LxVI

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Heinrich Heine: LxVI (1827)

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Mir träumt': ich bin der liebe Gott,
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Und sitz' im Himmel droben,
3
Und Englein sitzen um mich her,
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Die meine Verse loben.

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Und Kuchen ess' ich und Confekt
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Für manchen lieben Gulden,
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Und Kardinal trink' ich dabei,
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Und habe keine Schulden.

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Doch Langeweile plagt mich sehr,
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Ich wollt', ich wär' auf Erden,
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Und wär' ich nicht der liebe Gott,
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Ich könnt' des Teufels werden.

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Du langer Engel Gabriel,
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Geh', mach' dich auf die Sohlen,
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Und meinen theuren Freund Eugen
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Sollst du herauf mir holen.

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Such' ihn nicht im Collegium,
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Such' ihn beim Glas Tokaier;
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Such' ihn nicht in der Hedwigskirch,
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Such' ihn bei Mamsell Meyer.

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Da breitet aus sein Flügelpaar
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Und fliegt herab der Engel,
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Und packt ihn auf, und bringt herauf
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Den Freund, den lieben Bengel.

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Ja, Jung', ich bin der liebe Gott,
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Und ich regier' die Erde!
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Ich hab's ja immer dir gesagt,
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Daß ich was Rechts noch werde.

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Und Wunder thu' ich alle Tag,
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Die sollen dich entzücken,
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Und dir zum Spaße will ich heut
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Die Stadt Ix-Ix beglücken.

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Die Pflastersteine auf der Straß',
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Die sollen jetzt sich spalten,
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Und eine Auster, frisch und klar,
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Soll jeder Stein enthalten.

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Ein Regen von Zitronensaft
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Soll thauig sie begiessen,
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Und in den Straßengössen soll
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Der beste Rheinwein fließen.

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Wie freuen die Ix-Ixer sich,
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Sie gehen schon an's Fressen;
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Die Herren von dem Landgericht,
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Die saufen aus den Gössen.

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Wie freuen die Poeten sich
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Bei solchem Götterfraße!
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Die Leutnants und die Fähnderichs,
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Die lecken ab die Straße.

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Die Leutnants und die Fähnderichs,
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Das sind die klügsten Leute,
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Sie denken, alle Tag' geschieht
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Kein Wunder so wie heute.

(Heine, Heinrich: Buch der Lieder. Hamburg, 1827.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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