Prolog

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Heinrich Heine: Prolog (1827)

1
Mit hohlen, schneeweißen Wangen;
2
Er schwankte und schlenderte schlotternd herum,
3
In dumpfen Träumen befangen.
4
Er war so hölzern, so täppisch, so links,
5
Die Blümlein und Mägdlein, die kicherten rings,
6
Wenn er stolpernd vorbeigegangen.

7
Oft saß er im finstersten Winkel zu Haus;
8
Er hatt' sich vor Menschen verkrochen.
9
Da streckte er sehnend die Arme aus,
10
Doch hat er kein Wörtlein gesprochen.
11
Kam aber die Mitternachtstunde heran,
12
Ein seltsames Singen und Klingen begann.
13
An die Thüre da hört er es pochen.

14
Da kommt seine Liebste geschlichen herein,
15
Im rauschenden Wellenschaumkleide.
16
Sie blüht und glüht, wie ein Röselein,
17
Ihr Schleier ist eitel Geschmeide.
18
Goldlocken umspielen die schlanke Gestalt,
19
Die Aeugelein grüßen mit süßer Gewalt —
20
In die Arme sinken sich beide.

21
Der Ritter umschlingt sie mit Liebesmacht,
22
Der Hölzerne steht jetzt in Feuer,
23
Der Blasse erröthet, der Träumer erwacht,
24
Der Blöde wird freier und freier.
25
Sie aber, sie hat ihn gar schalkhaft geneckt,
26
Sie hat ihm ganz leise den Kopf bedeckt
27
Mit dem weißen, demantenen Schleier.

28
In einen kristallenen Wasserpalast
29
Ist plötzlich gezaubert der Ritter.
30
Er staunt, und die Augen erblinden ihm fast,
31
Vor alle dem Glanz und Geflitter.
32
Doch hält ihn die Nixe umarmet gar traut,
33
Der Ritter ist Bräut'gam, die Nixe ist Braut,
34
Ihre Jungfraun spielen die Zither.

35
Sie spielen und singen; es tanzen herein
36
Viel winzige Mädchen und Bübchen.
37
Der Ritter, der will sich zu Tode freu'n,
38
Und fester umschlingt er sein Liebchen —
39
Da löschen auf einmal die Lichter aus,
40
Der Ritter sitzt wieder ganz einsam zu Haus,
41
In dem dustern Poetenstübchen.

(Heine, Heinrich: Buch der Lieder. Hamburg, 1827.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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