Ein comedi von dem reichen sterbenden menschen, der Hecastus genannt

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Figurenkonstellation

Hans Sachs

Ein comedi von dem reichen sterbenden menschen, der Hecastus genannt (1560)

hat neunzehen personen und 5 actus zu spielen

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Actus I.

Der ehrnhold
tritt ein, neigt sich und spricht:
Heyl und genad von Got, dem Herrn,
Sey euch allen nahet und ferrn,
Ir erbern herrn und züchting frawen
5
Und all, so hie wöllen zu-schawen
Ein schöne comedi agirn,
Wie mit wirthschafft und panckadirn
Ein junger reicher stoltzer mann
Sein zeit unnützlich hat verthan
10
In allem wollust hie auff erdt,
Darmit sein leib und seel beschwert,
Das zukünftig gar nit betracht,
Gottes und seines worts nit acht!
Hört, schweigt und merckt und haldet rhu!
15
Nembt anfang und mittel darzu,
Wie es sich darmit enden thu!
Hecastus, der reich mann,
gehet ein, setzt sich und spricht:
Ich glaub, das kein glückhaffter mann
Auff erd sey, der mir gleichen kan,
20
Wann mir felt nichts an gut noch leib,
Ich hab ein schön und freundlichs weib,
Ein groß haußgsind und dapffer söhn,
Mein döchter die sind zart und schön,
Die schönsten heuser in der statt,
25
Darinn den köstlichsten haußrat,
Groß schätz von kleinoten und gelt,
Auff dem land dörffer, vieh und feldt,
Schlösser und sitz an manchem endt,
Von den auffheb ich zinß und rendt.
30
Drumb leb, meine liebe seel, von allem
Güttern nach deinem wolgefallen
Und für ein frewdenreiches leben!
Thu fort in allem wollust schweben
Mit gutn gesellen nacht und tag!
35
Ker dich nit an der pfaffen sag,
Die sprechen, das wir nach dem leben
Des guts halb müssen rechnung geben!
Das ich doch alles halt für lügen.
Des wöll wir schlemmen, weil wir mügen.
40
Ietzt geh ich zu meim freundt Deman,
Das frümal mit im zeren than.
Ghe, knecht, und heiß mir auß dem hauß
Mein frawen bald kommen herauß!
Epicuria, das weib,
kompt und spricht:
45
Mein mann, warumb ruffstu mir itz
Rauß an lufft und der sonnen hitz?
Kanstu mirs in dem hauß nit sagen?
Der reich mann
spricht:
Du schöne ros, was thustu klagen?
50
Deck dein haupt mit eim schleyer zu!
Epicuria, das weib,
spricht:
Laß ab dein spott! sag! was wiltu,
Das du mich rauß beruffen hast?
Hecastus, der reich mann,
spricht:
55
Da wil ich ietzund gehn zu gast
Zu Demonem, meim guten freundt.
Du aber richt uns zu auff heint
Ein köstlich mal auffs aller-best
(Wann ich wirdt haben ehrlich gest),
60
Auff das wir ins erbieten wol!
Das weib
spricht:
Mein lieber haußwirt, sag! und sol
Ich ein news wider kochen heint,
Weil nechten uberblieben seint
65
Speiß gnugsam heint noch auf zwen tisch?
Hecastus, der reich mann,
spricht:
Hörst nit? gehe hin, koch lauter frisch!
Wer wil dein uberbleibling essen?
Wie ist dein kargheit so vermessen?
70
Und das dich auch der ritt muß schütten!
Das weib
spricht:
Ey vor dem wöll uns Gott behüten!
Zürn nicht, mein mann! bedenck dich baß,
Was der prediger sagen was,
75
Am jüngsten tag rechnung zu geben,
Was wir allhie in diesem leben
Etwan so unnützlich verzern!
Der reich mann
spricht:
Die pfaffen thun nur sollichs lern
80
Und trowen uns mit solchen dingen,
Darmit sie das gelt von uns bringen,
Als weren wir mörder und heiden,
Denn solche trawort sind bescheiden.
Wir sind gut Christn und hören predig,
85
Geben almusen und sind ledig.
Darumb förcht dir nichts uberal!
Richt uns zu ein köstlich nachtmal!
Ietzund gehe ich dahin zu dem
Meim guten freund, du weist wol wem,
90
Wil bey im biß zu abend bleiben
