V. Poseidon

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Heinrich Heine: V. Poseidon (1827)

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Die Sonnenlichter spielten
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Ueber das weithinrollende Meer;
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Fern' auf der Rhede glänzte das Schiff,
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Das mich zur Heimath tragen sollte;
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Aber es fehlte an gutem Fahrwind,
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Und ich saß noch ruhig auf weißer Dühne,
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Am einsamen Strand,
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Und ich las das Lied vom Odysseus,
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Das alte, das ewig junge Lied,
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Aus dessen meerdurchrauschten Blättern
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Mir freudig entgegenstieg
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Der Athem der Götter,
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Und der leuchtende Menschenfrühling,
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Und der blühende Himmel von Hellas.

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Mein edles Herz begleitete treulich
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Den Sohn des Laertes, in Irrfahrt und Drangsal,

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Setzte sich mit ihm, seelenbekümmert,
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An gastliche Heerde,
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Wo Königinnen Purpur spinnen,
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Und half ihm lügen und glücklich entrinnen
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Aus Riesenhöhlen und Nymphenarmen,
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Folgte ihm nach in kimmerische Nacht,
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Und in Sturm und Schiffbruch,
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Und duldete mit ihm unsägliches Elend.

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Seufzend sprach ich: Du böser Poseidon,
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Dein Zorn ist furchtbar,
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Und mir selber bangt
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Ob der eignen Heimkehr.

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Kaum sprach ich die Worte,
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Da schäumte das Meer,
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Und aus den weißen Wellen stieg
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Das schilfbekränzte Haupt des Meergotts,
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Und höhnisch rief er:

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Fürchte dich nicht, Poetlein!
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Ich will nicht im g'ringsten gefährden
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Dein armes Schiffchen,
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Und nicht dein liebes Leben beängst'gen

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Mit allzubedenklichem Schaukeln.
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Denn Du, Poetlein, hast nie mich erzürnt,
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Du hast kein einziges Thürmchen verletzt
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An Priamos heiliger Veste,
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Kein einziges Härchen hast du versengt
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Am Aug' meines Sohns Polyphemos,
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Und dich hat niemals rathend beschützt
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Die Göttin der Klugheit, Pallas Athene.

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Also rief Poseidon
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Und tauchte zurück in's Meer;
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Und über den groben Seemannswitz
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Lachten unter dem Wasser
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Amphitrite, das plumpe Fischweib,
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Und die dummen Töchter des Nereus.

(Heine, Heinrich: Buch der Lieder. Hamburg, 1827.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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