Die Grands von Frankreich in ihrer wahren Gestalt

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Figurenkonstellation

Die Grands von Frankreich in ihrer wahren Gestalt (1814)

Ein Banditenspiel in einem Act

SchauplatzDer Schauplatz ist im Böhmischen Waldgebirge, hart an der Sächsischen Gränze.

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Erste Scene.

(Die Banditen haben sich in einem Kreise gelagert; Bonaparte im Hintergrunde.)
Chor der Banditen.
Abschied von den Deutschen.
Auf, auf ihr Deutschen! schwarze Nacht
Umdüstert euer Feld!
Das Werk der Meuter ist vollbracht,
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Folgt uns in alle Welt!
Verscherzt ist hier das Erdenglück,
Das uns're Schaar euch gab,
Doch wünscht ihr euch es noch zurück,
So nehmt den Bettelstab;
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Durchstreift mit uns Gebirg' und Kluft,
Den Hain, das Aehrenfeld;
Versucht's in einer andern Luft,
Wie euch der Spaß gefällt.
Wir wurden durch Gewalt und List
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An edlen Schätzen reich.
Und, wie ihr aus Erfahrung wißt,
Wir blieben stets uns gleich.
Wer nicht zu plündern weiß; mit Muth
Nicht Hütte, Wald und Feld
20
Zu säubern fein von Hab' und Gut,
Ist uns ein schlechter Held.
Muß sengen, wer in uns'rer Schaar
Mit Ehren will besteh'n.
Und Brände streu'n, wie ein Barbar
25
Von des Mont Martre's Höh'n.
In Blute schwimmt die halbe Welt
Durch unser stet Bemüh'n;
Wer nicht in seinem Blute fällt
Der sinkt in Thränen hin.
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Sagt, ist es nicht ein edler Ruf,
Der uns're Fahnen ehrt?
Wen Gott für Heldentugend schuf,
Ist ihrer Zierde werth.
Drum folgt, verlaßt die böse Brut,
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Die uns jetzt exilirt;
Verleuchnet euer ehrlich Blut,
Wie's Redlichen gebührt!
Kehrt gleich das Glück uns in der Noth
Erzürnt den Rücken zu –
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Noch mancher Narre bäckt uns Brot
Und sorgt für süße Ruh.
Entriß man kürzlich manchen Schatz
Der sieggewohnten Macht,
In Frankreich finden wir Ersatz,
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Kein Argus ihn bewacht.
Wir haben keiner Heimath Heerd,
Uns ist kein Vaterland;
Wohin die Hölle mit uns fährt,
Da herrscht der Höllenbrand.
50
Doch scheut ihr uns'rer Worte Laut,
So bleibt zurück und klagt
Wo Recht und Treu euch Hütten baut,
Wenn uns're Sippschaft lacht.
Frisch auf, wir räumen euch das Feld
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Und sagen gute Nacht;
Wir steuern in die weite Welt,
Das Werk ist hier vollbracht.
Bonaparte.
(tritt in den Vordergrund.)
Was hör' ich für einen Gesang verlauten
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Und Jubelgetön in böser Zeit,
Als wenn wir Siegstrophäen erbauten
Und litten nicht Noth und Herzeleid?
Daß wir den Kern der Soldaten ließen
In Rußlands Gränzen und auf der Fahrt,
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Das sollte mich doch noch nicht verdrießen,
Betrüge sich Deutschland nach rechter Art.
Wollt ihr aber keck noch in Jubeltönen,
Da alles, der Himmel, die Erd' uns verjagt,
Des Hauptmanns Person und euch selber verhöhnen,
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Als wären wir reich noch und unverzagt;
Da muß ich euch, Brüder, den Irrthum benehmen,
Uns drohen Gefahren, droht Hungen und Noth,
Und – soll ich's recht sagen – wir müssen uns schämen,
Auf Galgen und Rädern umschwebt uns der Tod.
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Doch weiß ich ein Mittel, zur Rettung erkoren,
Ist's gleich mit dem Reden und Rühmen nun aus,
Die Hoffnung zur Rettung ist noch nicht verloren,
– Wir wandern still' und bedächtig nach Haus.
Erscheint man ein Weilchen hübsch artig und fein,
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Und stellt sich, als meinte man's treu mit der Welt,
So schleicht sich der Fuchs allgemach wieder ein,
Was wettet ihr, Gott und die Welt wird geprellt!
Doch mögt' ihr bescheiden eu'r Brot nicht verdienen,
So ziehet ins Weite, ich stell' es euch frei,
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Die Sonn' hat uns lang' genug freundlich geschienen,
Jetzt geht sie uns unter – nun ist es vorbei.
Alle.
Nun ist es vorbei?
So schnürt sich ein jeder sein Päckchen und geht,
Wohin ihn die Laune des Wirbelwind's weht.
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Wir wandern und wollen durch Berg und durch Thal;
Am Ende entdeckt man's Paradies wohl einmal.
Vandamme.
(tritt zu Bonaparte, der unterdessen in tiefes Nachdenken gesunken ist.)
Viel schlechter, als mir's in der Welt schon ergangen,
Kann's wahrlich dem Sterblichen nimmer ergehn.
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Ich schmachtet' in Ketten, fast wär' ich gehangen –
Drum mag ich des Schicksals Versuch wohl besteh'n.
Den Beutel, zwei Messer, zur Seife das Näpfchen,
Ein neues Habit, denn das alte vergraut,
Zum Wasser die Büchs' und ein hölzernes Pfröpfchen
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Mein Sipchen, so ist der Barbier schon gebaut!
Dann geht's in die Fremde – da frägt sich's, wohin?
Ja freilich – wohin? hätt'st du selber die Wahl,
So sag' mir, wo weilte dein lustiger Sinn?
In Preußen läßt man sich die Barthaare stehen,
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Da giebt es für jetzt wohl nicht viel zu rasiren;
Und wollt ich auf Reisen nach Engelland gehen,
So würd' ich mich wahrlich nicht minder blamiren.
Hier kauft man ja doch nur Französische Messer,
Und Englische schneiden bekanntlich viel besser.
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Drum sage, was giebst du für .....
Bonaparte.
(horchend.)
Geduld!
Was hör' ich dort für einen argen Tumult?
Ach heilige Jungfrau, erbarme dich mein!
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Da schlagen die Preußen mit Dreschflegeln drein.
Fort, rettet euch, berget die zitternden Glieder,
Wir seh'n uns sonst wahrlich im Hades
(Alle verbergen sich hinter den Bäumen und Hecken, allein Vandamme bleibt vor Schrecken bewußtlos stehen.)

(Anonym: Die Grands von Frankreich in ihrer wahren Gestalt. Ein Banditenspiel in einem Act. In: Dornenstiche für Napoleon und Hieronymus Buonaparte und einige ihrer ehemaligen Staatsdiener. Cölln: Hammer [= Quedlinburg: Basse] 1814, S. 1–38.Aus: Fischer, Frank, et al. Programmable Corpora: Introducing DraCor, an Infrastructure for the Research on European Drama. In: Proceedings of DH2019: Complexities, Utrecht University, 2019.)

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