Donna Clara

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Heinrich Heine: Donna Clara (1827)

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In dem abendlichen Garten
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Wandelt des Alkaden Tochter;
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Pauken- und Trommetenjubel
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Klingt herunter von dem Schlosse.

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„lästig werden mir die Tänze
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Und die süßen Schmeichelworte,
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Und die Ritter, die so zierlich
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Mich vergleichen mit der Sonne.

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„ueberlästig wird mir Alles,
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Seit ich sah, bei'm Strahl des Mondes,
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Jenen Ritter, dessen Laute
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Nächtens mich an's Fenster lockte.

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„wie er stand so schlank und muthig,
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Und die Augen leuchtend schossen
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Aus dem edelblassen Antlitz,
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Glich er wahrlich Sanct Georgen.“

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Also dachte Donna Clara,
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Und sie schaute auf den Boden;
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Wie sie aufblickt, steht der schöne,
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Unbekannte Ritter vor ihr.

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Händedrückend, liebeflüsternd,
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Wandeln sie umher im Mondschein,
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Und der Zephyr schmeichelt freundlich,
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Mährchenartig grüßen Rosen.

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Mährchenartig grüßen Rosen,
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Und sie glüh'n wie Liebesboten.
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Aber sage mir, Geliebte,
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Warum du so plötzlich roth wirst?

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„mücken stachen mich, Geliebter,
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Und die Mücken sind, im Sommer,
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Mir so tief verhaßt, als wären's
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Langenas'ge Judenrotten.“

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Laß die Mücken und die Juden,
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Spricht der Ritter, freundlich kosend.
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Von den Mandelbäumen fallen
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Tausend weiße Blüthenflocken.

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Tausend weiße Blüthenflocken
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Haben ihren Duft ergossen.
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Aber sage mir, Geliebte,
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Ist dein Herz mir ganz gewogen?

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„ja, ich liebe dich, Geliebter,
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Bei dem Heiland sey's geschworen,
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Den die gottverfluchten Juden
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Boshaft tückisch einst ermordet.“

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Laß den Heiland und die Juden,
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Spricht der Ritter, freundlich kosend.
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In der Ferne schwanken traumhaft
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Weiße Liljen, lichtumflossen.

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Weiße Liljen, lichtumflossen,
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Blicken nach den Sternen droben.
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Aber sage mir, Geliebte,
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Hast du auch nicht falsch geschworen.

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„falsch ist nicht in mir, Geliebter,
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Wie in meiner Brust kein Tropfen
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Blut ist von dem Blut der Mohren
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Und des schmutz'gen Judenvolkes.“

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Laß die Mohren und die Juden
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Spricht der Ritter, freundlich kosend;
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Und nach einer Myrthenlaube
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Führt er die Alkadentochter.

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Wie mit weichen Liebesnetzen
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Hat er heimlich sie umflochten;
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Kurze Worte, lange Küsse,
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Und die Herzen überflossen.

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Und ein schmelzend süßes Brautlied
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Singt im Laub' ein Zaubervogel;
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Wie zum Fackeltanze hüpfen
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Feuerwürmchen auf dem Boden.

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In der Laube wird es stiller,
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Und es schweigen die Verborgnen;
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Nur die heimlich klugen Myrthen
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Hört man flüstern, wie verstohlen.

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Aber Pauken und Trommeten
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Schallen plötzlich aus dem Schlosse,
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Und erwachend hat sich Clara
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Aus des Ritters Arm gezogen.

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„horch! da ruft es mich, Geliebter,
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Doch, bevor wir scheiden, sollst du
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Nennen deinen lieben Namen,
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Den du mir so lang verborgen.“

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Und der Ritter, heiter lächelnd,
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Küßt die Finger seiner Holden,
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Küßt die Lippen und die Stirne,
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Und er spricht die langen Worte:

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„ich, Sennora, Eu'r Geliebter,
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Bin der Sohn des vielbelobten,
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Großen, schriftgelehrten Rabbi
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Israel von Saragossa.“

(Heine, Heinrich: Buch der Lieder. Hamburg, 1827.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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