Sturm im Wasserglas

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Figurenkonstellation

Bruno Frank

Sturm im Wasserglas (1930)

Komödie in drei Akten

Uraufführung1930

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ERSTER AKT

Zimmer bei Thoss. Elegant und behaglich, ohne jede Beimischung von Kleinstädtisch-Herkömmlichem. Ein paar gute neuere Bilder an den Wänden. Es ist ein Winternachmittag, die Lampen brennen schon. Ein Teetisch ist für zwei Personen gedeckt.
Viktoria Thoss ist allein. Sie ist eine reizende junge Frau, impulsiv, heiter und frei. Man merkt ihr an, daß sie gewartet hat. Sie schaut nach der Uhr, sagt mit Bedauern vor sich hin: »Na, dann allein,« und schickt sich an, ihren Tee zu trinken. In diesem Augenblick kommt das Mädchen und bringt eine Karte.
Mädchen
Dieser Herr ist draußen.
Viktoria
(liest):
Franz Burdach, Redakteur der Nachtpost .. Ich lasse bitten.
(Mädchen ab. Läßt einen Augenblick darauf Burdach eintreten. Burdach ist ein junger Mensch von vielleicht achtundzwanzig, höchst unbekümmert und frisch, alles andere eher als »edel« und pathetisch.)
Burdach
(stutzt, blickt Viktoria an. Ein Augenblick vergeht, ehe er sagt):
5
Ich bitte um Verzeihung, gnädige Frau, ich suche Doktor Thoss.
Viktoria
Mein Mann muß jeden Augenblick hier sein. Darf ich wissen, um was es sich handelt?
Burdach
Um ein Interview. Herr Quilling, unser Herausgeber, hat das mit Doktor Thoss verabredet. Ich werde warten.
Viktoria
Ja, bitte.
Burdach
Es tut mir leid, daß ich gestört habe.
10
(Er verbeugt sich und will sich zurückziehen.)
Viktoria
Was, Sie wollen sich doch nicht draußen im Korridor hinsetzen? Kommen Sie her, trinken Sie Tee mit mir.
Burdach
(sieht sie an):
Geht das?
Viktoria
Warum soll das nicht gehen? Es stehen doch zwei Tassen da.
15
Burdach
Sehr gern.
(Beide nehmen Platz. Kleine Pause. Burdach betrachtet Viktoria.)
Viktoria
(bedient):
Rum?
Burdach
Bitte.
Viktoria
Viel?
20
Burdach
Viel.
(Kleine Pause.)
Woher stammen Sie, gnädige Frau? Aus dieser Stadt gewiß nicht.
Viktoria
Weil ich Sie auffordere, mit mir Tee zu trinken? Na, wissen Sie! Einen Mann von der Presse! Einen Botschafter der siebenten Großmacht ..
Burdach
Ja, ja, so nennt die Presse sich selbst ..
25
Viktoria
Eben! Ein Staat erklärt sich selber so lang zur Großmacht, bis die Welt es ihm glaubt. Und auf einmal ist er's wirklich.
Burdach
(nickt):
Dafür gibts Beispiele.
(Er schaut sie an.)
Politik interessiert Sie?
30
Viktoria
Ja. Aber nur solche, die mindestens zweihundert Jahre vorbei ist.
Burdach
Versteh schon. Aus der Entfernung sind die Helden wirklich Helden ..
Viktoria
Und die Gemeinheiten haben Patina angesetzt.
Burdach
Jetzt werden Sie sich das bald nicht mehr aussuchen können.
Viktoria
Wieso?
35
Burdach
Nun – die aktuelle Politik wird in greifbare Nähe rücken und wird sich nicht mehr abweisen lassen. Wenn Doktor Thoss erst gewählt ist ...
Viktoria
Wird er gewählt?
Burdach
Daran zweifelt niemand. Ein so kluger Herr hätte seine Kandidatur sonst gar nicht laut werden lassen. Das Abstimmungsverhältnis im Magistrat ist vollkommen klar.
Viktoria
(nickt befriedigt):
Hm.
40
Burdach
Eine erfreuliche Aussicht. Oberhaupt einer großen Stadt, die sich weitet und Zukunft hat ... Sieben Jahre freie Bahn vor ihm. Und wer weiß, ob er sie zu Ende geht!
Viktoria
Wie meinen Sie das?
Burdach
Oh, die Chancen sind gewaltig. Von der Kommunalpolitik steigt heute die große Leiter auf. Die Beispiele sind zahlreich.
(Er sieht Viktoria an.)
Ich denke Sie mir mit Vergnügen in einem Ministerpalais an der Wilhelmstraße.
45
Viktoria
Sie haben Phantasie.
Burdach
Wenn ich was zu sagen hätte – ich würde unbedingt dafür stimmen, aber unbedingt. Ministerfrauen sind meistens schrecklich ..
Viktoria
(unterbricht ihn):
Noch Tee?
Burdach
Bitte.
50
Viktoria
Aber Rum kriegen Sie keinen mehr, den vertragen Sie nicht.
Burdach
Gnädige Frau, mein Eindruck wird sich nicht ändern und wenn Sie mir nichts als Milch zu trinken geben. nicht Minister.
(Kleine Pause.)
Aber besser ists natürlich, Herr Thoss wird
Viktoria
So? Warum?
55
Burdach
Nun, sehr einfach: weil Sie dann hierbleiben müssen.
(Da Viktoria die Brauen hochzieht):
Weil man Sie dann bei allen offiziellen Gelegenheiten sehen wird. Da weiß so ein armer Journalist doch wenigstens, wo er bei den langweiligen Reden hinschauen muß.
Viktoria
(lacht):
Sie meinen, da muß ich jetzt überall mit dabei sein?
60
Burdach
Na, überall nicht. Aber wenn zum Beispiel irgendwas eingeweiht wird, dann schon.
Viktoria
(mit leichter Resignation):
Ja, ja.
Burdach
Oder wenn die Stadt ein Bankett gibt für einen greisen Dichter.
Viktoria
Dann sitz' ich neben dem Greis. Das wird lustig!
65
Burdach
Für den Greis wird das sogar sehr lustig. Da weiß er wenigstens, warum er so alt geworden ist .. Oder sagen wir – es wird eine Ausstellung eröffnet ...
Viktoria
Das kommt ja nicht so häufig vor.
Burdach
Jede bessere Stadt hat im Sommer ihre Ausstellung. Wenn Sie dabei sind, dann denkt niemand an das Defizit.
Viktoria
Ganz unlogisch, was Sie da sagen! Das Defizit merkt man doch nicht bei der Eröffnung, das merkt man am Schluß.
Burdach
Aber sicher ists schon bei der Eröffnung.
70
Viktoria
Sagen Sie einmal, wollen Sie Ihr Interview auch auf diesen Ton stellen?
Burdach
Soll ich? Sie brauchen nur zu wünschen.
