Der Prinzenraub

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Clemens Brentano: Der Prinzenraub (1806)

1
Wir wolln ein Liedel heben an,
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Was sich hat angespunnen,
3
Wie's im Pleißnerland gar schlecht war bestallt,
4
Als den jungen Fürst'n geschah Gewalt,
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Durch Kuntzen von Kauffungen.

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Der Adler hat auf'm Fels gebaut
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Ein schönes Nest mit Jungen,
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Und wie er einst geflogen aus,
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Holt ein Geyer die Jungen heraus,
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Drauf ward's Nest leer gefunden.

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Wo der Geyer auf'm Dache sitzt,
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Gedeihen die Küchlein selten,
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Es war da ein seltsam Narrenspiel,
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Welcher Fürst seinen Räthen traut zu viel,
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Muß oft es selber entgelten.

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Altenburg, du feine Stadt,
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Dich thät er mit Untreu meinen,
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Da in dir war'n all' Hofleut voll,
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Kam Kunz mit Leitern und Buben toll,
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Und holt die Fürsten so kleine.

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Was blast dich, Kunz, für Unlust an,
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Daß du ins Schloß einsteigest?
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Und stiehlst die zarten Herren heraus,
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Als der Kurfürst eben nit war zu Haus,
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Die zarten Fürsten-Zweige.

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Es war wohl als ein Wunderding,
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Wie sich das Land beweget,
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Was da auf'n Straßen war'n für Leut',
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Die den Räubern folgten nach in Zeit,
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All's wibbelt, kribbelt, sich beweget.

(Haider, Thomas: Deutsches Lyrik Korpus (DLK) v5.0, 2022. Ursprünglich von Editura GmbH & Co. KG (Digitale Bibliothek) digitalisiert, vom TextGrid-Verbund erworben und angereichert; als DLK-Ausgabe bearbeitet und kuratiert. Lizenz: Verbreitet unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Lizenz (CC BY-SA 4.0). Änderungen: Textkorrekturen, Anreicherung mit Metadaten und Textannotationen sowie Konvertierung durch Textopus.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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