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Raphael schloß: Ich habe dir, Adam, nach deinem
Verlangen,
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Dinge, die sonst dem Menschengeschlecht verborgen ge-
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Offenbart; den schrecklichen Zwist, die Schlachten im
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Zwischen den englischen Mächten; den Fall der Rebel-
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Nach der Gottheit gestrebt, und sich mit Satan empöret,
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Mit dem Verworfnen, der ietzt dein irdisches Glück
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Und drauf sinnet, wie er auch dich vom Gehorsam
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Daß du seine schreckliche Strafe, sein ewiges Elend,
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Theilen möchtest mit ihm. Dies wär’ ihm die herr-
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Dich zum Gefährten dereinst in seiner Verdamniß zu
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Und dem Allmächtgen so Hohn zu sprechen; doch folge
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Seiner Versuchung! Bewahre dein Herz; du hast es
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Durch dies schreckende Beyspiel, wie Ungehorsam be-
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Unüberwindlich konnten auch sie im Guten verharren.
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Aber sie fielen! Denke daran, und fürchte zu sündgen!
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So der Gesandte von Gott! Er ließ in der
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Des aufmerksamen Adams Entsetzen, und tiefe Ver-
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Ueber so fremde Geschichte zurück. Ein kühner Gedanke
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Flog ietzt vorüber; er folgt ihm nach; drauf wagt’ er,
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So zum Engel zu sagen: Du hast uns, himmlischer
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Unbegreifliche Dinge vertraut; du hast uns gewarnet
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Vor den Strafen der Sünden, und vor dem Ort der
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Wo ietzt Satan, mit allen Rebellen hinuntergestürzet,
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Ewigkeiten in Quaalen vollbringt. Doch darf ich es
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Dich der schrecklichen Scenen aufs neu zu erinnern;
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Auch die Schöpfung der Hölle von deinen Lippen zu hören,
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Mich erkühnen? — Sie schuf der Zorn des Allmächt-
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Fürchterlich prächtig, des Richters und der Gerichteten
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Sträfliche Neubegier nicht, vielmehr die reine Begierde,
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Auch in den dunkeln Wettern des Zorns dem Richter
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Nachzuschauen, erweckt den Gedanken, mit tiefer An-
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Gottes Gerichte zu hören. Erfülle den lauteren
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Noch hat die einsame Nacht, mit ihrem langsamen Wagen,
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Nicht die Hälfte des Himmels erreicht; der silberne
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Ueber Eden; die ganze Natur schweigt feyrend, und
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Heilige Stille beherrscht den um uns schlafenden Erdkreis.
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Also ersuchte den himmlischen Gast der Vater der
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Und mit traurigem Ton gab ihm der Engel zur Antwort:
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Adam, was legst du mir auf? Und was verlangst
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Du befiehlst mir, den Schmerz zu erneuern, der, un-
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Meine Seele zernagt, wenn ich ihn denke! Mit Abscheu
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Fahren die schwarzen Gedanken zurück, so oft sie von
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Jenen grimmigen Tagen der feurigen Rache sich nahen,
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Welche den flammenden Abgrund erschuf; ihn erschuf,
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Unglückseeliger Geister (ach! ehmals auch unsre Ge-
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In ihn nieder zu donnern. Zwar bey der Schöpfung
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War ich selbst, mit dem göttlichen Heer im Felde des
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Wider Satan gelagert; doch, nach dem siegenden Einzug
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Unserer Schaaren im Himmel, hab ich vom Seraph
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In vertraulichen Stunden die schaudervolle Geschichte
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Von dem schrecklichsten Werke gehört, das jemals die
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Als ein ewiges Denkmal des Zorns im Chaos gegründet.
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Seraph Eloah, er fuhr mit hinab, und sah das Gefängniß,
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Für die rebellischen Engel erschaffen; ein flammender
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Unermeßlich. Doch kaum weiß ich noch Bilder zu finden,
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Fürchterlich, schrecklich, scheußlich genug, dir Dinge zu
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Nie von seeligen Geistern gedacht — dir die Hölle zu
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Doch ich wag’ es; mit Grausen, mit kaltem mächtigen
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Höre die Rache des Herrn, und neige dein Antlitz zur
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Satan, (du weißt es) er hatte die freche Stan-
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Wider Gott, und wider den Sohn des Ewgen erhoben;
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Und schon sandte der Himmel sein Heer unzehlicher
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Gegen ihn aus. Ich selbst in schimmernder kriegri-
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Führte die Myriade zum Streit dem Empörer entgegen.