Und mit kurtzweil den tag vertreiben.
Du, sag gar niemand, wo ich bin!
Die fraw
spricht:
Ich wil es thun; geh du nur hin!
95
Der reich mann
spricht:
Panocite, kom und gehe mit mir!
Panocitus, der knecht,
spricht:
Ja, herr, ich wil nach-tretten dir.
Der herr geht mit dem knecht ab.
Die fraw
schreit:
100
Datre, Datre, kom rauß zu mir!
Datrus, der koch,
kompt und spricht:
Hie bin ich, fraw! was wollet ir?
Die fraw
spricht:
Da nem den korb und darmit lauff
105
Hin unter die fleischbenck und kauff
Umb die zwen schilling auff das best!
Der herr wil aber haben gest.
Der koch
spricht:
Ja wol, zwen schilling klecken nicht.
110
Die fraw
spricht:
Du hast gnug, du arger bößwicht!
Der koch
spricht:
Nein fürwar, doch gib ich ein rath:
Wir wöllen heint zu abent spat
115
Das nechtig kalt brates dargegen
Under das warm frisch prates legen,
Das wir dest ringer kommen auß.
Die fraw
spricht:
Ja, thus! ich wil gehn in das hauß
120
Und all ding verordnen besunder.
Die fraw geht ab,
der koch
redt mit im selbs und spricht:
Ey sol nit einen nemen wunder
Von der grossen kargheit der frawen?
Ich muß nur mit dem fuchßschwantz hawon
125
Und reden, was sie geren hört,
Das sie sich nit gehn mir entpört.
Der koch gehet mit dem korb ab.
Der reich mann
kompt mit seinem freund Demone und spricht:
Demone, hie wöll wir herauß
An den lufft sitzen für das hauß
130
Und ein par stund vertreiben spet
Und der lurtz spielen in dem bret.
Das soll gelten ein becher wein.
Demones, der freundt,
spricht:
Ja wol, das selbig muß ja sein.
135
Der reich mann
spricht:
Du mein knecht, schenck uns ein in kheim
Und lauff denn eillend wider heim,
Das man bereit die gasterey,
Den besten wein anstechen sey!
140
Den saal richt zu zu einem dantz
Auff heint, zu leben frölich gantz,
Und das es gentzlich fehl an nichten!
Der knecht
spricht:
Ja, herr, ich wil es als außrichten.
Der knecht gehet ab.
145
Der reich mann
spricht zum freundt:
Von erst fach wir an das lurtz-spil!
Demones
wirfft und spricht:
Ses, es, die gab ich geben wil.
Der reich
wirfft und spricht:
150
Ich hab zinck drey, ich wil anfahen.
Demones
wirfft und spricht:
All zincken, den stein muß ich schlahen.
Der reich
greifft in die seitten und spricht:
Und wenn ich soll die warheit sagen,
155
Wie du mir hast den stein geschlagen,
Da ist mir etwas gar von weitten
Geschossen in die lincken seitten
Und sticht mich sehr; o weh, weh mir!
Demone, der freundt,
spricht:
160
Hecaste, ich mein, es traum dir.
Der reich mann
spricht:
Nein, mir traumbt nit; o laß uns zwen
Wider hinein ins hause ghen!
Der freundt
spricht:
165
Ja, doch thu ieder vor ein trunck.
Der reich mann
spricht:
Des trinckens hab ich schon genunck.
Mir ist nit recht; laß mich ins hauß!
Demones, der freundt,
spricht:
170
So kom! ich gib ietz quater taus.
Drinn spilen wir die lurtz gar auß.
Sie nemen das spilbret, gehen ab.

(Hans Sachs: Ein comedi von dem reichen sterbenden menschen, der Hecastus genannt, hat neunzehen personen und 5 actus zu spielen. In: Hans Sachs. Herausgegeben von Adelbert von Keller. Sechster Band. Tübingen: Laupp1872, S. 137–187.Aus: Fischer, Frank, et al. Programmable Corpora: Introducing DraCor, an Infrastructure for the Research on European Drama. In: Proceedings of DH2019: Complexities, Utrecht University, 2019. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Hans Sachs
(14941576)

* 14.11.1494 in Nürnberg, † 29.01.1576 in Nürnberg

männlich, geb. Sachs

Nürnberger Schuhmacher, Spruchdichter, Meistersinger und Dramatiker

(Aus: Wikidata.org)

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