Die Gaukler

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Conrad Ferdinand Meyer: Die Gaukler (1882)

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Am Strande des gelobten Lands
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In glühem Stich des Sonnenbrands
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Kämpft Ludowig der Fromme;
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Er trägt in sich des Todes Keim,
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Ihm ahnt es, daß er nimmer heim
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Ins schöne Frankreich komme.

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Scheu lauscht in Zeltes Dämmerschein
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Ein junger Edelknecht herein
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Und hinter ihm die andern:
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„herr König, es sind Gaukler da,
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Drei Brüder aus Armenia,
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Die nach dem Grabe wandern.

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Es heißt, sie spielen wunderschön!
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Erlaubt ein frisches Horngetön
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Uns allen anzuhören!“
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Der König seufzt: „Betrug der Welt!
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Bringt mir die Gaukler in das Zelt,
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Daß sie euch nicht bethören!“

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Jetzt heben an den Mund die Drei
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Das Horn und spielen frank und frei,
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Als ging' es aus zum Jagen.
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Dann wie ein Quell im Walde quillt,
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So rieselt sanft und wächst und schwillt
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Ein Jubeln und ein Klagen.

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Gemach vertönt der Hörner Schall,
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Laut ruft Renaud von Reineval:
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„du Herzenstrost der Minne!
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Lucinden, die sich um mich kränkt,
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In Treuen ihres Pilgers denkt,
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Sah ich auf stiller Zinne!“

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„ich schaute“, fällt jung Walter ein,
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„in meinem Teich den Wiederschein
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Von Eichen kühl und düster,
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Ich sah mein Boot, der Ruder bar,
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Das halb ans Land gezogen war,
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Umneigt von Schilfgeflüster!“

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Ein Jeder hat im Horneslaut
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Sein Herz belauscht, sein Lieb geschaut,
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Sein Minnen und sein Sehnen.
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— „Herr König, sagt, was sinnet Ihr?
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Was sehnet Ihr? Was minnet Ihr?
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Was rinnen Euch die Thränen?“

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Herr Ludwig flüstert: „Sel'ger Traum!
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Mich hoben durch den Himmelsraum
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Angelische Gestalten.
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„getreuer Knecht, willkomm!“ erscholl
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Ein Ruf — ich konnte wonnevoll
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Die Thränen nicht verhalten.“

(Meyer, Conrad Ferdinand: Gedichte. Leipzig, 1882.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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