Viktoria
Wozu überhaupt diese Vorbereitung durch die Presse? Wozu die Versammlung morgen Abend? Die Wahl vollzieht der Magistrat, nicht wahr? Die Bevölkerung hat dabei doch gar keine Stimme.
Burdach
Die Bevölkerung muß aber das Gefühl haben, daß sie den neuen Mann selbst gewünscht hat.
Viktoria
Und dazu muß man ihr den Wunsch zuerst suggerieren?
75
Burdach
Natürlich. Daraus besteht Politik.
Mädchen
(kommt):
Gnädige Frau, eine Dame ist draußen.
Viktoria
Eine Dame? Wer denn?
Mädchen
Vielmehr keine richtige Dame. Eher eine Frau.
80
Viktoria
Sie machen aber feine Unterschiede, Betty!
Mädchen
Eigentlich fast schon ein Weib.
Viktoria
(lacht):
Ein Weib! führen Sie sie herein!
(Das Mädchen läßt Frau Vogl eintreten, eine Frau um die Fünfzig, derb, mit allen Kennzeichen großer Gutmütigkeit. Jetzt sehr erregt. Sie trägt keinen Hut.)
Frau Vogl
Ja, da wär i! I bin die Frau Vogl.
85
(Da das nicht die erwartete Wirkung ausübt):
Die Frau Vogl bin ich, Herr Stadtrat!
(Ohne eine Unterbrechung zuzulassen):
Nein, sagen's nur gar nix! G'setz is G'setz, i woaß scho, und Ausnahmen ko ma net machn und die Zeit'n san schwer und d' Stadt braucht aa ihr Geld ...
Viktoria
Frau Vogl, hören Sie einmal ...
90
Frau Vogl
Naa (= nein)! Bal i zuhör', is's scho g'fehlt. Dann redt der Herr Stadtrat so g'scheit, daß i Ja sag' und abzieh. Und mit mei'n Toni is aus!
Burdach
Aber Sie irren sich ja!
Frau Vogl
Naa, i irr mi net. Jetz bin i amal da und jetz sag i mei' Sach. A zwoats Mal lass'n S' mi doch nimmer eini.
(In anderem Ton):
Herr Stadtrat, i bitt Sie, ich bitt Sie um alls in der Welt: I ko's doch net zahl'n, es is halt zu viel, was soll i denn macha. Hab'n S' halt a Einseh'n!
95
Burdach
(fast schreiend):
Frau Vogl!
Frau Vogl
Naa, nix Frau Vogl! I hör nix, i siech nix! I woaß bloß, daß 's um mei'n Toni geht, und mei Toni is doch mei Alles. Herr Stadtrat, i bitt Sie ...
Burdach
(schreiend):
Ich bin aber nicht der Herr Stadtrat!
100
Frau Vogl
(in ganz anderem Ton, nicht mehr laut):
Sso! Sie san gar net der Herr Stadtrat! Was sitzen S' denn nachher da und trinken Kaffee mit der gnädigen Frau?
Viktoria
(sehr freundlich):
Sie, Frau Vogl, das ist eigentlich mehr unsere Sache.
Frau Vogl
Da haben S' Recht, gnä Frau, da ham Sie vollkommenRecht. I mein bloß, dös hätt er ja sag'n könna. Was laßt er mi denn red'n und red'n und is es überhaupts net. Er is überhaupt no viel z' jung. Der ko' ja gar kei Stadtrat net sein.
105
Burdach
(gutmütig):
Ich werd schon älter werden, Frau Vogl.
Viktoria
(alles ohne jede Ungeduld):
Mein Mann muß jeden Augenblick nach Hause kommen. Die Sitzung dauert heute so lang.
Frau Vogl
Oh dene ihre Sitzungen!
110
Viktoria
Vielleicht warten Sie auf ihn und sagen ihm dann, was Sie auf dem Herzen haben.
(Sie hat geklingelt. Das Mädchen kommt.)
Führen Sie Frau Vogl hinüber in mein Zimmer!
(Zu Frau Vogl):
Es sind Bücher drüben und illustrierte Blätter. Vielleicht schauen Sie sich etwas an!
115
Frau Vogl
I dank schö, gnä Frau. Aber onschaugn wer i mir nix könna, i bin viel z' aufgregt.
Viktoria
Warum denn, Frau Vogl? Heute wird doch dem Toni nichts mehr passieren.
Frau Vogl
(tief aufatmend, fast aufschluchzend):
Ko' ma's wiss'n?
(Das Mädchen führt sie hinaus.)
Burdach
Da haben wir's, gnädige Frau. Die Frau Vogl war auch erstaunt, daß Sie Tee mit mir trinken.
120
Viktoria
(ohne auf den Scherz einzugehen):
Die Frau war ja ganz außer sich!
Burdach
Ja, was ist das nur für ein Toni, für den sie das Geld nicht bezahlen kann?
Viktoria
Wissen Sie, ich denke mir, das wird ihr Junge sein, für den sie das Schulgeld nicht aufbringt. Da ist sie um Befreiung eingekommen, und der Magistrat hat's ihr verweigert.
Burdach
(zweifelnd):
125
Und deshalb war sie so aufgeregt?
Viktoria
Na, hören Sie, das ist doch kein Wunder! Vielleicht hängt dem Jungen seine ganze Zukunft davon ab! Womöglich ists ein besonders begabter Junge, und jetzt hat sie Angst, daß ihm seine ganze Begabung nichts hilft, bloß weil ihr das bißchen Geld fehlt. Der Frau muß man doch helfen! Ich glaube, ich war gar nicht sehr nett zu ihr. Ich will doch noch einmal ...
(Sie ist im Begriff aufzuspringen.)
Burdach
Aber gnädige Frau, Sie wissen ja noch gar nicht, ob sich's wirklich darum handelt. Sie stellen sich das gleich so lebhaft vor.
(Kleine Pause. Mit einem Blick, in dem schon ziemlich viel Begeisterung liegt):
130
Schön ist das: ein Mensch, der sich so für einen andern erwärmt – sogar wenn er noch gar nicht weiß, was dem eigentlich fehlt! Man wünscht sich fast, man wär' dieser Toni.
Viktoria
Sie brauchen kein Schulgeld mehr, will mir scheinen.
Burdach
(mit einem Blick auf die Standuhr):
Halb sechs! Gnädige Frau, ich weiß, wie furchtbar es für Sie ist, aber ich muß gehen.
Viktoria
Und das Interview?
135
Burdach
Ich muß bei Redaktionsschluß im Hause sein. Aber in einer halben Stunde bin ich wieder da.
Viktoria
(lachend):
Nun gut. So lange muß ich's eben aushalten.
(Burdach ist im Begriff, sich zu verabschieden, da öffnet sich die Tür und das Mädchen läßt Lisa Quilling eintreten. Sie ist eine noch junge, lebhafte Dame, der aber etwas Naives und Provinzielles anhaftet.)
Viktoria
Oh, Lisa! Das ist nett.
(vorstellend):
140
Herr Franz Burdach ... Aber ich bin ja dumm, du kennst Herrn Burdach natürlich.
