Hochzeitlied auf Kaiser Leopoldus und Claudia Felix

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Clemens Brentano: Hochzeitlied auf Kaiser Leopoldus und Claudia Felix (1806)

1
Kaiser. Spring, spring mein liebstes Hirschelein,
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Bald wollen wir dich fällen
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Mit Pfeilen viel, in Wald hinein
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Will dir mein Lieb nachstellen,
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Kein Rast noch Ruh laß ich mir zu,
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Bis daß ich dich kann schießen;
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Spring Hirschlein fort auf ein schön Ort,
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Mein Rohr wird dich bald grüßen.

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Claudia. Auf hohe Berg spring ich geschwind,
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Kein Wind soll mich ereilen,
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Den Pfeilen viel mein Lauf entrinnt,
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Wann ich verricht viel Meilen,
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Berg und Thäler sind mir zu klein,
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Alls kann ich überspringen,
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Gar hurtig sind die Läuflein mein,
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Die Stein von ihnen klingen.

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Kaiser. Mein Rohr ich jezt mit Freuden spann,
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Wann will ich dich bald machen,
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Aufzogen ist aufs Rohr der Hahn,
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Das Pulver wird bald krachen,
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Mein must du seyn, ich dich nicht laß,
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Spring fort mit allen Vieren,
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Jezt schieß ich drein, du liegst im Gras,
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Du kannst nicht mehr stolziren.

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Claudia. Verwund bin ich, kann fort nicht mehr,
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Jäger! Du hast mich troffen!
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Dein Kugel hat durchdrungen sehr,
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Mein Herz das stehet offen,
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Dein Kunst ich jezt genug erfahr,
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Aus ists mit meinem Springen,
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Ledig komm ich nicht aus Gefahr,
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Die Jäger mich umringen.

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Singer. Fürcht dich nicht, Claudia Felix!
34
Jäger zwar dich umringen,
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Annehmlich ist dein Augen Blitz,
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Kannst wacker herum springen.
37
Der große Kaiser Leopold,
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Der will von allen Gefahren,
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Versichern dich, er ist dir hold,
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Dich schützen und bewahren.

41
Spring, spring, spring keusches Hirschelein,
42
Die Freiheit ist gefangen,
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Jäger auf süßes Mündelein,
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Gibt ein Kuß mit Verlangen,
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Du bist zwar über Berg und Thal,
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Mit hurtig Muth gesprungen,
47
Gehört hat nun dein fröhlich Schall,
48
Der Sprung ist jezt mißlungen.

49
Das Hirschlein in geschwinder Eil,
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Lief über Berg und Hügel,
51
Als wie ein abgeschoßner Pfeil,
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Bewaffnet mit Luftflügel,
53
Der Jäger aber ist behend,
54
Das Hirschlein ist gefallen,
55
Dem schönen Wildpret er nachrennt,
56
Sie ist zu seim Gefallen.

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Claudia noch in Jungfrau Stand,
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Man muste ihr nachschauen,
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Hat durchgejagt den Ufer-Sand,
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Und die begrünten Auen,
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Diana keusch ist mir nicht leid,
62
Glückselig sey auf Erden,
63
Verwechsle nun dein freies Kleid,
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Du sollst ein Mutter werden.

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Nur allein in deinem Lob Ruhm,
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Schau wie die Wälder grünen,
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Was mehrs zu deinem Eigenthum,
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Alls wünschet dir zu dienen,
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Du bist der Tugend heller Schein,
70
Vor dir sich Himmel neiget,
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Leopold ist geschlossen ein,
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Dein treues Herz bezeiget.

73
Von der gebundnen Wiesen Bahn
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Brechet Rosen, Narcissen,
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Daß sie sanft genug gehen kann,
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Streut zu ihren Füßen,
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Du bist ein rechtes Blumenlicht,
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Dein Lob soll nicht vergehen,
79
Andacht ist bestrahlt, weichet nicht,
80
So lang die Sternen stehen.

81
Die Steine fühlen Liebes Kraft,
82
Der Himmel hat verbunden,
83
Daß selbe halten Schwägerschaft,
84
Wechselt genüglich die Stunden,
85
Luft und Erde schreien Glück zu!
86
Liebt nun, ihr Liebste! liebet,
87
Liebet und genießet der Ruh,
88
Und euch niemals betrübet.

89
Flora sticket ein Purpurkleid,
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Mit Veilchen und Narcissen,
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Selbsten die Götter sind erfreut,
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Vieh und Wild ist ausgerissen.
93
Auch Gras und Kräuter sind verliebt,
94
Die stumme Wasser-Schaaren,
95
Schauet! wie alles sich noch giebt,
96
Und in Lieb weis zu paaren.

