I. Meergruß

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Heinrich Heine: I. Meergruß (1827)

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Sey mir gegrüßt, du ewiges Meer!
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Sey mir gegrüßt zehntausendmal
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Aus jauchzendem Herzen
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Wie einst dich begrüßten
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Zehntausend Griechenherzen,
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Unglückbekämpfende, heimathverlangende,
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Weltberühmte Griechenherzen.

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Es wogten die Fluthen,
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Sie wogten und brausten,
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Die Sonne goß eilig herunter
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Die spielenden Rosenlichter,

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Die aufgescheuchten Mövenzüge
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Flatterten fort, lautschreiend,
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Es stampften die Rosse, es klirrten die Schilde,
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Und weithin erscholl es, wie Siegesruf:
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Thalatta! Thalatta!

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Sey mir gegrüßt, du ewiges Meer,
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Wie Sprache der Heimath rauscht mir dein Wasser,
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Wie Träume der Kindheit seh' ich es flimmern
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Auf deinem wogenden Wellengebiet,
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Und alte Erinn'rung erzählt mir auf's neue,
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Von all dem lieben, herrlichen Spielzeug,
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Von all den blinkenden Weihnachtsgaben,
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Von all den rothen Corallenbäumen,
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Goldfischchen, Perlen und bunten Muscheln,
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Die du geheimnißvoll bewahrest
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Dort unten im klaren Kristallhaus.

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O! wie hab' ich geschmachtet in öder Fremde!
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Gleich einer welken Blume
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In des Botanikers blecherner Kapsel,
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Lag mir das Herz in der Brust;
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Mir ist, als saß ich winterlange,
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Ein Kranker, in dunkler Krankenstube,
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Und nun verlaß ich sie plötzlich,

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Und blendend strahlt mir entgegen
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Der schmaragdne Frühling, der sonnengeweckte,
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Und es rauschen die weißen Blüthenbäume,
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Und die jungen Blumen schauen mich an,
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Mit bunten, duftenden Augen,
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Und es duftet und summt, und athmet und lacht,
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Und im blauen Himmel singen die Vöglein —
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Thalatta! Thalatta!

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Du tapferes Rückzugherz!
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Wie oft, wie bitteroft
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Bedrängten dich des Nordens Barbarinnen!
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Aus großen, siegenden Augen
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Schossen sie brennende Pfeile;
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Mit krummgeschliffenen Worten
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Drohten sie mir die Brust zu spalten,
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Mit Keilschriftbillets zerschlugen sie mir
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Das arme, betäubte Gehirn —
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Vergebens hielt ich den Schild entgegen,
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Die Pfeile zischten, die Hiebe krachten,
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Und von des Nordens Barbarinnen
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Ward ich gedrängt bis an's Meer,
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Und freiaufathmend begrüß' ich das Meer,
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Das liebe, rettende Meer,
58
Thalatta! Thalatta!

(Heine, Heinrich: Buch der Lieder. Hamburg, 1827.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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