Lisa
(sehr kurz):
Ich glaube nicht.
Viktoria
Das ist aber doch komisch. Er ist doch Redakteur an Eurer Zeitung.
Lisa
(wie oben):
145
Ach.
Burdach
(zu Viktoria):
Das stellen Sie sich zu einfach vor, gnädige Frau. Die Nachtpost ist ein großes Blatt. Da kennt die Frau des Generals nicht jeden kleinen Unteroffizier.
(Zu Lisa, sehr höflich):
Natürlich bin ich der gnädigen Frau sehr oft begegnet.
150
Lisa
(ohne den Mund aufzutun):
So.
Viktoria
(zu Burdach):
Also, es war sehr nett, daß Sie mit mir gewartet haben. In einer halben Stunde ist mein Mann sicher da.
(Burdach ab.)
Viktoria
Warum bist du denn so ekelhaft zu ihm?
155
Lisa
Ach weißt du, diese jungen Leute, die muß man nicht verwöhnen. Sonst bilden sie sich Gott weiß was ein. Das sagt Waldemar auch immer.
Viktoria
Aber von dem hier scheint er doch was zu halten. Sonst hätt' er ihm ja nicht dieses Interview anvertraut ...
Lisa
Ob das nun der macht oder ein anderer ..
Viktoria
Tee?
Lisa
Nein, ich hab' schon ... Ein Brötchen nehm ich. ihm Tee getrunken?
160
(Sieht die gebrauchten Tassen.)
Sag' mal, Viktoria, du hast doch nicht etwa mit
Viktoria
Natürlich hab' ich. Warum denn nicht. Er ist doch kein Strolch.
Lisa
Weißt du, ich glaube, du mußt hier bei uns noch einiges lernen. Besonders jetzt.
Viktoria
(lacht):
165
Besonders jetzt?
Lisa
Wenn dein Mann jetzt hier an der Spitze steht – willst du vielleicht dann auch noch mit jedem beliebigen jungen Mann Tee trinken?
Viktoria
Wenn er mir gefällt ... Donnerwetter, ich hab' ihm nicht einmal was zum Rauchen angeboten!
Lisa
(nach kleiner Pause):
Viktoria, du weißt, wie ich zu dir stehe. Ich hab' dich bewundert von Anfang an, ich habe dich überall verteidigt.
170
Viktoria
War denn das nötig?
Lisa
Oh ja, das war nötig. Du bist in ganz anderer Umgebung aufgewachsen. Das merkt man dir an. Was du mir so über den Stil im Hause deines Vaters erzählt hast ...
Viktoria
Oh, das war ein sehr guter Stil. Ein sehr froher Stil.
Lisa
Eine Art Junggesellenstil ... Ich will dir ja keine Vorlesungen halten, Viktoria. Aber denk an mich. Du wirst deinem Mann schaden.
Viktoria
Da war aber der Herr Burdach ganz anderer Meinung. Der wünscht sich Konrads Wahl überhaupt bloß, weil er mich dann bei jedem Bankett zu sehen bekommt. Er hat mir direkt Angst gemacht.
175
Lisa
Wovor?
Viktoria
Nun, vor diesem offiziellen Zeug. Das wird doch alles irrsinnig langweilig.
Lisa
Hast du denn gar keinen Ehrgeiz?
Viktoria
Das ist eine komische Frage. Ich freue mich über Konrads Erfolge, weil sie ihn freuen und weil er sie verdient. Aber die Aussicht, da zwischen alten Herren zu sitzen und offizielle Reden anzuhören, in denen doch immer das Gleiche gesagt wird, nämlich garnichts – amüsiert dich denn das?
Lisa
Wieso mich?
180
Viktoria
Na, ihr müßt doch auch grade genug mitmachen. Dein Mann ...
Lisa
Das ist was andres.
Viktoria
Wieso?
Lisa
Es ist eben ein Unterschied.
Viktoria
(lacht):
185
Ja, ja, Lisa, ich weiß schon, was du sagen willst. Eine Persönlichkeit wie Konrad ... »Die Blinden in Genua kennen seinen Tritt!« Du brauchst gar nicht rot zu werden. Ich kenne ja deinen Enthusiasmus. Er ist ganz natürlich.
Lisa
Weißt du, Viktoria, du hast eine Art von solchen Dingen zu reden ...
Viktoria
Konrad hat eben Glück. Er deckt sich mit der Zeitmode.
Lisa
Ich verstehe kein Sterbenswort.
Viktoria
Nun – es gibt eine Mode in Männern, wie es eine Mode in Kleidern gibt. Und wenn ein Mann sich mit der nicht deckt, dann kann er sein, wer er will, es hilft ihm nichts.
190
Lisa
(tief erstaunt):
Was?
Viktoria
Na ja. Deshalb hat zum Beispiel Napoleon kein Glück bei Frauen gehabt. Damals »trug« man feine, sentimentale, schwärmerische Männer, und so ein Machtmensch und Eroberer, der konnte sehen, wo er blieb.
Lisa
Und heute ...
Viktoria
Du merkst schon, wo ich hinaus will. Heute hätte er Glück. Warum – das weiß kein Mensch. Es weiß ja auch kein Mensch, warum wir Frauen einmal zehn Meter Stoff zu einem Kleid brauchen und einmal bloß zwei.
195
Lisa
Du hast Vergleiche ...
(Konrad Thoss kommt. Er ist ein gut aussehender Mann, Ende dreißig.)
Thoss
Guten Abend! Oh Lisa! Haben Sie Viktoria Gesellschaft geleistet?
(Begrüßung.)
Viktoria
(mit einer Geste nach der Uhr):
Das war auch bitter nötig. Ich habe geglaubt, du kommst überhaupt nicht mehr heim.
Thoss
Das hörte nicht auf!
200
Viktoria
Aber wir haben uns sehr gut die Zeit vertrieben. Wir haben untersucht, warum du Mode bist, Konrad.
Lisa
Viktoria hat das untersucht!
Thoss
Ich kann mir schon denken ...
(Geht im Zimmer auf und ab.)
Lisa
Tee?
205
Thoss
(ablehnend):
Danke.
(Er geht wieder auf und ab.)
Viktoria
Verstimmt, Lieber?
Thoss
Garnicht.
210
Viktoria
(zweifelnd):
Na ...
Lisa
Stör ich euch vielleicht?
Thoss
Was fällt Ihnen ein, Lisa!
(Kleine Pause.)
Thoss
War der Reporter schon da?
215
Lisa
Ein Redakteur von der Nachtpost war da. Er kommt wieder.
Thoss
Sehr freundschaftlich von Waldemar, daß er dasfür mich arrangiert hat. Es ist vielleicht nicht notwendig. Aber es ist angenehm.
Lisa
Genau das meint er auch. Ehe die Leute morgen Abend in die Versammlung gehen, soll jeder zu Hause das Interview gelesen haben. Dann kommen sie vorbereitet hin.
Thoss
Wen hat er mir denn geschickt?
Viktoria
Einen sehr netten, fähigen Menschen, glaube ich.
