Mädchenfreundschaft, oder der türkische Gesandte

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Figurenkonstellation

August Kotzebue

Mädchenfreundschaft, oder der türkische Gesandte (1805)

Ein Lustspiel in einem Akt

Uraufführung1805

SchauplatzDer Schauplatz ist ein Saal mit mehreren Thüren, im Hintergrunde ein Catheder, Stühle und Bänke für die Pensionaire.

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Erster Auftritt.

Madam Braun, (auf dem Catheder, giebt Unterricht und ist von allen ihren Pensionairs umgeben; die wenigsten derselben haben Acht auf die Lection; sie plaudern, sie necken sich, u. s. w.)
Madam Braun.
Still, Kinder! still! Man kann ja sein eigenes Wort nicht hören. Mamsell Lenore, Sie sind die älteste, Sie sollten mit guten Beyspiel vorgehn.
Lenore.
Wir haben alles gehört.
M. Braun.
Nun? wovon hab’ ich zuletzt gesprochen?
Len.
Von der spanischen Poesie.
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M. Braun.
Da haben wir’s! Ich war schon längst bey der griechischen! He! wer weiß mir zu sagen, wovon zuletzt die Rede war?
Nat.
Von der Naturgeschichte.
Wilh.
Ja, von den Thieren, die den Moschus in einem Beutel tragen.
M. Braun.
O leichtsinnige Jugend! Ich sprach freylich von Moschus, aber von einen Idyllendichter, der vor 2000 Jahren in Syrakus lebte. Kinder! Kinder! wenn Ihr nicht mit Ernst dergleichen wichtige Dinge zu erlangen strebt, wie wollt Ihr denn einst liebenswürdige Gattinnen werden? – Ihr tanzt, Ihr singt, Ihr spielt auf der Guitarre, das ist alles recht gut, und gehört allerdings zur häuslichen Zufriedenheit; aber um Eure Männer ganz zu beglücken, müßt Ihr auch wissen wer Moschus war, und müßt gleich ihm, süße Verse dichten lernen.
Lenore.
Hab’ ich nicht am Sonnabend ein Liedchen auf meinen Dompfaffen gemacht?
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M. Braun.
Ja die Gedanken waren ganz artig aber die Reime noch so à la Gellert. Heutzutage verlangt ein Ehemann –
Nat.
Ey was kümert es uns, was ein Ehemann verlangt? Wir drey heurathen doch nie!
M. Braun.
Alberner Schnack! Lenore ist ja schon Braut.
Len.
Bewahre der Himmel! Oncles und Tanten mögen das wohl untereinander so aus gemacht haben, aber ich thue es nicht. Da müßte ich mich ja von meinen Freundinnen trennen? – Das geschieht nimmermehr.
Nat.
Nein, Madam Braun, das thut keine von uns. Eher sagen wir Nein am Altare.
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M. Braun.
Nun, nun, das wird sich schon finden. Jetzt wieder auf den Idyllendichter Moschus zu kommen –
(man hört eine Uhr drey schlagen)
Alle Pensionairs.
(indem sie die Bücher wegwerfen und davon laufen.)
Es hat drey geschlagen! es hat drey geschlagen!
M. Braun.
(allein.)
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Prrr! Das kann die Zeit nicht erwarten, bis die gymnastischen Uebungen anfangen.

(August von Kotzebue: Mädchenfreundschaft, oder der türkische Gesandte. Ein Lustspiel in einem Akt. Wien: Wallishausser 1805.Aus: Fischer, Frank, et al. Programmable Corpora: Introducing DraCor, an Infrastructure for the Research on European Drama. In: Proceedings of DH2019: Complexities, Utrecht University, 2019.)

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