Die neue Messaline

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Figurenkonstellation

Johann Gabriel Bernhard Büschel

Die neue Messaline (1786)

Trauerspiel in einem Akt

Zurück
Weiter

Erste Scene.

(Zimmer in Messalinens Pallast.)
Messaline. Bella.
Bella.
Die Nachricht, Prinzeßin, die man Ihnen vom König, Ihrem Vater, gebracht hat, ist gegründet. Man hat ihn auf einer benachbarten Insel gesehn, und er kömmt nun, nach beynahe zehnjähriger Abwesenheit, in diese Stadt zurück, um seine Kinder zu umarmen. – Allein was soll ich von dem Verdruß denken in den ich Sie versunken sehe? Immer irren Sie unruhig im Pallast umher, hören mich nicht an und schliessen Ihre Augen zu, als ob Sie sichfürchteten dem Lichte des Himmels zu begegnen. Züge des tiefsten Schmerzes ließt man deutlich auf Ihrem Gesicht – glauben Sie mir, die Traurigkeit steht den Damen von Ihrem Alter nicht wohl. – Aber wie? Sie seufzen? Was haben Sie denn für Geheimniße?
Messaline.
Ach! wenn ich ausser mir vor Verdruß bin, so hab’ ich gewiß Ursach genug dazu. – Du kennst den Prinz Biribinker – dieser Mann, den ich für einen Helden hielt, den ich bewunderte, den mein Herz anbetete – ach es ist ein Elender!
Bella.
Wodurch hat er Ihnen mißfallen? Warum sind Sie so gegen ihn aufgebracht?
Messaline.
Weil – weil – o nur sein Tod kann die Beleidigung abbüssen die er mir anthat – Seit dem Tage an dem ich ihn zuerst sah hielt ich mich für unaussprechlich glücklich, dies weißt du – Sein ganzes Ansehn, seine starken breiten Schultern, seine lange vielversprechende Nase, alles dies nahm mich für ihn ein – o ich hatte ihn nur zu gut ins Auge gefaßt. – Er überraschte mich als ich eben aufeiner Rasenbank schlief – seine Hand – sie fand den Weg zu dem Mittelpunkt meiner Reize – meine leichte Kleidung hinderte ihn nur wenig – Cupido’s Liebling schlug mächtig an die Pforten seines Kerkers – er entließ ihn und zeigte mir ihn in seiner ganzen Größe – mit einem Wort, Bella, wir vollbrachten das süße Geschäft der Liebe. – Welch Vergnügen empfand ich bey den Proben seiner Stärke! Ihr Götter welche Freude genoß ich! Pyrrhus empfand sie nicht größer als er Troja in Flammen sah. – Es schien als wollt’ er sich nie wieder aus meinen Armen reißen – immer blieb sich sein Feuer gleich – er gewann in meinen Umarmungen neue Stärke – nach dem süssesten Genuß war er stets zu neuem Genuß bereit – er überschüttete meinen Schoos mit dem köstlichsten Balsam so reichlich, als wäre die Quelle nie versiegend aus der er floß. – Dieser Prinz nun, dessen Eifer nie erschlaffen zu wollen schien, dessen Stärke ohne Beyspiel keine Begierden in mir aufsteigen ließ ohne sie in dem Augenblick zu dämpfen in dem sie entstanden, der meiner Wollustdie thätigste Mannkraft entgegen setzte, war heute durch ein unbegreifliches Schicksal so schwach wie ein Kind – seine Nerven ohne Spannung – der beste Theil seiner selbst, der sonst nichts als Kampf und Sieg athmete, und immer bereit war in die Pforte der Liebe einzudringen, die ihm zu Ehren sich öfnete, vermochte es nicht – er der sonst unaufhaltsam nach dem Ziele rennte, konnte heute nicht einmal den Lauf anfangen. – Dies ist mein Geheimniß Bella – hab’ ich nun nicht Ursach betrübt zu seyn?
5
Bella.
Mehr als zu viel Prinzeßin – was für ein ärgerer Schimpf hätte Ihnen widerfahren können? Allein so unerhört, so schmerzhaft er auch für Sie ist, so lassen Sie darum den Muth nicht ganz sinken, lassen Sie aus Scham und Traurigkeit über Biribinkers Schwäche das reizende Kleinod nicht ungebraucht liegen das Sie besitzen – fahren Sie fort damit zu wuchern. Thäten Sie nicht beßer, wenn Sie, um sich für Ihren Verlust zu entschädigen –
Messaline.
Ich verstehe dich – von Stund an will ich darauf denken. Zu lange hab’ ichschon den niederschlagenden Schmerz in meinem Busen genährt – nur der Genuß der Liebe soll künftig meine Schritte leiten – Ströme des süssen Nektars will ich in mich saugen, um durch sie die verlornen Augenblicke zu ersezen. – Aber es kömmt jemand – ihr Götter, wer mag das seyn?
Bella.
Es ist Prinz Biribinker – er tritt schon herein.
Messaline.
Sag’ ihm Bella, daß in dem Zustand worin ich jetzt bin, ihn sehen und ihn hassen eins sey.
(geht ab.)

(Anonym (= Johann Gabriel Bernhard Büschel): Die neue Messaline. Trauerspiel in einem Akt. Nach dem Französischen. In: Kanthariden. Rom bei Giovanni Tassoni (= Berlin: Himburg) 1788, S. 105–136.Aus: Fischer, Frank, et al. Programmable Corpora: Introducing DraCor, an Infrastructure for the Research on European Drama. In: Proceedings of DH2019: Complexities, Utrecht University, 2019.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent
Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.