220
Thoss
Na, schließlich ist eine Füllfeder wie die andere.
Lisa
Das hab' ich Viktoria auch schon gesagt.
Thoss
Ihr habt euch wohl ein bißchen gezankt?
Viktoria
(lachend):
Ein bißchen? Ganz erheblich! Wie Krimhild und Brunhild.
225
Lisa
(töricht):
Ist ja gar nicht wahr.
Viktoria
Weißt du, Konrad, Lisa ist einfach zu verliebt in dich. Das kann ich doch nicht dulden!
(Kurzer, unbehaglicher Blick zwischen Thoss und Lisa.)
Thoss
Bring doch Lisa nicht in Verlegenheit mit deinem Unsinn!
Lisa
Ich kenn' sie ja.
230
Viktoria
(freundlich ironisch):
Natürlich, du kennst mich ja!
(In anderem Ton):
Wie ist's mit morgen Abend? Kommt ihr zu uns nach der Versammlung?
Lisa
Sehr gern. Und nun ...
235
(Sie steht auf.)
Thoss
Ich lasse Waldemar noch danken.
(Verabschiedung. Viktoria bringt Lisa hinaus, kommt gleich wieder zurück.)
Thoss
Weißt du, Viktoria, du solltest sie nicht so aufziehen. Sie versteht das nicht.
Viktoria
Das ist ja gerade das Entzückende an ihr. Sie macht dann immer solche Augen. Sie ist wirklich eine nette Person – wenn auch nicht gerade furchtbar ergiebig. Viel Anregung ist da nicht zu holen. Bei ihr nicht und bei den andern auch nicht. Und du kommst ja überhaupt nicht mehr nachhause. Wenn das jetzt schon so ist, wie soll's erst nach deiner Wahl werden!
Thoss
Das ist nicht logisch, was du da sagst. Nicht »jetzt schon« sondern »jetzt noch«. Diesen ganzen fürchterlichen Wust von Quisquilien, von albernen Kleinigkeiten bin ich ja dann los. Glaub' mir, Viktoria,es zuckt manchmal vor Ungeduld in mir. Man möchte fliegen können und muß kriechen.
240
Viktoria
Nun, mir scheint, du fliegst! Mit achtunddreißig zu stehen, wo du stehst ...
Thoss
Wo ich stehe, Viktoria? Wo steh ich denn! Im Vertrauen kann ich dir sagen – ich bin mit meinen Gedanken schon ganz wo anders.
Viktoria
Ich weiß schon, die Leiter!
Thoss
Die Leiter?
Viktoria
Die große Leiter. Jemand, den ich für ganz gescheit halte, hat mir das erklärt. Es soll Minister geben ...
245
Thoss
Nun, man spricht besser nicht von solchen Dingen. Aber wirklich, wenn man die allgemeine Unfähigkeit betrachtet, wenn man an den wichtigsten Stellen Leute sieht, die sich einfach in ihrer Partei hochgedient haben und nun hilflos da oben balancieren, wenn man überlegt, was alles zu tun wäre ... und dann sitzt man hier geschlagene zwei Stunden in einer Kommission und disputiert darüber, ob der Torwart im städtischen Altersheim statt zwanzig Mark nicht fünfundzwanzig Mark wöchentlich bekommen kann, in Anbetracht seiner langen täglichen Dienstzeit ...
Viktoria
(die über diesem Detail sofort alles andere vergißt):
Wie lange tut er denn Dienst?
Thoss
(obenhin):
Was weiß ich. Ich glaube, von morgens sechs bis abends neun. Aber davon red' ich ja nicht.
250
Viktoria
Aber Konrad, davon muß man doch reden! Das sind ja fünfzehn Stunden! Und dafür kriegt er nur zwanzig Mark? Das ist doch viel zu wenig!
Thoss
Du bist wirklich eine rechte Frau! Ich führe den Fall doch nur als Beispiel an für die Jämmerlichkeiten, mit denen man sich befassen muß.
Viktoria
Was hat er denn eigentlich zu tun?
Thoss
Wer?
Viktoria
Dieser Torwart.
255
Thoss
(ungeduldig):
Das weiß ich doch nicht! Wahrscheinlich macht er unentwegt das Tor auf und zu. Aber laß doch diesen Torwart endlich in Ruhe! Das will ich ja gerade sagen, daß uns heute vor lauter Ängstlichkeit und Zärtelei der Blick für das Ganze verloren gegangen ist. Das Ganze muß leben, und wo gehobelt wird, da gibts eben Späne.
Viktoria
Da bin ich aber gar nicht deiner Meinung, Konrad.Was ist denn das Ganze? Das Ganze sind die vielen Einzelnen ...
Thoss
Man kann aber im Ganzen nichts tun, wenn man sich weichmütig beim Einzelnen aufhält. Das geht eben nicht ohne jede Brutalität.
Viktoria
Du, Konrad, in deiner Rede morgen steht aber davon nichts!
260
Thoss
Das wäre auch schön naiv von mir. Solche Dinge sagt man den Leuten nicht, die verstehen das nicht. Kaum daß du mich verstehst ...
Viktoria
Oh, ich versteh' dich schon ... Übrigens, weil wir eben davon reden: du bist nicht böse, wenn ich morgen Abend zuhause bleibe? Weißt du, solche Versammlungen ...
Thoss
(befremdet):
Du magst meine Rede nicht hören?
Viktoria
Ich hab' sie ja schon gehört.
265
Thoss
(pikiert):
Du fürchtest dich zu langweilen!
Viktoria
Aber nein! Deinetwegen möcht' ich nicht gehen.
Thoss
Versteh' ich nicht.
Viktoria
(sehr liebenswürdig)
270
Sieh einmal, ich kenne deine Rede doch schon, du hast sie probeweise vor mir gehalten, wie wir's immer tun. Der Sicherheit wegen sogar zweimal ...
Thoss
Das hast du doch selbst vorgeschlagen.
Viktoria
Aber nun steht diese Rede ganz fest in dir ...
Thoss
Hoffentlich!
Viktoria
Sie steht fest mit jedem Akzent, jeder Wirkung. Ich weiß genau: an der Stelle breitest du die Arme aus, an der wirfst du den Kopf zurück ...
275
(behutsam)
Du würdest dich doch ganz sicher schämen, wenn ich zum dritten Mal dabei wäre.
Thoss
(sieht sie an, runzelt leicht die Brauen):
Warum soll ich mich denn da schämen?
Viktoria
Es müßte dich behindern, meine ich .. dich lähmen .. Du wärest nicht frei.
280
Thoss
(unbehaglich):
Hm.
(Pause.)
Viktoria
Ärgert dich das, was ich sage?
Thoss
(mit sehr schwacher Verneinung):
285
Ach, ärgern ...
Viktoria
Doch, doch, es ärgert dich.
Thoss
Es wundert mich vielleicht ein bißchen. Ich höre jetzt manchmal aus deinen Worten eine Kritik heraus ...