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Himmlische Thronen, und Fürsten, und Mächte, so
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Der Posaunen vernahmen, verliessen die goldenen
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Machten, wie ich, sich auf, und folgten mit muthigem
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Jhres Sieges gewiß, den hierarchischen Fahnen,
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Die hochwallend die Himmel durchströmten. Das
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Blieb indessen nicht leer, von treuen englischen Schaaren
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Unverführter Geister. Bey tausend, und tausendmal
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Standen sie um des Ewigen Thron; olympische Harfen
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Sangen noch immer entzückt, mit Hallelujagesängen
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Gott und seinen Gesalbten; es dampfte heiliges Rauch-
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Vor den Altären, wie sonst, als noch der Name des
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Nicht im Himmel erscholl. Indessen schaute der Ewge
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Von dem Throne herab, und zehlte die zahllosen
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Welche Satan verführt; er sah die eisernen Stirnen
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Trotzig empor sich heben, und ihre verruchten Gemüther
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Aller Reue verschlossen, und aller Beßrung; und ewig
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Unglückseelig. Da gab er sie hin dem gesuchten Verderben,
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Und verhüllte sein gnädiges Antlitz. Die goldenen Lam-
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Welche beständig vor ihm in seinem Heiligthum brennen,
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Wurden mit Wolken bedeckt, und Dunkel und schreck-
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Um den erschütterten Thron. Da fielen die Heiligen
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Auf ihr Antlitz, und beteten an; die Cherubim deckten
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Jhre Gesichter mit allen Flügeln; die Harfen ver-
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Und das Chor der Seraphim schwieg. Aus dampfen-
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Sprachen ietzt laute Donner und Stimmen, und
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Schossen umher. In bangen Erwartungen lagen die
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Bis das dicke Dunkel sich trennte; die Wolken entwichen,
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Und hoch stand in flammenden Wolken des Höchsten
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Sichtbar dem ganzen versammelten Himmel. Doch
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Faßte sie, da sie die Augen erhuben, und um den Ge-
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Furchtbare Reihen von Geistern, zuvor nie gesehen,
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Die aus Wettern Jehovah geschaffen, und welche den
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Jetzt sich erhuben, und dankbar ihr erstes Daseyn er-
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Jhrer Flügel Getös war wie das Rauschen von Was-
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Und sie waren von Gott mit allen Schrecken gerüstet,
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Flammen waren die Augen, und ihre tönenden Stim-
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Laute Donner. So standen sie da, und umringten
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Gottes Gerichtsstuhl. Indem die tiefe starre Verwun-
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Aller Augen emporhielt, durchstralte die Herrlichkeit
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Alle Himmel; der hohe Gerichtsstuhl erzitterte dreymal,
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Dreymal bebte der Grund des schütternden Empyreum,
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Und der Allmächtige sprach: Jhr Himmel, vernehmet
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Eures Königs! Ich, Gott, der ich vom Anfang gewesen
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Euer Schöpfer, und Vater, und Herr; ich, Richter,
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Heute zu euch mich herab; und will vor meinen Geschöpfen
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Mich vertheidigen. Kommt, ihr Heere des Himmels,
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Zwischen dem frechen Empörer, und mir! — Ich
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Und an Hoheit und Macht, vor allen Geistern erhoben.
