Auf dem Schlachtfelde von Aspern

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Theodor Körner: Auf dem Schlachtfelde von Aspern (1814)

1
Wo der Deutsche seine Kraft verbürgte,
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Heil'ger Boden! dich grüßt mein Gesang!
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Frankreichs stolze Adler sahst du zittern,
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Sahst des Wüthrichs Eisenkraft zersplittern,
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Die sich frech die halbe Welt bezwang. —
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Euch! ihr Manen der gefallnen Helden,
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Deren Blick im Siegesdonner brach,
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Ruf' ich in den Frühling eurer Welten
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Meines Herzens ganzen Jubel nach.

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Daß ich damals nicht bei euch gestanden! —
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Daß, wo Brüder Sieg und Freiheit fanden,
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Ich trotz Kraft und Jugend doch gefehlt!
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Glückliche, die ihr den Tag erfochten,
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Ew'ge Lorbeern habt ihr euch geflochten,
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Zum Triumph des Vaterlands erwählt. —
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Schwarz und traurig wie auf Grabestrümmern
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Wälzt auf Deutschland sich des Schicksals Macht,
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Doch begeisternd wie mit Sternesschimmern
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Bricht der eine Tag durch unsre Nacht.

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Sonnenhauch in düstern Nebeljahren!
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Deine Strahlen laß uns treu bewahren,
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Als Vermächtniß einer stolzen Zeit.
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Ueberall im großen Vaterlande
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Von der Ostsee bis zum Donaustrande,
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Macht dein Name alle Herzen weit.
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Aspern klingts, und Karl klingts siegestrunken,
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Wo nur deutsch die Lippe lallen kann.
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Nein Germanien ist nicht gesunken,
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Hat noch

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Und so lange deutsche Ströme sausen,
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Und so lange deutsche Lieder brausen,
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Gelten diese Namen ihren Klang.
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Was die Tage auch zerschmettert haben
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Karl und Aspern ist ins Herz gegraben
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Karl und Aspern donnert im Gesang.
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Mag der Staub gefallner Helden modern,
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Die dem großen Tode sich geweiht,
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Ihres Ruhmes Flammenzüge lodern,
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In dem Tempel der Unsterblichkeit.

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Aber nicht, wie sie die Nachwelt richte,
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Nicht die ew'ge Stimme der Geschichte,
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Reißt der Mitwelt große Schuld entzwei.
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Ihre Todesweihe lebt im Liede,
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Doch umsonst such ich die Pyramide,
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Die der Denkstein ihrer Größe sey.
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Auf dem Wahlplatz heiligten die Ahnen,
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Ihrer Eichen stolze Riesenpracht,
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Und die Irmensäule der Germanen,
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Sprach von der geschlag'nen Römerschlacht.

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In dem blutgen Thal der Thermopylen,
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Wo der Griechen freie Schaaren fielen,
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Grub's in Marmor ihrer Brüder Dank:
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„wandrer! sags den kinderlosen Eltern
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„daß für's Vaterland auf diesen Feldern
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„sparta's kühne Heldenjugend sank! — “
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Und Jahrtausende sind Staub geworden,
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Jenes Marmors heil'ge Säule brach,
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Doch in triumphirenden Accorden,
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Riefen's die Jahrhunderte sich nach.

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Und erzählten trotz dem Sturmgetöse,
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Ihrer Zeit von der Heroen Größe,
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Der Gefall'nen und von Sparta's Dank. —
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Groß war Griechenland durch seine Helden,
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Aber größer noch durch sein Vergelten,
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Wenn der Bürger für die Freiheit sank.
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Jenseits lohnt ein Gott mit ew'gen Strahlen,
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Doch das Leben will auch seinen Glanz.
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Nur mit Ird'schem kann die Erde zahlen,
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Und der Oehlzweig windet sich zum Kranz.

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Drum soll es die Nachwelt laut erfahren,
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Wie auch deutsche Bürger dankbar waren,
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Wie wir der Gefallnen That erkannt,
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Daß ihr Tod uns Lebende ermuthet,
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Daß sie für Unwürd'ge nicht geblutet,
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Das beweise, deutsches Vaterland! —
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Deine Sänger laß in Liedern stürmen,
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Und zum Steine füge kühn den Stein,
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Und die Pyramide laß sich thürmen
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Der gefallnen Brüder werth zu seyn.

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Nur glaub' nie, du schmücktest ihre Krone,
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Wenn du deine goldnen Pantheone,
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Ueber ihre Grabeshügel wölbst!
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Stolzes Volk! — denkst du mit Marmorhaufen
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Deines Dankes Schuldbrief abzukaufen? —
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Deine Kuppeln ehren nur dich selbst.
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Nur das Ew'ge kann das Ew'ge schmücken,
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Erdenglanz welkt zur Vergessenheit.
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Was die Zeiten brechen und erdrücken
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Ist gemein für die Unsterblichkeit.

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Aber, Deutschland, um dich selbst zu ehren,
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Nicht den eignen Tempel zu zerstören,
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Den die angeerbte Kraft gebaut,
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Zeig' dich werth der großen Todesweihe,
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Dich, Germania, in alter Treue,
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Männerstolze, kühne Heldenbraut!
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Friedlich Volk brich aus den kalten Schranken,
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Warm und frei, wie dich die Vorwelt kennt.
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Auf den Feldern, wo die Adler sanken,
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Thürme deines Ruhmes Monument.

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Sieh umher bei fremden Nationen,
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Wie sie dort ein muthig Werk belohnen,
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Wie der Marmor in den Tempeln glänzt.
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Jeder Sieg aus dunkler Wissenssphäre,
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Drängt sich in das Pantheon der Ehre,
105
Und der kühne Künstler steht bekränzt. —
106
Aber giebt es einen Preis im Leben
107
Wo hinan nicht dieser Kampf gereicht? —
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Gut und Blut für Volk und Freiheit geben,
109
Nenn' die That, die sich der That vergleicht! —

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Drum mein Volk, magst du den Aufruf hören,
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Oestreich! deine Todten sollst du ehren!
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Wer zum deutschen Stamme sich bekennt,
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Reiche stolz und freudig seine Gabe,
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Und so baue sich auf ihrem Grabe,
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Ihrer Heldengröße Monument;
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Daß es die Jahrhunderte sich sagen,
117
Wenn die Mitwelt in den Strudel sank:

(Körner, Theodor: Leyer und Schwerdt. Berlin, 1814.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Theodor Körner
(17911813)

* 23.09.1791 in Dresden, † 26.08.1813 in Rosenow

männlich, geb. Körner

Tod in der Schlacht | im Einsatz getötet

deutscher Dichter und Freiheitskämpfer

(Aus: Wikidata.org)

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