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In MeinstorfMeinstorf bei Plön in Holstein. reiten aus dem Turm
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Zwei Jäger frisch wie Frühlingssturm.
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Kein Juchen der Piqueure schallt,
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Und keine Doppelbüchse knallt.
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Es jagt kein Feld von roten Röcken,
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Kein Treiber lärmt mit Ruf und Stöcken,
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Hell nur im Wald giebt Hals die Meute,
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Und bricht durch Dickicht und Gereute.
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Und hinterher in scharfer Pace,
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Den Zügel fest, fest im Gesäß,
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Die beiden blonden Sachsenknaben.
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Hat ihn gedeckt die Meute schon?
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Neun Packer hat er abgeschlagen,
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Und immer weiter geht das Jagen.
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Zuletzt verliert sich das Geläut
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In Bruch und Moor und Schilfgestäud.
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Der Keiler nahm das Wasser an,
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Svidger und Burvin sind heran.
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Und nun ein köstlich Bild zum Malen:
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Voran der Keiler, hinterher
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Die Rüdenhunde, dann mit Speer
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Und Pfeilen Burvin, Svidiger,
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Das Alles kreuzt die stille Flut
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Zur Mittagstund in Sonnenglut.
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Und voll Entsetzen schwimmt der Keiler,
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Ein prächtig schöner Wellenteiler,
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Voll Gier und Mordsucht dann die Rüden,
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Die Hengste dann, die schon ermüden.
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So schaufelt emsig fort die Hetze,
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Es jauchzen Svidger und Burvin,
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Bis endlich unsichtbare Netze
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Die Pferde in die Tiefe ziehn.
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Nun schwimmen selbst die Jagdgenossen,
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Die gelben Locken seeumflossen.
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Doch auch die stärkste Reckenkraft
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Erlahmt am Ende und erschlafft,
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Und gerade war es Zeit zum Landen,
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Eh’ Sinn und Armkraft ihnen schwanden.
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Nun ruhn sie matt auf weißem Sand
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In König Buthus Heidenland,
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Wo unbarmherzig jeder Christ
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Dem Götzengott verfallen ist.
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Der Priester steht am Steinaltar,
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Das Tamtam dröhnt, die Menge schreit,
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Den beiden Christen fällt das Haar,
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Das Opfermesser ist bereit.
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Auf scharlachrotem Thron schaut zu
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Die schöne Tochter von Buthu.
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Die braunen Augen sehen schmerzlich
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Auf Svidiger, den blonden Sachsen,
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Und Siva liebt ihn, liebt ihn herzlich,
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Und ihre Liebe ist im Wachsen.
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Auf Knieen fleht sie schluchzend an
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Den König, bis er sich besann,
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Und beiden Freiheit hat und Leben
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Und sicheres Geleit gegeben.
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Bekannt ist ja die Urgeschichte,
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Auf die füglich ich hier verzichte,
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Die wir in Märchen, Chronik, Sagen
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Oft schon gelesen mit Behagen.
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Genug — auf einem Einbaum fahren
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Svidger und Burvin jede Nacht
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In Sternenglanz und Mondespracht
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Entgegen tötlichen Gefahren.
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Burvin hält Wache, und Svidger
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Säumt an des holden Mädchens Brust,
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Und es vollzieht sich unbewußt
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Des Rätsels stete Wiederkehr. —
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Ganz leise dröhnt das Tamtam her,
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Im Schloßhof flammen Opferfeuer
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Grell um das Götzenungeheuer,
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Und werfen Lichter weit umher.
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Doch süß und sanft umrauscht der Wald
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Sivas und Svidgers stille Laube,
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Wo sich die weiße Slaventaube
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Schmiegt an die deutsche Kraftgestalt. —
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Doch bald entdeckte das Cziliester,
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Des grausen Götzen Oberpriester.
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Und weiter folgt die Urgeschichte,
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Auf die füglich ich hier verzichte,
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Die wir in Märchen, Chronik, Sagen
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Oft schon gelesen mit Behagen.
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Genug — als Svidger und Burvin
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Jüngst wieder durch die Fluten ziehn,
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Beim Christengott, wen finden sie,
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Beschützt von Schilf und Wasserlilien?
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Sein Mädchen, das die Wellen wiegen,
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Und Svidgers junges Herze schrie.
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Ein Priester kniet im alten Bremen
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Im Dome vor der Jungfrau rein,
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Es flicht ein Kranz von Diademen
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Um ihre Stirn den Heiligenschein.
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Wie kühl der Priester, ein Ascet,
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Der vor ihr liegt im Bußgebet.
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Ernst blieb er auch, und finster, tief,
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Als Kaiser Heinrich ihn berief
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Zu seinem Kanzler, seinem Rat,
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Zum Herzog gut, zu mancher That.
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Zum Bischof macht der Kaiser ihn
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Von Bamberg, mit ihm zog Burvin,
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Der immer brav an seiner Seite
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Im Leben gab ihm das Geleite.
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Und endlich ist er Papst geworden,
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Der Sachse aus dem Nebelnorden.
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Doch liebten ihn die Welschen nicht,
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Zu deutsch und ernst war sein Gesicht.
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Sie haßten ihn, sein blondes Haar,
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Sein treues, blaues Augenpaar.
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Und gaben endlich dann ihm Gift,
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Wie Pergament erzählt und Schrift.
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Und als der Todesengel kam,
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Und Svidigerus Abschied nahm,
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Da sieht er noch den großen See,
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Und fühlt ein letztes tiefes Weh: