Im goldenen Tempel-Buche verzeichnet

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Figurenkonstellation

Carl Hauptmann

Im goldenen Tempel-Buche verzeichnet (1909)

(Nach einer japanischen Skizze) / Dichtung in drei Vorgängen / (Hinter Schleiern zu spielen)

Uraufführung1910

SchauplatzDie Handlung spielt im kaiserlichen Palast im Lande des Sonnenaufgangs.

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Erster Vorgang

Der vordere Raum der Bühne ist rechts und links je durch eine Wand mit Tür, nach der Tiefe durch einen kostbaren, zweiteiligen Vorhang begrenzt. Wenn sich der Vorhang auseinander breitet, sieht man Stufen, die zu einer freien Terrasse mit Säulen und Gewinden führen. Dort oben stehen ein paar vornehme Ruhebetten. Durch die Säulen sieht man in die Gärten des Kaisers, darüber der Abend sich legt. Der Vorhang ist halb geöffnet.
Tozi und Ginyo, Giwaus Mutter und Schwester, kommen von links aus der Tür. Gleich danach erscheint aus der rechten Tür eine Dienerin.
DIE DIENERIN.
Oh! in der jachen Unrast unsrer Stunden
ein Weilchen Frieden, Herrin! Deine Tochter
schmückt sich. Die stille Abendfeier, wo
der kaiserliche Herr, ganz hingegeben,
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dem Laut aus Giwaus keuschen Lippen lauscht
und des verzückten Reigens brünstigem Zwange
nachstarrt, ist nicht mehr weit. Sie summt schon leise
die Lieder, die der Kaiser gerne hört.
DIE MUTTER.
Nur sage Giwau, dass die Mutter und
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die Schwester Ginyo zu ihr kam. Sie möchte
sich ja beeilen, eh die blauen Blüten
im Tanze vor dem Kaiser niederwirbeln
aus ihrem vollen Haarkranz. Abendstrahlen
umfluten schon den Weg. Die Sonne taucht
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in Busch und Wipfel ein mit goldnen Säumen.
Und Mutterliebe will die Schleierstimme
der Tochter nicht nur träumen, wirklich trinken,
wie reichen Seelenlaut im Garten Gottes.
Die Tür zur Rechten hat sich geöffnet, und Giwau ist kindlich bewegt erschienen, in Freude über ein köstliches Perlengeschmeide, das sie im Begriff ist sich umzulegen.
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GIWAU.
Du Mutter! sieh nur, sieh die seidigen Perlen,
die mir der Kaiser gestern umhing. Oh,
er liebt mich, Mutter, liebt mich ohne Mass.
Wie reiner Morgen liebt den weiten, dunklen,
lautlos erstorbnen See der Traurigkeit,
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darin in goldner Flut die Nacht versinkt.
Nein, Mutter! Grenzen nicht der Huld und Gnaden
erkennt er noch. Erhöhen! Nur erhöhen!
von Tag zu Tage mehr, ganz ungestüm.
Sein Wink häuft Schätze mir und Euch ... und Schönheit,
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so dass ich wirklich wie von Genien
behütet bin. Und seine dunkle Stimme
rühmt unablässig mich – nur mich! – nur mich!
»Du, Giwau«, sagt er – –
DIE MUTTER
zärtlich drohend.
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Schatz, rühm dich nicht selbst!
Des Liebeswahnes heisse Worte irren
und zücken bandenlos, wie helle Blitze
in Wolken zücken. Und schon ist es Nacht.
Lass selige Liebesworte nur dein Auge
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sanft hellen, ganz von ferne, wie ein Blick,
der ungehört vergeht und Lächeln macht.
Und sprich sie höchstens einmal leis, in Glücke,
wenn du mit dir allein bist, so nur hin –:
wenn du, erschauernd von dem jungen Wein,
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das höchste Gut ermessend, noch tief sinnst.
Doch ja nicht laut der Liebe Stammeln, Kind,
und nicht vor andern! Ach, die Zeit ist Flucht!
GIWAU.
Nein, Mutter! nicht doch! – Nein, so flüchtig ist
die Glut der Liebe meines Kaisers nicht.
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Nein, allzu kleinmütig ist meine Seele
