Ix. Im Hafen

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Heinrich Heine: Ix. Im Hafen (1827)

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Glücklich der Mann, der den Hafen erreicht hat,
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Und hinter sich ließ das Meer und die Stürme,
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Und jetzo warm und ruhig sitzt
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Im guten Rathskeller zu Bremen.

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Wie doch die Welt so traulich und lieblich
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Im Römerglas sich wiederspiegelt,
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Und wie der wogende Mikrokosmus
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Sonnig hinabfließt in's durstige Herz!
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Alles erblick' ich im Glas,
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Alte und neue Völkergeschichte,
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Türken und Griechen, Hegel und Gans,
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Zitronenwälder und Wachtparaden,
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Berlin und Schilda und Tunis und Hamburg,
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Vor allem aber das Bild der Geliebten,
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Das Engelköpfchen auf Rheinweingoldgrund.

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O, wie schön! wie schön bist du, Geliebte!
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Du bist wie eine Rose!
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Nicht wie die Rose von Schiras,
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Die hafisbesungene Nachtigallbraut;
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Nicht wie die Rose von Saron,
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Die heiligrothe, prophetengefeierte;
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Du bist wie die Ros' im Rathskeller zu Bremen!
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Das ist die Rose der Rosen,
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Je älter sie wird, je lieblicher blüht sie,
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Und ihr himmlischer Duft, er hat mich beseligt,
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Er hat mich begeistert, er hat mich berauscht,
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Und hielt mich nicht fest, am Schopfe fest,
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Der Rathskellermeister von Bremen,
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Ich wäre gepurzelt!

(Heine, Heinrich: Buch der Lieder. Hamburg, 1827.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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