Viktoria
(höchst liebenswürdig):
Das wäre doch nicht schlimm. Zwei erwachsene Leute sind schließlich dazu da, daß sie Kritik aneinander üben. So hilft einer dem andern.
290
Thoss
Mir scheint aber, du »hilfst« mir ein bißchen viel.
Viktoria
Du wünschst dir doch sicher nicht eine Frau wie Lisa, die bei jedem Wort groß die Augen aufschlägt und anbetet.
Thoss
Ich glaube, da irrst du dich. Lisa steht ihrem Mann sogar sehr kritisch gegenüber.
Viktoria
(lacht):
Ja, ihrem Mann schon. Spiel nur nicht Verstecken!
295
Thoss
(unbehaglich):
Laß doch nun endlich Lisa zufrieden. Ich finde das nicht ganz geschmackvoll von dir ...
Viktoria
Aber hör einmal, ich werde doch noch einen harmlosen Scherz machen dürfen ..
(Sieht ihn an.)
Oder ists nicht so harmlos ..?
300
Thoss
(rasch):
Was fällt dir denn ein!
(halb humoristisch)
Du mußt mich jetzt wirklich nicht ärgern, Viktoria! Da komm ich aus dieser verdammten Sitzung nach Haus, habe den Kopf voll mit tausend Geschichten ...
Viktoria
Mir fällt ein, Konrad: drüben wartet jemand auf dich.
305
Thoss
Was denn! Amtlich?
Viktoria
Ich glaub schon. Eine Frau Vogl.
Thoss
Vogl? Kenn' ich nicht.
Viktoria
Sie kam furchtbar aufgeregt hier herein, während ich mit dem Redakteur Tee trank.
Thoss
Du hast mit dem Reporter Tee getrunken ..?
310
(Er verschluckt, was er sagen will.)
Also, was will sie denn?
Viktoria
Es war furchtbar komisch. Sie hielt den Redakteur für dich.
Thoss
So ... Also das geht doch wirklich nicht an, daß mir die Leute jetzt mit ihren Anliegen schon bis in die Privatwohnung nachlaufen!
Viktoria
Ich glaube, es handelt sich um ihren Sohn, um eine Befreiung vom Schulgeld.
315
Thoss
Dafür bin ich doch überhaupt nicht zuständig. Das ist Referat K. Alles kann ich doch nicht machen!
Viktoria
Genau hab' ich's auch nicht verstanden. Ich ruf' sie dir einmal herüber ...
Thoss
Laß nur! Sie soll ruhig warten und sich abkühlen. Nein, so geht die Sache nicht weiter. Nach der Wahl muß das umorganisiert werden.
Viktoria
Umorganisiert?
Thoss
Ich wollte dir's schon lange vorschlagen. Wir nehmen einen geschulten Diener, der weiß, wen er vorzulassen hat und wen nicht.
320
Mädchen
(kommt):
Herr Doktor, der Diener ist da.
Viktoria
(lacht):
Das nenn ich prompt!
Thoss
Unsinn! Der Amtsdiener mit den Akten.
325
(zum Mädchen):
Ja, gut.
(Das Mädchen läßt den Amtsdiener Pfaffenzeller eintreten. Er ist ein behäbiger Mann von über fünfzig, in einer dunkelblauen Uniform mit silbernen Wappenknöpfen.)
Pfaffenzeller
(macht eine Verbeugung vor Viktoria):
Grüß Gott, gnä Frau!
Viktoria
Guten Tag, Herr Pfaffenzeller.
330
(Sie reicht ihm die Hand und geht ab.)
Pfaffenzeller
Grüß Gott, Herr Stadtrat! Da hätt' i wieder a Packl.
Thoss
(hat sich am Schreibtisch niedergelassen):
Ja, geben Sie her!
(Streckt die Hand aus.)
335
Pfaffenzeller
(entnimmt einer Mappe Schriftstücke, liest mit etwas mühsamem Hochdeutsch):
Treppenlieferung für den Neubau des städtischen Wohngebäudes am Hallingerplatz, sechzehn Stufen, vom dritten Stock bis zum Speicher, wird vergeben an die Firma Hauberrisser und Sohn, hier, für siebenhundertdreiundvierzig Mark und sechzig Pfennig.
Thoss
(unterschreibt):
Weiter!
Pfaffenzeller
(liest):
340
Die Abteilung Kanalbau des Städtischen Tiefbauamtes wird beim Umzug in ihre neuen Räume ihre Registratur neu ordnen. Die Lieferung der hiezu nötigen dreitausendsechshundert Aktendeckel ...
Thoss
Was? Hat das der Ausschuß genehmigt?
Pfaffenzeller
Jawohl, Herr Stadtrat.
Thoss
(halb für sich):
Dreitausendsechshundert Aktendeckel! Na ...
345
Pfaffenzeller
(liest):
Wird vergeben für elfhundert Mark an die Firma Schlicht und Bessler, hier.
Thoss
(halblaut):
Blödsinnig!
(laut):
350
Geben Sie her!
(Er unterzeichnet.)
Pfaffenzeller
Elfhundert Mark für neue Aktendeckel! Die kunnten doch ihre alten Deckel nehmen und was Neis (= Neues) draufschreib'n.
Thoss
Mein' ich auch.
(Streckt die Hand nach weiteren Schriftstücken aus.)
355
Pfaffenzeller
(ohne ihm ein anderes Aktenstück hinzureichen):
Elfhundert Mark für rein gar nix! Und dann die Gschichten z'wegn dem Hund mit die sechzig Mark!
Thoss
(ungeduldig):
Was für ein Hund?
Pfaffenzeller
Ja, aber Herr Stadtrat! Dös wer'ns do no wissen! Z'wegn dem Hund, für den keine Steuer nicht bezahlt worden ist!
360
Thoss
Ja, ja. Ist denn das noch nicht erledigt? Wir habendoch in der Kommission eine geschlagene Stunde über diesen Hund diskutiert.
Pfaffenzeller
Schon. Aber der Hauptausschuß muß es noch genehmigen. Es ist eine Formalität.
Thoss
Kommission – Hauptausschuß – alles für einen Hund! Nicht zu glauben!
Pfaffenzeller
I moan halt, ma könnt no amal Gnade für Recht ergehen lassen. I komm mir schon ganz anders vor mit dem Viecherl.
Thoss
Wieso denn Sie?
365
Pfaffenzeller
Ja, i hab ihn doch in Verwahrung. In meim Zimmer hockt er doch. Und er woaß nix und spannt nix und schaut mi allweil so liab o' und springt umanand und is lusti.
Thoss
Tut mir leid, daß Sie die Plage haben. Aber den Hauptausschuß können wir nicht übergehen. Dann sind Sie ihn am gleichen Tage los.
Pfaffenzeller
Naa, so moan i's ja gar net. Daß der kloa Kerl da bei mir hockt in meiner Amtswohnung und auf sein Todestag wart' und ko' do nix dafür ...
Thoss
Aber seine Herrschaft kann dafür.
