Hoang-Puff

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Figurenkonstellation

Hermann Herzenskron

Hoang-Puff (1826)

Posse in einem Acte, nach dem Französischen der Herren Caignéz und Louis frey bearbeitet

Uraufführung1822

Schauplatz(Die Handlung geht in Schekiang in China, im Schloßgarten Hoang-Puff’s vor.)

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Erste Scene.

Kang-Schu. Jao. (Von verschiedenen Seiten.)
Jao.
Heil den großen Vesier, des mächtigen Hoang-Puff!
Kang-Schu.
Gott grüße Dich, Jao, treuer Verwahrer der Schönheiten seines Harems; schläft unser Gebiether noch?
Jao.
Seine Hoheit sind noch zu Bette, zanken aber bereits schon den ganzen Morgen. Sie legten sich gestern spät zur Ruhe, und waren überhaupt ob der kleinen Unpäßlichkeit die sie gestern befiel, äußerst besorgt; Ihr wißt wohl erhabner Kang-Schu, daß ihm sein Leben über alles geht.
Kang-Schu.
Darin ahme ich ihm auch vollkommen nach. Aber sage mir doch, woher die üble Laune kam, die ich schon seit einiger Zeit an ihm verspürte?
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Jao.
Woher anders als von der kleinen Oali. Die kleine Hexe hat sich mir nichts, dir nichts, in Hoang-Puffs Herz geschlichen, und sitzt nun so fest, wie eine Klette, während sie seine heftige Leidenschaft nur mit Spott erwidert.
Kang-Schu.
Alle Wetter, welch' ein Unternehmen? Solche Kühnheit könnte ihr den Kopf kosten, wenn sie nicht zum Glück ein Frauenzimmer wäre.
Jao.
Und was für ein Frauenzimmer? Sie ist ohne Ruhm zu melden die Perle des Harems, und wäre ich nicht Oberaufseher des Serails, dem der Statthalter sein ganzes Zutrauen schenkt, ich würde für mich selbst kaum gut stehen.
Kang-Schu.
Hoang-Puff hat dem rechten Mann diesen wichtigen Posten übergeben. Bey euch hat er nichts zu befürchten. – Als ich gestern unsern erhabenen Gebiether, wegen Nadir, dem Sohne meines Vorgängers, sprechen wollte – – –
Jao.
Aha, der Sohn des Vesier's Zamti, den Ihr so geschickt zu stürzen wußtet, um Euch selbst auf seinen Platz zu schwingen? und dieser Nadir wagte es trotz der Ungnade seines Vaters, wieder nach Schekiang zu kommen?
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Kang-Schu.
Vor einigen Monathen starb Zamti in seiner Verweisung. Der Sohn kam zurück, und beging die unverzeihliche Thorheit, dem Statthalter einige derbe Wahrheiten zu sagen.
Jao.
Wahrheiten, an Hoang-Puff? unverzeihliches Verbrechen! das kann ihm theuer zu stehen kommen.
Kang-Schu.
So ein Vergehen habe ich mir, dem Himmel sey Dank, noch nicht zu Schulden kommen lassen. Nadir ist verloren. Aber er ist nicht der Einzige den ich noch entfernen muß.
Jao.
Und das wäre?
Kang-Schu.
Zimar! Dieser Fremde, dieser Bramine aus fernem Hindostan, der nur hieher kam, um sich mir auf allen Wegen entgegen zu stellen, und mir in allem hinderlich zu seyn.
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Jao.
Würdiger Kang-Schu! Beschimpft diesen Zimar nicht. Er kennt alle Sterne, und liest am Himmel geläufiger als wir beyde es auf dem Papiere können.
Kang-Schu.
Desto schlimmer, ich traue den Gelehrten nicht weiter als ich sehe. Sie behandeln uns Uebrige wie gemeines Volk, und gehen mit unsers Gleichen nicht selten um, als ob sie den Steinbock oder einen Stier vor sich hätten.
Jao
(geheimnißvoll).
Was Zimar betrifft, kann ich Euch vielleicht mehr sagen als Ihr wißt. Seit drey Tagen arbeitet er insgeheim an dem Horoscop unsers Gebiethers. Ich überraschte ihn diesen Morgen unter einem Haufen von Zirkeln und Linien, von Quadraten und andern solchen schnackischen Instrumenten.
Kang-Schu.
Und Du glaubst wirklich, daß es sich um ein bloßes Horoscop handle.
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Jao.
Ich wette meinen Kopf darauf. Wollt Ihr?
Kang-Schu.
Der Einsatz wäre mir zu gering!
Jao.
Hoang-Puff will wissen, ob er noch lange leben wird. Das ist sein einziger Wunsch.
Kang-Schu.
Dem Wunsche lange zu leben, bringt er oft die närrischsten Opfer. So ließ er zum Beyspiel alle Teiche in ganz Schekiang verschütten, weil er ein Mahl zufällig einem Bassin zu nahe gekommen war, und sich den Pantoffel naß machte.
Jao.
Löbliche Vorsicht.
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Kang-Schu.
Sein Horoscop will mir aber doch nicht recht in den Kopf! der Bramine sieht mir aus, als ob er noch ein Mahl um mich die Trauer anziehen wollte.
Jao.
Ruhig, erhabener Kang-Schu! ich höre ein Geräusch!
(man hört von außen Jubel.)
Hoang-Puff erscheint! mit diesem Jubel wird er täglich des Morgens, von seinen getreuen Sclaven empfangen.

(Hermann Herzenskron: Hoang-Puff. Posse in einem Acte, nach dem Französischen der Herren Caignéz und Louis frey bearbeitet. In: Dramatische Kleinigkeiten. Von Herzenskron. Wien: Tendler und von Manstein 1826, S. 63–103.Aus: Fischer, Frank, et al. Programmable Corpora: Introducing DraCor, an Infrastructure for the Research on European Drama. In: Proceedings of DH2019: Complexities, Utrecht University, 2019.)

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