsig sei'n!

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Regst, Bramante, die geschickten
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Hände du? Vollende doch!
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Diese Augen, sie erblickten
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Gerne deine Kuppel noch!
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Michel Angelo, willkommen!
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Warum schaust du wieder scheel?
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Dort erblick' ich meinen frommen,
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Meinen süßen Raphael!

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Als den Hirten nicht des Lammes,
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Bildet mich als Mosen ab,
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Der den Dränger seines Stammes
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Niederschlug mit wucht'gem Stab —
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Wo die Wasserstürze tosen
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In die Brunnenschale jach,
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Setzet, Meister, mich als Mosen,
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Der die Felsenwand zerbrach!

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Moses bin ich, in dem Blitze
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Sinai's, in Rauch und Dampf:
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Meine donnernden Geschütze
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Enden flammend jeden Kampf!
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Mit den neugegoßnen Stücken
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Bring' ich Burg und Stadt zu Fall,
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Schmettre Breschen, breche Lücken
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In den stärksten Mauerwall!

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Falkner, sprich, was macht mein Sperber,
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Der die Klaue sich zerstieß?
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Marschalk, sag, wie lebt mein Berber,
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Den zu scharf ich jagen ließ?
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Tummelt, Diener, zum Ergötzen
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Mir im Hof ein feurig Thier!
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Laßt es springen, laßt es setzen
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Vor den alten Augen mir!

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Helmt mir die gefurchte Stirne!
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Harnischt mir die welke Hand!
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Der Italien macht zur Dirne,
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Jagt den Fremdling aus dem Land!
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Reicht ein Schwert! Ich will es retten!
62
Ruft, Drommeten, ruft zur Schlacht!
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In der Faust zerrißne Ketten,
64
Schreit' ich durch des Hades Nacht!“

(Meyer, Conrad Ferdinand: Gedichte. Leipzig, 1882.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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