Pfaffenzeller
I woaß gar net, wer die Leut san. Sonst gengat i amal hi.
370
Thoss
Das würde jetzt gar nichts mehr helfen. Und wenn die Leute das Sechsfache bezahlen. Die Frist ist einmal versäumt.
(Er streckt die Hand aus.)
Also, weiter!
Pfaffenzeller
(liest):
Die Beschaffung eines Heißluft-Apparates für das südliche Krankenhaus im Werte von neunzehnhundert Mark, wird vergeben an die Firma Kutzner, hier.
375
Thoss
(unterschreibt.)
Pfaffenzeller
(liest):
Die Errichtung einer Wasserrutschbahn im Städtischen Freibad ...
Thoss
Einer was?
Pfaffenzeller
Jawoi.
380
(Silbe für Silbe:)
einer Wasser-rutsch-
(In diesem Augenblick geht die Tür ziemlich heftig auf und es erscheint Frau Vogl.)
Frau Vogl
(mit einer Entschlossenheit, der man das Gewaltsame anmerkt):
So, jetzt wart i aba nimma!
Thoss
Was wollen Sie denn? Wer sind Sie?
385
Frau Vogl
I bin die Frau Vogl, und die Frau Gemahlin wird Ihnen vielleicht schon g'sagt hab'n, z'wegn wos i da bin.
Thoss
Sie können doch hier nicht so ohne weiteres hereinrennen!
Frau Vogl
I ko aber nimma warten. I hab sonst no was z'tun.
Thoss
Dann gehen Sie doch nachhause!
Frau Vogl
Ah naa! Fallt mir gar net ein! Jetz bin i amal da. Jetz sag i mei Sach.
390
Thoss
Pfaffenzeller, machen Sie der Frau begreiflich ...
Frau Vogl
(in ganz anderer Stimmlage):
Ja, der Herr Pfaffenzeller! Ja, was wär' denn jetz dös!
Thoss
So, Sie kennen die Frau?
Pfaffenzeller
Freilich, mindestens schon zwanzig Jahr, Herr Stadtrat.
395
Frau Vogl
Wie geht's Eahna denn allweil?
Pfaffenzeller
(ziemlich verlegen):
Ganz gut geht's mir. Aber jetzt müssen'S einsehen, Frau Vogl ... Mir hab'n miteinander z'arbeiten, der Herr Stadtrat und ich.
Frau Vogl
Aber Herr Pfaffenzeller, Sie wissen ja gar net, was mir passiert is!
Pfaffenzeller
Doch. Ich kann mir's schon denken.
400
Frau Vogl
Gar nix können's Eahna denken, Herr Pfaffenzeller. Wenn Sie mein' Toni kenna täten, dann täten's anders reden.
Pfaffenzeller
(unbehaglich):
Aber ich kenn' ihn ja.
Frau Vogl
Was? Sie kennen ihn?
Thoss
Also Schluß jetzt! Warten Sie draußen!
405
Frau Vogl
(ohne darauf zu achten):
Woher kenna denn Sie mein' Toni?
Pfaffenzeller
(höchst verlegen):
Er is' ja bei mir.
Frau Vogl
Was, bei Eahna? Naa! Wo denn?
410
Pfaffenzeller
In meiner Amtswohnung.
Frau Vogl
Ja, dann helfa'S mir doch! Is' dös net a liabs Viecherl, a liabs. Sag'n Sa's selber!
Pfaffenzeller
Ja, scho, Frau Vogl. Dös is' a scho.
(Hochdeutsch):
Aber darum handelt es sich ja nicht.
415
Thoss
Ich warte geduldig ab, ob Sie sich endlich entschließen, hier hinauszugehen!
Frau Vogl
(zu Pfaffenzeller):
Sso, darum handelt es sich nicht? Sie müssen ihn also derhalten, bis er ...
(schluchzt auf.)
Pfaffenzeller
(furchtbar verlegen, hin- und hergerissen zwischen seinen Gefühlen):
420
Geh'n S', Frau Vogl, beruhigen S' Eahna doch! Es ist ja bloß a Hund.
Frau Vogl
Was is a? Bloß a Hund? Wie ma bloß so dumm daherred'n ko'. Natürli is a Hund bloß a Hund. Aber was für a Hund! Da kunnt sich manchs Mannsbild a Beispiel dro' nehma. Dös sag i Eahna.
Thoss
Und ich sage Ihnen, daß jetzt meine Geduld bald zu Ende ist.
Frau Vogl
(kümmert sich gar nicht um ihn):
Wie geht's eahm denn überhaupt? Frißt er was?
425
Pfaffenzeller
Doch, Frau Vogl, er frißt schon was.
Frau Vogl
Was gebn S' eahm denn? In der Fruah mag er am liebsten a Brot und a Milli.
Pfaffenzeller
I hab' ihm a Reissupp'n geb'n.
Frau Vogl
Ja, dö mag er aa. Aber bloß wenn a Fleisch drin is.
Pfaffenzeller
Ich hab' ihm meine Wurschthäut' neigschnittn.
430
Thoss
(heftig):
Sagen Sie mal, bilden Sie sich ein, daß ich mir noch lange diese Konversation anhören werde über das, was Ihr Hund mag und was er nicht mag ...
(Die Tür geht auf, Viktoria und Burdach treten ein.)
Viktoria
Konrad, hier ist Herr Burdach von der Nachtpost. Er hat sich beeilt zurückzukommen.
Thoss
Freut mich. Sofort steh ich zur Verfügung.
Burdach
Aber bitte! Jetzt hab' ich Zeit.
435
Thoss
Ich muß nur erst hier ...
(zu Frau Vogl)
Also, Sie sehen ja wohl, gute Frau ...
Viktoria
(freundlich):
Wie kommen Sie denn hier herüber, Frau Vogl?
440
Frau Vogl
Ich hab' nimma warta könna. Mei Toni ...
Viktoria
Ist denn die Sache mit dem Schulgeld jetzt in Ordnung?
Frau Vogl
(mit großen Augen):
Mit was für an Schulgeld?
Viktoria
Mit dem Schulgeld für Ihren Toni.
445
(Zu Thoss):
Ich meine, Konrad, man kann doch einmal eine Ausnahme machen.
Thoss
Was für ein Schulgeld?
Frau Vogl
Seit wann zahlt denn a Schnauzl a Schulgeld? Dös fehlat aa no.
Burdach
(lacht):
450
Wir haben uns geirrt, gnädige Frau, der Toni ist gar kein Bub. Der Toni ist ein Hund.
Frau Vogl
Ja, freili is mei Toni a Hund. Was soll er denn sonst sei'!
Viktoria
Dann verstehe ich aber gar nicht ...
Frau Vogl
Dann wer' i's Eahna erklärn, gnädige Frau. Der Toni is mei Schnauzl, und i hab d' Hundsteuer net zahln könna und desweg'n will ihn der Herr Stadtrat umbringen.
Viktoria
(lacht):
455
Ach Unsinn!