97
Mit ihrem übersüßen Thon,
98
Die Wunder-Lerche singet,
99
Zu Gott allein den Schöpfer an,
100
Die hohe Luft durchdringet;
101
Die Lieb sey bei euch immer neu,
102
Lebet wohl beyde Herzen,
103
Aus zweien, sodann komme drei,
104
Dies verdient der Liebe Scherzen.

105
Tausend Glück, fruchtbringende Strahl,
106
Allda stetig Anschauen,
107
Wünschet herzlich der Wiederschall,
108
Und blumenreiche Auen,
109
Grünet ihr Felder überall,
110
Dies Wunsch-Lied muß ich singen,
111
Die Nimph ist nun in Kaisers-Saal,
112
Laß wacker Stimm erklingen.

113
Schön rein ist der Kristallen-Bach,
114
Liefland lieblich in Gründen,
115
Und sich verfolgend nach und nach,
116
Kann schlanke Wege finden,
117
Und das schmaragdengrüne Feld,
118
Mit Blumenzier versetzet,
119
Anlachet euch die schöne Welt,
120
Herz und Augen ergötzet.

121
Der dick belaubten Schatten-Zucht,
122
Seyd begrüßet hohe Fohren;
123
An wünsche ich allreife Frucht,
124
Grünet lang ohn Verdorren;
125
Ihr Fichten und du Erlen-Stamm,
126
Die Bäum zum Leben dienen
127
Gesichert seyd vor Feuers-Flamm,
128
Blühet, fruchtet und grünet.

129
Gelobet sey du Wald-Gebäu;
130
Ihr hoch belaubte Eichen!
131
Benetze sie mit Himmels-Thau,
132
An Himmel sie schier reichen.
133
Und der vergoldte Sonnen-Glanz,
134
Will euch täglich anschauen,
135
Umwindet er sein Strahlen-Kranz,
136
Erfreuen sich die Auen.

137
Höret ihr Hirschen, Gemsen, Reh,
138
Hört ihr Vögel auf den Bäumen;
139
Begrünet ist der Garten-Klee,
140
Ihr sollt euch nicht lang säumen,
141
Weil die Sonne nun heißer scheint,
142
Die Feigen-Bäume lauben,
143
Und der edle Reben-Saft weint,
144
Höret die Turteltauben.

145
Diana nun gieb her zum Tanz,
146
Mit Veilchen und Narcissen,
147
Dein unverwelkten Jungfrau-Kranz,
148
Die Lieb hat alles zerrissen,
149
Die Jag-Göttin in aller Eil,
150
Hat glücklich abgeschossen,
151
Leopold ihre Liebes-Pfeil,
152
Hat mildentlich genossen.

153
Es schweben die Vögel empor,
154
Mit ihrem krausen Gezitzer
155
Und bringen erstaunend hervor,
156
Ihr flattrendes Gezwitzer,
157
Es wimmelt der Fluth wallendes Heer,
158
Den hohen Gott zu preißen,
159
Erfüllet das schweifende Meer
160
Muscheln zu fernen Reisen.

161
Die Wurzel, Kräuter, Blumen, Fluhr,
162
Sich überhäuft vermehren,
163
Die zahm und wilde Thier-Natur,
164
Hüpfet dem Gott zu Ehren,
165
Uns Menschen kommt alles zu gut,
166
Kein Freude kann uns trennen,
167
Von Osten, Westen, Nord und Süd,
168
Dein göttlich Kraft erkennen.

169
Sobald der goldne Sonnen-Glanz
170
An jener Himmels-Zinnen,
171
Steht und blühet der Ehe-Kranz,
172
So will er stetig grünen,
173
Der Silberbach sich merklich gießt
174
Mit überhäuften Quellen,
175
Mit starkem Lispeln herumfließt,
176
Er fängt sich an zu schwellen.

177
Die Erd, Wasen und Luft sich paart,
178
Und manches Thier zusammen,
179
Vermenget sich die Blumen-Art,
180
Tanzen und wünschen Amen.
181
Vom Himmel ab der Perlen-Thau,
182
Fällt süß auf falbe Matten,
183
Befruchtet die frisch grüne Au,
184
Die Bäume geben Schatten.

185
O Wunder großer Leopold!
186
Die hellen Aug-Kristallen,
187
Sey mir lieb, leib und immer hold,
188
Laß sie dir nie mißfallen,
189
Vor deiner Gnade hohem Thron,
190
Genieß ich deine Strahlen,
191
Von dir hab ich mein Hoffnungs-Kron
192
In dein Gnad laß mich wallen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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