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Uebertraf nicht sein herrlicher Glanz die Morgensterne,
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Und fein Schimmer den himmlischen Tag? Wie stolz
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Zog er nicht aus und ein zu den Thoren des Himmels;
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Von der Unsterblichen Schaar. Er saß am Throne
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Auf dem goldenen Stuhl, und seine Krone war herrlich;
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Herrlich vor allen Kronen der Engel, mein göttliches
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Wandt’ ich vorzüglich auf ihn, und ruhte mit grösseren
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Auf dem Erschafnen; dies sah das Chor der jauchzen-
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Und prieß seelig sein Loos. — Und dennoch hat er,
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Wider mich selbst und meinen Gesalbten sein Herz em-
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Es auf ewig empört, und mit dem grimmigsten Hasse
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Scheußlich entstellt. Die frechen Gedanken sind nicht
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Eines Engels; er hebet voll Stolz die eiserne Stirn auf,
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Trotzt auf seine feurigen Wagen, auf Waffen und
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Seiner Myriaden, und will selbst Gott seyn. Ver-
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O ihr Himmel, vernehmts! Er will selbst Gott seyn!
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Wie seit gestern erschaffen, und mit den mächtigen Armen
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Aus den Wolken gehoben, der will selbst Gott seyn! —
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Folget ihm schon, ihr Auserwählten; sein herrlicher
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Werde nicht mehr im Himmel genannt! sein Name
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Wider ihn hab’ ich mein Kriegsheer geschickt; mit
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Schwebt vor ihnen der Sieg; doch meine Rache be-
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Dir, o mein Gesalbter, allein, du sollst sie vollenden.
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Sey der Herr von Leben und Tod! — Gefürchteter
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Tod! — Zuerst ietzt im Himmel gehört, und du,
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Todesengel! Jhr Söhne der Rache, geschaffen aus
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Euer flammendes Schwerdt soll künftig, getaucht ins
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Satan verfolgen, und unter Geschöpfen, die stolz mich
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Tödten, vom Aufgang zum Niedergang tödten; und
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Wird weit in die Himmel ertönen. Jm hohen Triumphe
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Wird es Satan vernehmen; doch endlich werden die Tage
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Seines Masses vollendet! Dann soll mein Sohn, und
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Jhn, und den Tod, in Ketten gefangen, zum Abgrun-
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Und den Abgrund auf ewig versiegeln. — Besteig
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Mein allmächtiges Wort, besteig den Wagen der All-
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Unter der Cherubim Flug, der Todesengel Begleitung;
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Eile hinab; erschaffe die Hölle nach meinen Entwürfen,
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Denn bald sollst du die stolzen Rebellen, so sagt Jehova!
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Niederdonnern in ewige Nacht, in den ewigen Abgrund.
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Schauder faßte der himmlischen Schaar, indem
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Dieses geredt. Indes sie noch alle tief staunten, und
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Wälzten sich dichte goldne Gewölke mit schimmernder
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Um den Gerichtsstuhl. Es lagen darauf geschlossene
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Voller unsterblichen Namen; von einem brausenden
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Thaten die flatternden Bücher sich auf, und wallten wie
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Hoch in den Wolken. Der furchtbare Richter auf sei-
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Winkte dem ersten der Todesengel; er machte sich fey-
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Zu dem Gerichtsstuhl, von da an die Bücher des Le-
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Sprach: was siehst du? Er sprach: ich sehe Bücher
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Voller stralenden Namen. Da sprachen schreckliche
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Es sind Namen verruchter Verbrecher, verworfene
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Tilge sie aus, ihr Gedächtniß sey im Himmel verfluchet!
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Und der Engel des Todes trat zu, und strich durch die
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Mit dem flammenden Schwerdt; die stralenden Lettern
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Und die Wolken verfinsterten sich; da ward das Entsetzen
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Allgemeiner. — Der Sohn des Allmächtgen erhub
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Von dem Thron; indem er herabstieg, sangen die Chöre
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So ihm nach: Wie furchtbar ist deine schreckliche Rache,
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O Jehovah! Richter der Geister! Wie tödtet dein
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In den Tagen des Zorns! Vergieb uns, Richter, und
173
Diese wehmüthigen Klagen; sie sind gefallen, gefallen,
174
Die du geschaffen mit uns, mit uns zum Leben ge-
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Und sie sind auf ewig gefallen! Dein göttlich’s Er-
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Ist fern, fern von ihnen auf eilenden Flügeln entflohen,
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Und sie stürzen in ewige Pein. Jhr thörichten Stolzen!