noch nicht geworden. Ach, es ist so süss,
so Tag um Tag und Jahr um Jahr geborgen
am selben Baume ruhen, an derselben
kristallnen Quelle meinen Durst zu stillen.
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Oh Mutter! Huldvolle! nur preise fröhlich
mit mir das junge Licht, das sonnenflutend
mein winziges Leben einhüllt! Rühm mich hoch,
dass meiner Schönheit züchtiger Tulpenbaum
so ewig Gaben vor den Kaiser hinstreut.
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Du liebe Schwester Ginyo, Morgenschein
ist nicht so sanft, wie du. Und sanfte Mutter,
du hohe Hüterin! – Dass ihr mir lebt!
Mein Gott! Der Kaiser kommt den Myrtenweg,
im Schatten wandelnd. Der Geliebte kommt!
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Ein Sinnen um die Lippen. Und ein wenig
schon Ungeduld. Er kann es nicht erwarten,
mich anzusehen mit den saugenden,
geliebten Blicken. Oh! Zeit, stehe still!
Er kommt verlangend. Roten Blumenkelch
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schwenkt er in lässigem Tändelspiele immer
nur auf und nieder mit der schlanken, weissen,
beringten Hand.
Geliebte, nehmt nur mit euch
so viel, als eure Seele fassen mag
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vom heiligen Wunder Liebe, das ich lebe.
Mutter und Schwester gehen mit zärtlichen Blicken auf Giwau ab. Giwau ist ganz leicht auf Zehen wieder zur rechten Tür hinübergeschlichen, immer in beglückt lauschender Haltung. Dort steht sie, im Begriff in die Tür zu gehen, gespannt den Kopf leicht nach dem Garten rückgewendet.
DER KAISER
ist vom Garten her auf Terrasse und Stufe erschienen und schlägt achtlos eine Vorhangfalte zurück.
Nun, Giwau! Seele meiner Seele! – Du! –
So zärtlich aufgereckt! – Der Abend kam.
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Die Blüten allenthalben in den Büschen
verschenken Duft, der Sehnsucht weckt. Und drüben,
dort, wo im Teiche sich die weissen Säulen
des Tempels spiegeln, klagen schon die Schwäne,
und ziehen Nebel aufwärts. Und ich komme ...
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GIWAU.
Ganz nur von ferne, vielgeliebter Mann!
der du ja Kaiser bist, mir zu gebieten!
Doch weil du in dem Reiche meiner Gnade
ein Nichts dich dünkst, Herr Kaiser! will ich wagen
zu bitten –: Nur von ferne sollst du jetzt
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in stummer Feier Giwaus Stimme lauschen
und nicht das Traumbild ihres Liedes stören
durch Ungestüm! – – Nur später! – später – wenn
der Mondstrahl lautlos fällt, die bleichen Rosen
der dunklen Wasser ihren Schoss auftun
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dem mitternächtigen Licht im weiten Raum,
da wollen wir ins Dämmer-Flüster-Reich
der seidnen, reichbesternten Wasser gleiten
und in das Flüsterreich der Liebesschwüre
weit fortziehn ohne Zeit. – – Nur manchmal noch
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vom Boote wie im Traum die Hand eintauchen,
die heisse Wange mit der Flut zu kühlen.
DER KAISER
ist lachend, während zwei Diener den Vorhang auseinander gebreitet, zu einem der Ruhebetten hingegangen.
Hier sitzt sich's gut. Nun also, Giwau, singe!
GIWAU
die noch zögert.
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Bist du schon herrisch? Willst du nicht mehr hören,
was meine Seele dir noch eben sanft
in Lüfte hingemalt?
DER KAISER
lacht.
Ganz nur von ferne.
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GIWAU
unterdessen um sie Dienerinnen mit Schleierwerk, Harfe und einem Kranz aus blauen Kelchen erschienen sind, steigt langsam die Stufen empor.
Bis – ach! – der Mond im Flutgeriesel auf
und nieder tanzt mit blanken Silbersternen!
und du von meinen willenlosen Lippen
Feuer und Duft und Atem saugst der Liebe.