Frau Vogl
Sso? a Unsinn is dös! I ko' ja 'n Herrn Pfaffenzeller fragn, bei dem is er in Pension bis zu sein Todestag.
Pfaffenzeller
Mi' fragn S' jetzt lieber gar nix mehr, Frau Vogl. Überhaupts – ich muß gehen.
Frau Vogl
Aha! So san die Mannsbilder. Wann s' hersteh'n solln, nacha drucka sie si'.
Pfaffenzeller
I druck mi net, Frau Vogl, aber i ko Ihna ja doch net helfa. Führen S'halt selber Ihr Sach!
460
(Zu Thoss):
Oder braucht mich der Herr Stadtrat noch?
Thoss
Nein, Sie können gehen.
Pfaffenzeller
Hab' die Ehre.
(Im Abgehen zu Frau Vogl):
465
Ich laß eahm nix abgehn. Macha S' as guat.
(Ab.)
Thoss
(zu Frau Vogl):
So, und nun meine ich ...
Frau Vogl
Naa, i geh net.
470
VIKTORIA
Hör' Sie doch an, Konrad!
Thoss
Aber ich weiß ja ohnehin, was sie vorbringen will. Da ist doch nichts zu machen!
Burdach
Ich warte vielleicht besser draußen?
Thoss
(verärgert):
Das ist durchaus nicht nötig.
475
Burdach
Vielleicht aber angenehmer.
Thoss
Ihre Gegenwart stört absolut nicht. Der Fall liegt ganz eindeutig und klar. Es wäre sogar gut, wenn diese Dinge einmal öffentlich zur Sprache kämen. An und für sich ist diese Geschichte ja eine Lächerlichkeit ...
Viktoria
(nahe bei Thoss, etwas leiser zu ihm):
Das kann ich nicht finden. Für sie ist das keine Lächerlichkeit.
Frau Vogl
(die merkt, daß man ihre Partei nimmt):
480
Mei Toni is doch mei Alles!
Thoss
Seien Sie still! Um Sie handelt es sich hier überhaupt nicht.
Frau Vogl
Sso? Nöt? I mein aber doch! I hab mein Hund gern. I hab d'Steuer net zahlt. Mir ist er fort gnommen wor'n. Mir wird er umbracht! Um wen handelt es sich nachher als um mi!
Thoss
Um das Prinzip handelt es sich. Da könnte ja jeder kommen.
Frau Vogl
Jeder braucht aber net kemma. Ander Leut könna 's zahln, aber i net!
485
Viktoria
(ohne übertriebene Weichheit, obgleich ihre innere Haltung unverkennbar ist):
Frau Vogl, in früheren Jahren haben Sie das Geld doch auch aufbringen können. Warum geht's denn diesmal nicht?
Burdach
Die Steuer ist in diesem Jahr verdoppelt worden. Oder irre ich mich?
Frau Vogl
Naa, Herr, Sie ham ganz recht. Sechzig Markkost's jetz! Sechzig Mark! San dreißig scho z'viel gwen.
Thoss
Darüber hat das Gemeindekollegium vermutlich mehr Urteil als Sie.
490
Frau Vogl
Aber dös is' es ja net. Dös wär' ja das Wenigste. Mei' Stand is ja nix mehr wert.
Viktoria
Ihr Stand? Wieso?
Frau Vogl
Schauen S', gnä Frau, i bin doch a Blumenfrau. Seit vierzehn Jahr' hab i mein Stand am Eck von der Taxberger- und der Wolfrumstraß. Da war doch bis zum Frühjahr die Straßenbahnkreuzung. Jetz ham die ihr Kreuzung verlegt. Koa Mensch steigt mehr aus. Koa Mensch kafft mehr was. I verdean fast nix mehr ..
Thoss
Da kann ich Ihnen nur empfehlen, eine Eingabe an den Magistrat zu machen.
Frau Vogl
Drei hab i scho gmacht. Aber in der Sach habn's die Herrn net eilig. Bloß wenn's an Hund umbringa woll'n, dann pressiert's.
495
Thoss
Also jetzt Schluß!
(Zu Burdach):
Tut mir leid, daß Sie solcher Geschichten wegen warten müssen.
Viktoria
(zu Thoss):
Dis donc, on va payer la petite somme pour elle! Faut bien lui rendre son chien.
500
Thoss
Mais non, mais non! Il ne s'agit pas des soixante mark, il s'agit du principe.
Viktoria
Il ne s'agit jamais d'un principe, toujours d'un homme!
Burdach
(schaut sie an, unwillkürlich):
Der Meinung bin ich eigentlich auch ...
Thoss
(geärgert):
505
Ah, der Meinung sind Sie auch! Dann werd ich Ihnen einmal sagen, Herr ... Burdach, wie die Sachen eigentlich liegen. Es handelt sich um fast eine Million für den Stadtsäckel. Unsere Stadt mit ihren rund vierhunderttausend Einwohnern ist die relativ hundereichste in Deutschland. Wir haben hier sechsundzwanzigtausend Hunde.
Frau Vogl
Dös is net z'viel!
Thoss
Oh ja, das ist zu viel. Auf fünfzehn Einwohner ein Hund. Es ist ja lächerlich. Es gibt Straßen bei uns,
(mit Beziehung)
gerade auch in den sogenannten ärmeren Vierteln, da kann man überhaupt keinen Schritt tun, ohne daß einem ein ganzer Knäuel von diesen Kötern zwischen die Beine rennt. Sie sind eine Landplage.
510
Frau Vogl
Ja, wenn oana d' Hund net mog ...
Thoss
Also kurz und gut, die Sache ging so nicht weiter.Natürlich gab's Zeter und Mordio. Es hagelte Proteste, Hunde wurden ausgesetzt, wurden herrenlos eingefangen ...
Frau Vogl
Aber net mei Toni!
Thoss
Nein, Sie haben vorgezogen, einfach nichts zu zahlen.
Frau Vogl
I bin um Ermäßigung einkemma.
515
Thoss
Sie wurden gemahnt. Einmal. Zweimal. Ein drittes Mal. Sie wußten genau, was Ihnen bevorstand.
Frau Vogl
Aber i hab's doch net ghabt.
Thoss
Tut mir leid, daß Sie nun als Exempel herhalten müssen. Die Sache ist abgetan und erledigt. Sparen Sie eben das nächste Mal und kaufen sich einen andern Hund.
Frau Vogl
(schaut ihn an wie einen, der nicht weiß, was er da sagt. Sie schüttelt ein wenig den Kopf. Ganz stille):
An andern ...
(Sie blickt in einen Abgrund. Stille.)
520
Viktoria
(sehr freundschaftlich, nimmt sie beim Arm):
Kommen Sie, Frau Vogl!
(Und Frau Vogl läßt sich still hinausführen.)
Burdach
(Kaum daß er mit Thoss allein ist, frisch):
Also,Doktor Thoss, an der Sache möchte ich mich zur Hälfte beteiligen.
Thoss
Verstehe nicht recht.
