Romanze vom großen Bergbau der Welt

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Clemens Brentano: Romanze vom großen Bergbau der Welt (1806)

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Auf! richtet Augen, Herz und Sinn
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Zu jenen blauen Bergen hin,
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Da Gott der Berg-Herr thronet!
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Fahrt von der Erde tiefen Bahn
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In grünen Hoffnungs-Kleidern an,
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Wo milder Segen wohnet;
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Betet, tretet
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Im Gemüthe
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Zu der Güte,
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Die beschweret,
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Was den Leib und Geist ernähret.

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Gott hat in diesem Erdenball
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So mancher Erze reichen Fall
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Mit weiser Hand verborgen.
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Gold, Silber, Kupfer auf sein Wort,
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Streicht in den edlen Gängen fort,
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Die Menschen zu versorgen,
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Mächtig, prächtig
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Durch die Flötzen
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Heißt er setzen
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Die Metallen,
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Daß sein Ruhm muß herrlich schallen.

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Es steht so manches rauhe Land
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In Werken seiner Wunder-Hand
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Macht, Kraft und Weisheit spielen,
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Wo man kein zartes Blümchen spürt,
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Kein Frühlings-Gras sich grün aufführt,
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Muß die Natur erzielen,
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Lichte, dichte
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Berggeschicke
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Zum Gelücke,
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Die erweisen,
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Wie man soll den Schöpfer preisen.

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Es streicht in diesem Erdenhaus
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Im Erz zu hellen Tage aus
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Des großen Vaters Liebe,
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Die wittert vor bei Tag und Nacht,
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Aus jeden Stollen, Kluft und Schacht;
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Die weissen Quarzgeschiebe
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Geben eben
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Wie die Gänge
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Durch die Menge
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Zu erkennen,
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Was wir Vater-Güte nennen.

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Denn da sieht ihren milden Gott
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Die Armuth nach dem herben Spott,
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Und vielen Zähren-Triefen.
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Wenn das Vermögen ist verwüst,
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Und alle Mittel zugebüßt,
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Kommt aus der schwarzen Tiefen
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Letzlich, plötzlich
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Reiche Beute
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Für die Leute,
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Die vertrauen
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Gott, und gläubig auf ihn bauen.

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Drum rufen wir auch diesen an,
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Der fündige Gebirge kann
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Eröffnen und erhalten;
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Er wolle mit der Segens-Hand
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Auch über unser Sachsenland
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Forthin genädig walten;
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Hören, Lehren,
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Wenn wir schürfen
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Und bedürfen
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Hülf und Rathen,
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Sonst ists nichts mit unsern Thaten.

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O großer Grundherr aller Welt!
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Weil deine Vorsicht uns erhält
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Auch von der Erden Schätzen;
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Bescheere gutes Erz allhier,
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Und laß die Gänge, Macht und Zier
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In ewge Teufen setzen.
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Klüglich, tüglich
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Laß uns bauen
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Ohne Grauen,
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Mittel finden,
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Und den Mangel überwinden.

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Zähl uns in Assers Stamm mit ein,
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Und laß uns so gesegnet seyn,
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Daß Erz an Schuhen klebe,
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Daß sich kein edler Gang abschneid,
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Und uns vergnüge jederzeit,
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Viel reichen Vorrath gebe.
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Größ're, beß're,
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Sieh aufs Gleiche,
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Daß der Reiche
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Dem nicht schade,
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Der bedürftig deiner Gnade.

89
Doch bitten wir dich, Herr! zugleich,
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Mach' uns zuerst am Geiste reich,
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Mit himmlischer Genüge;
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Daß unser Gang zu dir gericht,
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Die Stunde ja verücke nicht,
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Noch tausend Mittel kriege,
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Handel Wandel,
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Sey gerichtig
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Und vorsichtig
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Laß uns bleiben,
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Weil wir hier das Bergwerk treiben.

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Schenk uns nur, allerhöchster Hort!
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Was Christus hat gefördert dort
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Aus seiner Leidens-Grube,
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Da er zum Lebens-Gange brach,
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Und hieß uns alle folgen nach,
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Die Beuten, die er hube,
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Muthig, blutig,
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Durch die Klüfte
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Seine Hüfte
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Hilft uns wallen,
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Wenn des Leibes Schacht muß fallen.

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Die Welt ist unser Golgatha,
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Wo ein Kreuzgang dem ander nah:
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Laß Zion uns erblicken,
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Und Karmel, da in stolzer Ruh,
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Elias ruft der Knappschaft zu,
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Weit von den Erdgeschicken:
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Glück auf! Blick auf!
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Komm gefahren
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Vor den Jahren,
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Komm in Sprüngen
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Von ber Sabaths-Schicht zu singen.

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Drum führ' uns einst, wie Simeon,
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Auf einer sanften Fahrt davon,
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Zu deinen Friedenszechen,
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Wo man das neugeborne Kind,
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Auch den Erz-Engel mächtig find,
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Und Freuden-Gold kann brechen:
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Oedes, schnödes,
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Müssen merken
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Die Gewerken
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Hier in Hoffen,
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Bis sie dort den Gang getroffen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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