Cäsar Borja's Ohnmacht

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Conrad Ferdinand Meyer: Cäsar Borja's Ohnmacht (1882)

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Wer bin ich? Einer welcher unterging,
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Den Kranz im Haar, den Becher in der Faust,
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Mit einem herculanischen Gelag
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Von einem ungeheuren Sturz bedeckt?
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Ich weiß den Becher nur und meinen Sturz ...
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Im Belvedere ... Gestern ... Am Bankett .. .
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Den Becher, ihn kredenzte schlürfend mir
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Der Papst, der ewig heiter lächelnde,
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Denn Cäsar Borja bin ich, Sohn des Papsts!

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Die Ampel über meinem Lager kämpft
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Mit eines neuen Tages fahlem Schein ...
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Ob's gestern oder ehegestern war,
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Ich weiß es nicht, doch Eines weiß ich wohl:
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In jenem Becher gohr der Borja Gift.
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Er galt dem Gast, dem Bischof. Selbst gewürzt
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Hat sich der Vater ew'gen Schlummers Trunk!
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Ein Becher ward verwechselt. Warum nicht?
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Verrath des Schenken? Zufall? ... Es geschah.
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Ich lebe. Meine Drachenkraft bezwang
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Das Drachengift. Die Stunde ruft. Zur That!

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Leer steht ein Thron und eine Krone rollt.
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Verbraucht ist das Apostelmärchen. Weg
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Damit! Der Vater war der letzte Papst!
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Ein König folgt ihm nach und der bin ich.
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Entscheidungsstunde, nicht erschreckst du mich,
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Ich habe lange dich voraus bedacht:
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Entlarve mir dein kühnes Angesicht!
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Du heißest Heute! Kämmrer, gieb das Schwert!
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Reif stehn die Ernten und die Sichel blitzt.
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Marsch, meine Banden! Richtet das Geschütz
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Auf des Conclave Kammern! Suchst du mich,
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Hauptmann? Im Borgo, sagst du, wird gekämpft?
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Ich komme! Ich vertausendfache mich!
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Ich steige mordend auf das Capitol
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Und mit Italiens Krone krön' ich mir
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Dies Haupt das seine Frevel überragt!

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Ich träume nur und komme nicht vom Platz.
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Sturmlaufend bleib' ich eingewurzelt stehn.
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Gelähmte Sehnen! Meuchlerisches Gift!
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Auf einem Krankenlager krümm' ich mich.
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Kein Diener hier! Kein Arzt an meinem Pfühl!
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Miethlinge! Meine Stunde schwebt vorbei,
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Mit flieh'ndem Fuß berührt sie spottend mir
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Die Faust, die ein erdichtet Schwert umkrampft.
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Verweile, Schicksalsstunde! ... Doch sie schwebt.
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Ich fühle meiner Feinde heimlich Werk:
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Sie schaufeln, sie miniren, während ich
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Geschleudert aus der Schranke liege ... Dort!
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Die grüne Feuerkugel! Ein Signal
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Von meinen Banden? Nein, ein Meteor
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Zuckt flüchtig durch die schwüle Sommernacht.
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Hier über Roma's Kuppeln loht es auf:
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Nahn fackelschwingend meine Banden sich?
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Nein, es ist Borja's Glück das flammt und brennt
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Und seine Zinnen stürzen! Wehe mir!
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Dem Valentino netzt die Wimper sich ...
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Pfui! Ist das eines Weibes Augenlid?

(Meyer, Conrad Ferdinand: Gedichte. Leipzig, 1882.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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