Xv. Das Liedchen von der Reue

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Heinrich Heine: Xv. Das Liedchen von der Reue (1827)

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Herr Ulrich reitet im grünen Wald,
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Die Blätter lustig rauschen.
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Er sieht eine holde Mädchengestalt
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Durch Baumeszweige lauschen.

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Der Junker spricht: Wohl kenne ich
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Dies blühende, glühende Bildniß,
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Verlockend stets umschwebt es mich
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In Volksgewühl und Wildniß.

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Zwei Röslein sind die Lippen dort,
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Die lieblichen, die frischen;
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Doch manches häßlich bitt're Wort
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Schleicht tückisch oft dazwischen.

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Drum gleicht dies Mündlein gar genau
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Den hübschen Rosenbüschen,
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Wo gift'ge Schlangen wunderschlau
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Im dunkeln Laube zischen.

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Dort jenes Grübchen wunderlieb
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In wunderlieben Wangen,
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Das ist die Grube, worein mich trieb
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Wahnsinniges Verlangen.

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Dort seh' ich ein schönes Lockenhaar
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Vom schönsten Köpfchen hangen;
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Das sind die Netze wunderbar,
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Womit mich der Böse gefangen.

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Und jenes blaue Auge dort,
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So klar, wie stille Welle,
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Das hielt ich für des Himmels Pfort',
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Doch war's die Pforte der Hölle. —

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Herr Ulrich reitet weiter im Wald,
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Die Blätter rauschen schaurig.
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Da sieht er von fern eine zweite Gestalt,
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Die ist so bleich, so traurig.

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Der Junker spricht: O Mutter dort,
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Die mich so mütterlich liebte,
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Der ich mit bösem Thun und Wort
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Das Leben bitterlich trübte!

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O, könnt ich dir trocknen die Augen naß,
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Mit der Gluth von meinen Schmerzen!
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O, könnt ich dir röthen die Wangen blaß
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Mit dem Blut aus meinem Herzen!

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Und weiter reitet Herr Ulerich,
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Im Wald beginnt es zu düstern,
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Viel seltsame Stimmen regen sich,
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Die Abendwinde flüstern.

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Der Junker hört die Worte sein
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Gar vielfach wiederklingen.
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Das thaten die spöttischen Waldvöglein,
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Die zwitschern laut und singen:

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Herr Ulrich singt ein hübsches Lied,
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Das Liedchen von der Reue,
51
Und hat er zu Ende gesungen das Lied,
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So singt er es wieder auf's Neue.

(Heine, Heinrich: Buch der Lieder. Hamburg, 1827.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Heinrich Heine
(17971856)

* 13.12.1797 in Düsseldorf, † 17.02.1856 in Paris

männlich, geb. Heine

| Bleivergiftung

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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