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Wider wen lehnt ihr euch auf? Jhr seht nicht die feu-
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Welche sich über euch thürmen; ihr geht mit klingen-
180
Trotzig im Panzer daher, und deckt euch mit himmli-
181
Aber der Herr wird die Panzer zersplittern, die Schil-
182
Und die Räder der Wagen zerschmeissen. Mit tiefem
183
Wird das Reich der Nacht euch empfangen; die jauch-
184
Werden sagen: der Herr, der Herr ist Gott! Halle-
185
Also klagte das Chor den Fall verworfener Brüder.
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Und des Allmächtigen Sohn berief, der Cherubim
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Und die Todesengel um sich. Drauf stieg er, gerüstet
188
Mit der Allmacht des Vaters, auf seinen flammenden
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Und zog hin in die Tiefen des Chaos, die Hölle zu
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Tausend Cherubim flogen voraus, den Weg zu bereiten;
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Tausendmal tausend umringten den Wagen; und zahl-
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Flossen hinter ihm her. Die furchtbaren Engel des
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Führten auf ihren stürmischen Flügeln den schimmern-
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Schneller als Blitze. Die Ebnen des Himmels ver-
195
Vor dem schreckenden Zug, und wurden dunkel, und
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Und nun empfieng ihn der Abgrund weit offen.
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Brüllte voll Wuth, es braußte die Tiefe mit heulenden
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Und sie sanken in schreckliche Nacht. Doch die Herr-
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Und der ätherische Glanz so vieler himmlischen Schaaren,
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Drang durch die Nacht, und ließ weit hinter sich leuch-
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Jhres mächtigen Wegs durch alle heulenden Tiefen.
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Als des Allmächtigen Sohn den äußersten Grenzen des
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Jetzt sich genaht, stand plötzlich sein Wagen. Die Che-
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Dicht versammelt um ihn, ergriffen die hellen Posaunen,
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Und verkündigten rings um ihn her des furchtbaren
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Gegenwart. Plötzlich erscholl ein tausendstimmiges Echo
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Aus den hallenden Tiefen herauf; die ehernen Wellen
208
Dieses stürmischen Oceans wallten mit lautem Getöse
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Völlig in Aufruhr. Der Schöpfer gebot dem brüllen-
210
Ueber die Wasser zu fahren; er fuhr mit düsteren
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Ueber sie hin, da braußten die Wasser mit wilderen
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Unter einander. Da sprach der Allmächtge: das Chaos
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Welten voll Jammers und Nacht! Er sprachs, das
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Borst mit schmetterndem Krachen. Zehntausend fin-
215
Giengen hervor aus dem Chaos; sie wälzten sich un-
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In verschiedenen harmonischen Sphären; doch waren
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Wüst und leer. Auf einigen lagen wie hohe Gebirge
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Nächtliche weinende Wolken, und dicke dampfende Nebel;
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Andere waren umhüllt von dicken stürmischen Seen,
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Und noch andere lagen bedeckt mit drohenden Felsen,
221
Und weit überhangenden Bergen. So eilten sie, öde,
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Finster, und wild, die traurige Laufbahn. Die Chöre
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Sangen den ersten Morgen. Gott hatte beschlossen,
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Nur in Nächten zu schaffen; die erste schreckliche Nacht
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Jetzo vergangen, obgleich im Abgrund der himmlische
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Schwach nur anbrach. Die Seraphim sangen dem
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Furchtbarstrafender Gott! Herr, der du gerecht und
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Deine Feinde verfolgst; der du im Schlund des Verderbens
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Jhre Kerker bereitest, sie dort mit ewigen Ketten
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An die Felsen zu fesseln, gerecht, Herr, sind sie die
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Deines Zorns; wer darf sie tadeln, und fragen, was
232
Vor dir schaudert die Tiefe zurück; das brausende Chaos
233
Stößet Welten voll Elend hervor; nach deinen Befehlen
234
Drehn sie sich unter einander, und warten auf ihre
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Ach! daß doch die stolzen Empörer die trotzigen Waffen
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Von sich würfen! O beugt euch vor ihm, ihr stolzen
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Aber du hast sie dahin gegeben, die Flügel der Rache
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Stürmen schon hinter ihnen einher; und ewigs Ver-
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Schlinget sie ein. Erbarmen wird nicht, nicht Hofnung,
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Jemals besuchen, den ietzo für sie die Rache bereitet!
