Die lustigen Räuber

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Paul Scheerbart

Die lustigen Räuber (1904)

Ein Schauspiel in fünf Akten

SchauplatzDie drei ersten Akte spielen in Stockholm, der vierte Akt in Lappland und der fünfte in Melbourne.

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Erster Akt

Kahles Zimmer mit drei weissen Wänden. Hinten Türe. Vorne grüner Tisch und ein Geldschrank. Fünf Stühle. Hängelampe überm Tisch, auf dem viel Papier und Zeitungen, Tintenfässer, Weingläser, Flaschen etc.
Katharina und Hannibal.
HANNIBAL.
Aber Käthchen! Darüber sind wir doch im Klaren, dass die Frauen überall die erste Rolle spielen sollten. Was ist denn ein sogenannter Mann? Ein busenloses Lebewesen, dem es an der nötigen Intelligenz mangelt, im Kampfe ums Dasein sich selbständig zu behaupten. Der Mann wird erst was, wenn ihm die Frau hilft.
KATHARINA.
Na gewiss doch, Hannibal! Wir sind ja gerne bereit, Euch zu helfen. Wie also sollt sich doch die Gesellschaft nennen? Ich habs nicht behalten.
HANNIBAL.
»Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft gegen Revolutionsschaden«.
Er widerholt diesen Namen nachdrücklichst.
5
KATHARINA.
Also: »Allgemeine Versicherungs- Gesellschaft gegen Revolutionsschaden«. Hm! Gestatte, dass ich mir das notiere.
Tuts.
Ihr meint also, dass sich damit etwas machen liesse?
HANNIBAL.
Die einzige Möglichkeit, Geld zu verdienen. Alle Leute haben heute vor Revolutionsschaden einen Heidenbammel. Da heisst es also: feste zupacken. Von der Todesfurcht der Menschen lebt es sich immer am besten. Wir wollen den Medizinern Konkurrenz machen. Wir versichern Alles: abgeschlagene Nasen, verbogene Diademe, erstochene Minister u.s.w. Besonders aber sind wir bereit, wertvolle Gegenstände gegen geringes Entgelt aufzubewahren – aufzubewahren! Pass man auf: wir werden Pretiosen bekommen! Einfach alle Schätze der Erde werden in Kürze in unsern Händen sein.
Meta und Max kommen herein.
10
META.
Kathi, ist es wahr – Du willst mitgründen?
KATHARINA.
Ja, liebe Meta!
META.
Oh, wie danke ich Dir!
Umarmung.
Teure Freundin, so soll also die wichtigste Gründung unsrer Zeit durch uns zur Tatsache werden?
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Nochmals Umarmung und herzlichstes Händegeschüttel.
MAX.
Hier, meine Damen, sind zwei Federn! Unterschreiben Sie gütigst die Gründungsprotokolle – dann kann Hannibal mit Ihnen zum Advokaten gehen.
KATHARINA.
Ja – sollen wir nicht erst die Sache durchlesen?
MAX.
Dadurch verlieren wir nur Zeit, und Du wirst doch nicht zweifeln, dass unsre Freunde ehrlich sind – nicht wahr?
KATHARINA.
Nein, liebe Meta.
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Die Damen unterschreiben die umfangreichen Akten, in denen die Protokolle niedergelegt sind.
HANNIBAL.
Max, gib uns einen guten Benediktiner – dann wollen wir gehen.
Max schenkt ein, es wird getrunken, Meta umarmt ihren Max, und die beiden Damen gehen mit Hannibal ab, während Max auf grossen Foliobogen zu schreiben beginnt. Nachdem die Drei fort sind, tut sich die Versenkungsluke auf, und der Kopf des Theophil Knipski wird sichtbar.
THEOPHIL.
Max!
MAX.
Was willst Du, lieber Theophil?
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THEOPHIL.
Auch einen Benediktiner!
MAX.
Möchte Mancher! Na – hier hast Du einen.
Theophil trinkt, ohne raufzukommen.
THEOPHIL.
Also: die dummen Frauenzimmer haben unterschrieben, nicht wahr?
MAX.
Natürlich – das hast Du doch gehört.
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THEOPHIL.
Die Frauen können doch Alles – Alles – Alles! Gib mir noch einen Benediktiner.
Während Max einschänkt und Theophil die Hand emporhebt – fällt der Vorhang.

(Paul Scheerbart: Die lustigen Räuber. Ein Schauspiel in fünf Akten. Herausgegeben von Mechthild Rausch. Band 1: Revolutionäre Theater-Bibliothek. München: edition text + kritik1977, S. 183–193.Aus: Fischer, Frank, et al. Programmable Corpora: Introducing DraCor, an Infrastructure for the Research on European Drama. In: Proceedings of DH2019: Complexities, Utrecht University, 2019. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Paul Scheerbart
(18631915)

* 08.01.1863 in Danzig, † 15.10.1915 in Berlin

männlich, geb. Scheerbart

deutscher Schriftsteller phantastischer Literatur und Zeichner

(Aus: Wikidata.org)

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