Was uns bleibt

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Theodor Körner: Was uns bleibt (1814)

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Wenn der Götter Stimme trügt,
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Wenn der Menschheit Wunden sich nicht rächen,
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Wenn das heiligste Vertrauen lügt,
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Wenn umsonst die aufgeblitzte Jugend
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Um des Vaterlandes Kerker stürmt,
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Und des Volkes Spartergleiche Tugend
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Fruchtlos Leichen über Leichen thürmt? —
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Was uns bleibt, wenn wir trotz unserm Rechte
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Knirschend vor dem falschen Glücke stehn,
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Und des Wüthrichs feile Henkersknechte
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Mordend durch der Freiheit Tempel gehn? —
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Was uns bleibt, wenn unser Blut vergebens
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Auf des Vaterlandes Grab verraucht,
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Und der Freiheit Stern, der
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An dem deutschen Himmel niedertaucht? —
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Was uns bleibt? Rühmt nicht des Wissens Bronnen,
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Nicht der Künste friedensreichen Strand;
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Für die Knechte giebt es keine Sonnen,
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Und die Kunst verlangt ein Vaterland!
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Aller Götter Stimmen sind verklungen,
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Vor dem Jammerton der Sklaverei, —
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Und Homer, er hätte nie gesungen,
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Doch sein Griechenland war frei! —
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Was uns bleibt? ein christliches Ertragen,
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Wo des Dulders feige Thräne thaut? —
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Soll ich selbst den Altar mir zerschlagen,
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Den ich mir im Herzen aufgebaut?
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Soll ich das für Gottes Finger halten,
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Wo der Menschheit Engel Rache schrein?
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Wo die Teufel teuflisch walten,
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Das kann nur ein Sieg der Hölle seyn! —
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Bleibt uns nichts? — Fliehn alle gute Engel
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Mit verwandtem Angesicht?
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Brechen aller Hoffnung Blüthenstengel,
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Weil des Sieges Palme bricht?
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Kann der Arm kein rettend Kreuz umarmen,
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In der höchsten letzten Noth,
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Müssen wir verzweifeln und verjammern,
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Giebt es keine Freiheit, als den Tod?
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Doch! — wir sehn's im Aufschwung unserer Jugend,
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In des ganzen Volkes Heldengeist,
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Ja! es giebt noch eine
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Die allmächtig einst die Ketten reißt.
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Wenn auch jetzt in den bezwungnen Hallen
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Tyranney der Freiheit Tempel bricht, —
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Deutsches Volk, du konntest fallen,
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Und noch lebt der Hoffnung Himmelsfunken!
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Muthig vorwärts durch das falsche Glück!
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Doch der Morgen bringt ihn uns zurück.
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Laß die blut'gen Wolken treiben,
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Der ist in der Huth des Herrn!
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Mag die Hölle drohn und schnauben,
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Der Tyrann reicht nicht hinauf,
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Kann dem Himmel keine Sterne rauben,
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Ob die Nacht die freud'ge Jugend tödte,
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Und des Blutes deutsche Heldenröthe

(Körner, Theodor: Leyer und Schwerdt. Berlin, 1814.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Theodor Körner
(17911813)

* 23.09.1791 in Dresden, † 26.08.1813 in Rosenow

männlich, geb. Körner

Tod in der Schlacht | im Einsatz getötet

deutscher Dichter und Freiheitskämpfer

(Aus: Wikidata.org)

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