Der Blutstropfen

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Conrad Ferdinand Meyer: Der Blutstropfen (1882)

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Zur Zeit der Lese war's im Winzerhaus
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Des Herdes goldne Flamme prasselte,
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Die Fensterscheiben überhauchten sich
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Und draußen scholl das Evoë geisterhaft
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Aus Nebeldämmer. Becher klangen. Jung
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Und Alt empfand die bacchische Gewalt.
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Mit einem zarten Schimmer röteten
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Selbst ihr die Wangen sich, die unser Gast
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Und dieser Erde Gast nicht lange war,
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Ein stilles, scheues, ungezähmtes Kind.
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Zum Reigen rief Lyaeus. Jene schlich
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Sich weg. Ins Freie blickte sie hinaus
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Durchs Fenster. Dann beschrieb sie träumerisch,
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Die ganz sich unbeachtet Wähnende,
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Die Scheibe mit dem Finger. Weh! umstellt,
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Belauert wurde sie von einem Schwarm
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Und überfallen. Rasch in Trümmer schlug,
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Das Antlitz glutbedeckt, die Scheibe sie,
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Sich selbst verwundend. Dieses Tüchlein hier,
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Das als Reliquie mir im Schreine liegt,
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Fing, über die verletzte Hand gelegt,
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Das Quellen eines Tropfen Blutes auf,
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Der warm ihr eben erst im Herzen rann.

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Jung schwand sie hin, und kein Lebend'ger weiß,
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Was dort geschrieben auf der Scheibe stand —
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Als dieser bleiche Tropfen Bluts vielleicht.

(Meyer, Conrad Ferdinand: Gedichte. Leipzig, 1882.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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