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Sie hat während dieser Worte gedankenlos den Kranz ergriffen und sich ins Haar gedrückt. Der Kaiser ist in ihren Anblick versunken. In diesem Augenblicke hört man von links eine sanfte, aber heitere.
STIMME.
Nein, nein! lasst mich nur zu ihm, ihm zu tanzen
und ihm zu singen! denn ich bin Hotoke!
Hotoke! Ruhm und Preis ist mein! Hotoke!
Nicht süssere Lieder sang ein Mädchenmund
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jemals in diesem Lande. Also loben
die Dichter meinen holden Seelenlaut.
Und meiner Tänze reiche Linienspiele
malt nicht die Sonne in die klaren Wellen
des Baches, malen Wolken nicht auf Wiesen,
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wenn schöne Wolkenschattenleiber langsam
auf Erden hinziehn. – Oh lasst mich zum Kaiser!
Hotoke ist, von Dienern zurückgehalten, hereingestürmt und steht an den Stufen vor dem Kaiser, der sich wie ermannt, fragend Giwau ansieht und dann ein achtlos strenges Gesicht Hotoke zuwendet.
die ihre lieblichste Miene zeigt, verbeugt sich tief vor dem Kaiser.
Oh! – Kaiser! – Ich bin deiner Hoheit Magd!
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Ein lieblich Mädchen bin ich – – bin Hotoke!
DER KAISER
streng.
Hotoke? – Wer? – Wer ist denn nur Hotoke?
Gerühmt im ganzen Land? – Weil ihre Brauen,
Sammetbändern gleich, die weisse Stirne zieren?
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der Stimme Wohllaut tief und lieblich tönt?
und weil du deinen jähen, schlanken Leib
sanft schlingen kannst, wie Ranken um den Stab,
so um den Harfenklang? Was willst du hier?
HOTOKE.
Dir Lieder singen, Kaiser! – – von den schönsten,
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die je ein Herz ersann! – – Dir tanzen, Kaiser!
den tiefsten, süssesten, geheimsten Schmerz,
der je in jungem Leibe Seligkeit
und Schönheit wurde – Kaiser –.
DER KAISER.
Nur schweig still! – –
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Du, Giwau – Lieblichste, – du Gläubige!
Du Gnadenspenderin, vergib der Frechen
die sich herzudrängt!
Mit einem harten Blick auf Hotoke.
Fort von hier!
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Nun ganz nur Giwau zugewandt.
Oh Giwau!
Du Trank aus eines Alabasterbechers
verborgener Kühle! – ja – wess' Lieder glichen
den deinen? – oder wessen Tänze glichen
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dem Wunder deiner keuschen Gliederspiele?
Nun wieder hart und achtlos gegen Hotoke geredet.
Nur fort! – Ich hab nicht Sehnsucht.
Hotoke steht tief beschämt.
GIWAU
sanft zu ihr gewandt.
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Geh, Hotoke!
Während Hotoke scheu und zögernd der Tür zuschreitet, redet Giwau freundlich in sie ein.
Ich will den Herrn sanft machen!
Hotoke ist jetzt scheu verschwunden.
Oh, mein Kaiser!
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Sie ist ein heller Vogel, der in Lüften
frei hinzieht, möwengleich – – ein Schwall im Meere,
der sich mit feuchtem Tang und Perlenschaum
bekrönt nur herdrängt ohne Arg. – Geliebter!
Sie dachte nicht, dass Schmach und Rutenstreiche
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dort lauern, wo der Kaiser wohnt.
DER KAISER.
Ja, Giwau?
Ich sprach zu hart mit ihr?
GIWAU.
Nein, wirklich hart!
Meinst du, dass sie gescheucht, beschämt, mit Tränen
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hinweg sich stähle, wenn du sie gerühmt?
DER KAISER.
Nun! – – nicht gerühmt, nein, nein!
GIWAU.
Ruf sie zurück!
Der Kaiser geht unschlüssig zum Ruhebett zurück. Dann gibt er einen Wink.
Hotoke wird von Dienern wieder hereingeführt. Sie wagt nicht aufzublicken.
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EIN DIENER
zu der Zögernden.
Der Kaiser wünscht, dass du vor ihm erscheinst.
HOTOKE.
Du Gott der Lieder! meine Seele bangt noch,
erzittert noch ohn' Halt. Du musst vergeben,
