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Figurenkonstellation

August Kotzebue

Blind geladen (1811)

Lustspiel in Einem Akt

Uraufführung1810

Schauplatz(Die Scene ist ein Platz im Dorfe. An einer Seite das Landhaus des Barons mit einem Balcon; unter dem Balcon eine dichte Laube.)

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Erste Scene.

Der Baron und Wilhelmine.
Baron.
Nun, Minchen, entschließe Dich kurz und gut, denn ich habe Deinen Freiern kund gethan, daß Du heute zwischen ihnen wählen würdest.
Wilhelmine.
Daran haben Papa sehr übel gethan.
Baron.
Ziererei! sagtest Du nicht noch gestern, sie gefielen Dir beide?
Wilhelmine.
Eben deswegen. Sie gefallen mir beide, und beide so gut –
5
Baron.
Daß Du sie allenfalls beide heirathen würdest –
Wilhelmine.
Bewahre der Himmel! unser Geschlecht hat sich nie durch Vielmännerei entadelt, wie das Ihrige in der halben Welt durch Vielweiberei. Wir sind schon zufrieden, wenn Ein Mann uns treu bleibt.
Baron.
Nun so wähle den Einen.
Wilhelmine.
Wer steht mir dafür, dass ich den rechten wähle? Ein Mädchen sollte sich nie mehr als Einen Liebhaber wünschen; wird der ein schlechter Ehemann, so hat sie wenigstens keine Wahl gehabt, und folglich auch nichts zu bereuen.
Baron.
Aber die Herren sind nun schon ein paar Monat hier? Zeit genug, um sie kennen zu lernen.
10
Wilhelmine.
Die selige Mamma pflegte zu sagen: Männer lerne man nie vor der Hochzeit kennen.
Baron.
Der Hauptmann ist brav.
Wilhelmine.
Der Rittmeister auch.
Baron.
Der Rittmeister ist ein lustiger Patron.
Wilhelmine.
Der Hauptmann auch.
15
Baron.
Der Hauptmann hat gefällige Manieren.
Wilhelmine.
Der Rittmeister auch.
Baron.
Der Rittmeister ist wohlhabend.
Wilhelmine.
Der Hauptmann auch.
Baron.
Höre, Minchen, das macht mich verdrüßlich. Die seufzenden Schäfer liegen mir täglich in den Ohren. Ich will Ruhe haben, es muß entschieden werden.
20
Wilhelmine.
Nun so entscheiden Sie.
Baron.
Das lass' ich wohl bleiben. Gäb' es einmal einen Zwist in Deiner Ehe, so würde es gleich heißen: Papa, daran sind Sie Schuld, ich hätte mir den Andern genommen.
Wilhelmine.
Dafür will ich nicht schwören.
Baron.
Drum lass mich aus dem Spiele.
Wilhelmine.
Aber wie solls denn werden?
25
Baron.
Das ist Deine Sorge. Kannst Du keine Wahl treffen, so verabschiede sie beide.
Wilhelmine.
Nein, Papa, ich habe Ihren alten Rabner gelesen.
Baron.
So weiß ich Dir nicht zu helfen.
Wilhelmine.
Ich bin doch fürwahr eine unglückliche Person. Zwei Freier – verliebt in keinen – und doch an keinem etwas auszusetzen!
Baron.
Wenn Du wenigstens errathen könntest, welcher von beiden Dich am meisten liebt?
30
Wilhelmine.
Sie bringen mich da auf eine Idee. – Ja dasmag entscheiden. Sagen Sie den Herren – doch so, als ob es Ihr Einfall wäre – sie möchten sich auf irgend eine Weise unter einander vergleichen; derjenige, der den Andern vermöge, freiwillig das Feld zu räumen, solle mein Gemahl werden.
Baron.
Närrchen, dann werden sie sich die Hälse brechen.
Wilhelmine.
Das wird bei Strafe meiner höchsten Ungnade untersagt. List, Ueberredung, Bestechung, Alles sey erlaubt, nur das Halsbrechen nicht.
Baron.
Und was meinst Du, daß geschehen werde?
Wilhelmine.
Derjenige, der mich am meisten liebt, wird schon Mittel und Wege finden, den Andern bei Seite zu schaffen. – Ich sehe sie kommen. Die Schranken werden geöffnet. Der Herold stößt in die Trompete. Der Sieger führt die Braut heim.
35
(ab.)
Baron
(schüttelt den Kopf).
Ich stehe nicht für Unglück.

(August von Kotzebue: Blind geladen. Ein Lustspiel in Einem Akt. In: Almanach Dramatischer Spiele zur geselligen Unterhaltung auf dem Lande. Neunter Jahrgang. Leipzig: Hartmann1811, S. 73–142.Aus: Fischer, Frank, et al. Programmable Corpora: Introducing DraCor, an Infrastructure for the Research on European Drama. In: Proceedings of DH2019: Complexities, Utrecht University, 2019.)

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