Unerhörte Liebe

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Clemens Brentano: Unerhörte Liebe (1806)

1
Ist irgend zu erfragen
2
Ein Schäfer um den Rhein,
3
Der sehnlich sich beklagen
4
Muß über Liebespein,
5
Der wird mir müssen weichen,
6
Ich weiß sie plagt mich mehr,
7
Niemand ist mir zu gleichen,
8
Und liebt er noch so sehr.

9
Es ist vorbey gegangen
10
Fast jetzt ein ganzes Jahr,
11
Daß Eine mich gefangen
12
Mit Liebe ganz und gar,
13
Daß sie mir hat genommen
14
Gedanken, Muth und Sinn,
15
Ein Jahr ist's, daß ich kommen
16
In ihre Liebe bin.

17
Seitdem bin ich verwirret
18
Gewesen für und für,
19
Es haben auch geirret
20
Die Schaafe neben mir,
21
Das Feld hab ich verlassen,
22
Gelebt in Einsamkeit,
23
Hab alles müssen hassen,
24
Warum ein Mensch sich freut.

25
Nichts hab ich können singen,
26
Als nur ihr klares Licht,
27
Von ihr hab ich zu klingen
28
Die Lauten abgericht,
29
Wie sehr ich sie muß lieben
30
Und ihre große Zier,
31
Das hab ich fast geschrieben
32
An alle Bäume hier.

33
Kein Trinken und kein Essen,
34
Ja nichts hat mir behagt,
35
Ich bin nur stets gesessen,
36
Und habe mich beklagt:
37
In diesem schweren Orden
38
Verändert alles sich,
39
Die Heerd' ist mager worden,
40
Und ich bin nicht mehr ich.

41
Sie aber hat die Sinnen
42
Weit von mir abgekehrt,
43
Ist gar nicht zu gewinnen,
44
Hat mich noch nie erhört;
45
Da doch was ich gesungen
46
Weit in das Land erschallt,
47
Und auch mein Ton gedrungen
48
Bis durch den Böhmer Wald.

49
Die Schaafe, die am Flusse
50
Im tiefsten Grase stehn,
51
Sie horchten meinem Gruße,
52
Sie wollen zu mir gehn;
53
Es sammelt sich die Menge,
54
Es winken mir die Fraun,
55
Doch selbst in dem Gedränge,
56
Kann ich die Lieb nicht schaun.

57
Was soll mein Lied erschallen?
58
Viel lieber bin ich still,
59
Der Liebsten zu gefallen
60
Ich einig singen will:
61
Weil alles sie auf Erden
62
Allein zusammenhält,
63
Kann ihre Gunst mir werden,
64
So hab ich alle Welt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.