Du gütige, reine Fraue, wenn mein Lied
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ganz eingeschüchtert jetzt und traurig hinströmt.
GIWAU.
Du brauchst nicht furchtsam sein, Hotoke, hörst du!
HOTOKE
spricht psalmodierend.
Ich war wie Wind,
flüchtig und leicht.
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Sonne hat nie
mein Haar gebleicht.
Mondstrahl hat
meine Lippen gekühlt,
der Liebe
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blühende Wunde.
Oh, meine traurigste Stunde,
wo mich der Kaiser geschlagen!
Klagen – nur Klagen
entströmen aus meinem Munde.
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Sie hat ganz verschämt innegehalten und sagt entschuldigend.
Oh – ich bin noch in Schreck – ich finde nicht
die Worte, die erfreuen.
DER KAISER.
Singe weiter!
HOTOKE
spricht psalmodierend.
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Ich bin die Nacht,
traurig und schwer.
Keine Sterne scheinen.
Und finster her
ziehen nur, dunkle Gewande,
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die Wolken über die Lande.
Kein Mondstrahl mehr
meine Lippen kühlt.
Oh! meine traurigste Stunde!
Ich habe so brennend, so brennend gefühlt
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den Zorn, der mich hart geschlagen.
Klagen – nur Klagen
entströmen aus meinem Munde.
DER KAISER
ist ganz in Hotokes Anblick versunken.
HOTOKE.
Ich bin eine Löwin,
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schmiegsam und kühn,
Die es bemerkt hat, beginnt leidenschaftlicher ihren Ton zu heben.
treibe in Wildnissen,
wo die dunklen Rätselblumen blühn,
ruhe in Schattennacht,
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spiele im Sonnenschein,
rufe und rufe nach Einem! – –
Mein Herz ist toll,
ist von der Sehnsucht übervoll! – – –
Ach, wie ein Rauch in die Lüfte zieht,
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ist meine Blume Sehnsucht verblüht – –
Sie hat ihrem Vortrag allmählich und besonders zum Schluss freie Tanzbewegungen hinzu gefügt, steht plötzlich still, atmet tief auf und sieht Giwau sieghaft an.
GIWAU
die zu Anfang gelächelt hatte, ist während des Gesanges immer mehr erstarrt, hat in Gedanken den Kranz von ihrem Haar in die Hand genommen und dann achtlos ihrer Hand entgleiten lassen.
DER KAISER
ist ganz versunken.
HOTOKE
wendet sich zögernd zum Gehen.
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Nein, nein, ich kann nicht weiter – nichts gelingt.
DER KAISER
blickt Hotoke an und jedem ihrer zögernden Schritte nach, sieht scheu zu Giwau hin, deren Blick ganz in die Ferne der Gärten gerichtet ist.
HOTOKE
ist langsam nach der Tür gegangen.
DER KAISER
hastig.
Hotoke! – – bleibe! – – bleibe!
240
HOTOKE
sich sanft, aber überlegen dehnend.
Nein, nein, Herr!
Lass mich nur fort von hier! – Denn sieh nur, Giwau,
die gütige, schönste Frau ist ganz erstarrt.
DER KAISER
blickt scheu zu Giwau.
245
HOTOKE
die einige Schritte vorgetreten war, zögert Schritt um Schritt zurück.
DER KAISER.
Stört Giwau dich, Hotoke?
GIWAU
hat sich zum Gehen erhoben.
DER KAISER
sanft.
Gehe, Giwau!
250
HOTOKE.
Du brauchst ihr nichts zu sagen. Oh, sie geht.
GIWAU
ist in hoheitsvollem Gange nach rechts verschwunden.
HOTOKE
steht hoch aufgerichtet und doch scheu.
DER KAISER
ruft.
Hotoke!
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Hotoke sieht jetzt unverwandt, aber innerlich immer noch streng gebunden, den Kaiser an.

(Carl Hauptmann: Panspiele. München: Verlag von Georg D.W. Callwey, 1909.Aus: Fischer, Frank, et al. Programmable Corpora: Introducing DraCor, an Infrastructure for the Research on European Drama. In: Proceedings of DH2019: Complexities, Utrecht University, 2019. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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