525
Burdach
(breit, vergnügt):
An der Steuer. Sie dreißig Mark, ich dreißig. Ihren Denkzettel hat sie ja weg.
Thoss
(kühl):
Aber Sie irren sich. Ich habe absolut nicht vor, der Frau die Steuer zu bezahlen. Das würde jetzt auch garnichts mehr helfen.
Burdach
(lacht, als käme gar keine andere Erklärung in Betracht):
530
Ach so, ich verstehe, Sie wollen's allein machen, heimlich ...
Thoss
Gar nichts will ich machen.
(In anderem Ton):
Also – reden wir von unserer Angelegenheit. Sie können mir doch garantieren, daß das Interview in's morgige Blatt kommt?
Burdach
Das ist ganz sicher.
535
Thoss
Schön. Dann fragen Sie!
Burdach
Lieber Gott, fragen ... Ich habe mir das ungefähr so gedacht, daß Sie ihren Ausführungen einige Leitsätze über die Aufgaben der hiesigen Kommunalpolitik voranstellen ...
Thoss
(überlegend):
Ja. Gut.
Burdach
(fortfahrend):
540
.. daß Sie dann Ihr soziales Programm entwickeln, mit besonderer Berücksichtigung der Wohnungsfrage ...
Thoss
(nickt):
Hm.
Burdach
... daß Sie weiter die Finanzpolitik der Stadt behandeln ...
Thoss
Möglichst summarisch.
545
Burdach
... und mit den kulturellen und Bildungsangelegenheiten schließen.
Thoss
Ganz gut. Kulturfragen regen niemand auf und sind immer ein versöhnlicher Ausklang. Also ...
(Burdach macht sich zum Schreiben fertig.)
(beginnt im Zimmer auf und ab zu gehen und mit großer Geläufigkeit zu sprechen.)
»Den Inbegriff jeder gesunden Kommunalpolitik erblicke ich in der Aufgabe, unter bestmöglicher Ausgleichung der sozialen und ökonomischen Gegensätze die geistige und körperliche, sittliche und wirtschaftliche Wohlfahrt der gesamten Einwohnerschaft zu festigen und zu fördern ...« Schreiben Sie denn nicht mit?
550
Burdach
Verzeihen Sie, Herr Thoss, ich bin mit meinen Gedanken immer noch bei dieser Frau.
Thoss
(nicht ohne Schärfe):
Bei was für einer Frau?
Burdach
Bei dieser Frau mit dem Hund.
Thoss
Hören Sie einmal, junger Freund, Sie haben sich hier mit mir zu beschäftigen und mit keinem Hund!
555
Burdach
Wenn die Sache auch verwaltungsmäßig abgetan ist – ein Wort von Ihnen würde ja doch genügen ..
Thoss
(höchst ungeduldig):
Also ...
Burdach
(unterbricht ihn. Ernst):
Ich möchte noch einmal fragen, ob es nicht angezeigt wäre, diesen Fall aus der Welt zu schaffen.
560
Thoss
Es gibt hier keinen »Fall«. Das sind doch lauter Dummheiten.
Burdach
Ich weiß nicht, Herr Stadtrat ... Wäre es nicht doch gut, gerade in diesen Tagen vor der Wahl, jede Klage und Kritik aus der Bevölkerung zu vermeiden?
Thoss
Die Bevölkerung! Ein altes Blumenweib! Ich will Ihnen mal was sagen, Herr – äh – Burdach, Siesind nicht hier, um mir Ratschläge zu erteilen, Sie sind hier, um mitzuschreiben. Haben Sie das verstanden?
Burdach
Verstanden hab' ich's. Aber ich möchte doch warnen ...
Thoss
Also genug jetzt!
565
(Halblaut vor sich hin):
Unglaublich!
(Pause.)
Übrigens, daß ich das nicht vergesse: ich lege Wert darauf, das Interview vor der Drucklegung zu lesen.
Burdach
Gewiß.
570
Thoss
Den größten Wert!
Burdach
Gut.
Thoss
In dem Punkt bin ich sehr heikel!
Burdach
Spätestens morgen um drei liegt Ihnen der Bürstenabzug vor.
Thoss
(fortfahrend):
575
»Es kann keinen Gegensatz zu dieser meiner Grundauffassung von Gemeindepolitik bedeuten, wenn ich in meinem Programm den Problemen der Wirtschaft und Kultur nicht nur die allererste Stelle zuweise, in ihrer ausreichenden und bestmöglichen Förderung vielmehrdie grundsätzliche Lösung der Aufgabenstellung erblicke. Niemals wird es Rezepte geben ...«
(Draußen werden Stimmen laut. Thoss bricht ab, horcht. Mit Blick nach Burdach):
Mir scheint, das ist noch einmal Ihr Schützling, das Blumenweib.
(Horcht noch einmal. In aufkeimendem Zorn):
Ach – einen Augenblick!
580
(Rasch ab.)
Burdach
(lauscht gespannt, mit einem Mienenspiel, in dem sich sein Anteil an den Vorgängen draußen lebhaft abspiegelt.
Draußen undeutlich ein erregter Wortwechsel. Erst Thoss' Stimme in barschem Frageton, dann die jammernde von Frau Vogl. Einmal auch die Viktorias, die beruhigen will. Dann donnernd wieder Thoss. Man unterscheidet deutlich die Worte »Pack!« und »Unverschämtheit!« Dann wird mit einem Krach die Korridortüre zugeschlagen. Unmittelbar darauf betritt Thoss wieder das Zimmer, etwas außer Atem, gerötet.)
Thoss
(mit einer Stimme, in der noch die Aufregung nachklingt, scharf und befriedigt):
So!
585
(Unmittelbar anschließend fährt er fort, wo er stehengeblieben war, gewandt und geölt):
»Niemals wird es Rezepte geben, mit denen eine einzelne Partei alle Schäden heilen und alles Übel aus der Welt schaffen kann. Wir wollen das Gute nehmen, wo wir es finden, ohne Rücksicht auf die Partei. Wir wollen ehrlich jeden Gedanken aufgreifen, der das Volk aus seinen Nöten herausführen hilft, und wir hoffen
So! auf diesem Wege auch allmählich die tiefen Gegensätze in unserem Volke ausgleichen zu können ...
Burdach
(hat zuerst mitgeschrieben oder so getan, läßt es aber dann bleiben, hebt den Kopf und betrachtet den redenden Thoss mit wenig freundlichen Blicken. Während Thoss spricht, fällt der
VORHANG
Ein möglichst kurzer Zwischenakt

(Bruno Frank: Sturm im Wasserglas. Komödie in drei Akten. Zweite Auflage. München: Drei Masken Verlag1930. (S. 3–158.)Aus: Fischer, Frank, et al. Programmable Corpora: Introducing DraCor, an Infrastructure for the Research on European Drama. In: Proceedings of DH2019: Complexities, Utrecht University, 2019.)

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Bruno Frank
(18871945)

* 13.06.1887 in Stuttgart, † 20.07.1945 in Beverly Hills

männlich, geb. Frank

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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