Die Schlacht bey Sempach

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Clemens Brentano: Die Schlacht bey Sempach (1806)

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Die Biene kam geflogen, macht in der Lind ihr Nest,
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Es redet der gemeine Mann, das deutet fremde Gäst.

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Da sah man wie die Beste bey Willisow hell brennt,
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Den Herzog mit dem Heere ein jeder daran kennt.

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Sie redeten zusammen in ihrem Uebermuth,
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Die Schweizer wollen wir tödten, das jung und alte Blut.

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Sie zogen her mit Schalle von Sursee aus der Stadt,
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Sie fangen an zu ziehen mit ihrem köstlichen Waat:

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„ihr niederländisch Heeren, ihr zieht ins Oberland,
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„werdet ihr euch da ernähren, es ist euch unbekannt.

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„ihr solltet euch nach Beichte vorher noch umme sehen,
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„im Oberländchem Streite möcht euch wohl Weh geschehen.“

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„wo sizt denn nur der Pfaffe dem einer da beichten
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muß?“
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„zu Schweiz ist er im Felde, er giebt einem schwere Buß,

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„er wird gar schwere Hand auf eure Köpfe legen,
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„mit Helleparten giebt er euch den besten Segen.“

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An einem Montag frühe, als man die Mädchen sahe,
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Jezt sicheln in dem Thau, sie waren Sempach nahe.

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Die Herren von Luzerne, sich streckten festiglich,
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An Mannheit gar ein Kerne, sah keiner hinter sich.

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Ein Herr von Hasenburg zum Herzog also sprach:
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„das Völklein ich beschaut, sie sind gar unverzagt.“

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Da redet Ochsenstein: O Hasenburg, o Hasenherz!
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Der Hasenburg der sagt: Wir wollen sehn den Scherz.

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Sie banden auf die Helme und thäten sie vorher tragen,
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Von Schuchen hieben die Schnäbel, man füllt damit 'nen
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Wagen.

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Zusammen sie dann sprachen: „Das Völkchen ist zu klein,
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„wenn wir die Bauern schlagen, das Lob wird klein nur
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seyn.“

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Die biedern Eidgenossen Gott riefen im Himmel laut,
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Ein Regenbogen gar helle vom hohen Himmel schaut.

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Und Herz und Sinn ist wachsen von hoher Manneskraft,
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Daß sie sich tapfer kehrten jezt gegen die Ritterschaft.

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Der Löw fing an zu brüllen, zu schmücken seinen Wadel,
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Sie fingen an zu schießen die Herren da von Adel.

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Sie griffen mit langen Spießen, der Schimpf war gar
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nicht süß,
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Die Aeste von hohen Bäumen fielen vor ihre Füß.

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Des Adels Heer war fest, ihr Ordnung dick verhagt,
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Das verdroß die frommen Gäste, ein Winkelried da sagt:

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„he werd ihr geniessen lon,
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„min fromme Kind und Frauen, so will ich ein Frevel
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beston,
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„trüen lieben Eidgnossen, min Leben verlur ich mit,
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„sie hand ihr Ordnung gstossen, wir mögens zu brechen
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nit;

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„he, ich will ein Inbruch han,
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„des wellend ihr min Gschlecht in ewig geniessen lan“

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Hiemit so thut er fassen, ein Arm voll Spieß behend,
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Den Seinen macht er ein Gassen, sein Leben hat ein End.

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Er brach des Löwen Muth mit seinem theuren Blut,
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Sein mannlich tapfer Sterben war den vier Waldstädten
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gut.

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Sie brachen ein so schnelle des Adels Ordnung bald,
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Mit Hauen und mit Stechen: Gott seiner Seelen walt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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