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So verflossen im Chaos tief unter dem seeligen
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Jhre Stunden in klagenden Liedern, und heiligen Hymnen.
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Und nun, da die zweyte der Nächte mit gräßli-
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Brütend über dem Abgrund saß; stand unter den Welten,
245
Majestätisch und ernst, der Sohn der Allmacht. Sein
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Schaute gefürchtet umher. Jetzt faßte die schreckliche
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Tausend zusammengekettete Donner; er warf sie auf einmal
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In die Welten hinab; die alles zerschmetternde Blitze
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Fuhren mit seelenbetänbendem Knall in die zitternden
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Daß die Engel, vom Krachen betäubt, mit wankenden
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Kaum sich hielten vor Schrecken und Furcht. Die be-
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Rauchten, von mächtigen Blitzen gespalten, und wir-
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Dicke Säulen vom Dampf und schwarze Wolken vom
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Hinter sich her. Sie hatten sogleich die Laufbahn ver-
255
Und bewegten sich nun in langen elliptischen Kreisen
256
Unter einander. Die feurigen Schweife durchkreutzten
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Und es schien, als ob sich die Laufbahn näher und näher
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Gegen einander geneigt; und nun noch näher. So wallte
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Ueber die flammenden Welten die Glut; ein furchtba-
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Ganz mit brennenden Sternen bedeckt. Der andere
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Brach ietzt an; die Chöre des Himmels besangen ihn also:
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Feuer gieng aus vom Throne des Herrn! der zornige
263
Schoß die verzehrenden Flammen umher; die Lohe des
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Schmelzte die Himmel, ergriff die Sterne! Wer kan
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Wenn Gott seiner Rache gebeut? Wer kan es ertragen,
266
Wenn er den Abgrund entzündet? aus ihm die Strafe
267
Fürchtet den Herrn ihr, seine Gerechten! Jhr Heili-
268
In den Staub hin, und betet ihn an, den Richter,
269
Und nun kam die dritte der Nächte. Viel schwär-
270
Hieng sie vom Himmel. Die wütende Glut der ent-
271
War vermindert. Der Sohn des Allmächtgen berief
272
Näher herum um den leuchtenden Wagen. Mit blitzen-
273
Fuhr er empor, und ließ tief unter sich alle die Erden,
274
Nur noch hier und da in halb verlöschenden Flammen
275
Glimmend. Mit Schrecken gerüstet, und ernster, furcht-
276
Auf dem Wagen, und schaute herab in die Tiefe. Dann
277
Welten der Nacht! Gestirne des Zorns, zur Strafe
278
Stürzet zusammen! Er sprachs, und plötzlich stürzten
279
Krachend unter einander aus ihren donnernden Angeln.
280
Und ietzt, glaub’ ich, wären die Engel vor Schauder und
281
Jhrer Schimmer beraubt, in ewge Vernichtung gesunken,
282
Hätte sie nicht die Allmacht erhalten, und ihre Gemüther
283
Ueber zusammenstürzenden Himmeln und Welten ge-
284
Schaudert nicht, Adam, dein ganzes Gefühl erschro-
285
Wer kan hören die schmetternden Donner, das heulen-
286
Und des betäubenden Wiederhalls Seufzen, als tausend
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Jhren Gleisen entrissen, sich unter einander verschlangen!
288
Ueber den niederrollenden Himmeln und fallenden
289
Stand, mit Allmacht umringt, der große Schöpfer, al-
290
Unerschrocken; und schaute herab auf die dampfenden
291
Dieser zusammengesunknen Planeten. Sein schaffendes
292
Und ein Weltball wurde sogleich zehntausendmal größer,
293
Als die Erde, die ietzo mit uns im Dunkeln dahinschwebt,
294
Aus den Trümmern. Mit lautem Getös begab der
295
In die angewiesene Bahn, und drehte sich furchtbar,
296
Ohne Gesetze der Ordnung mit schweren schwankenden
297
Unter dem Chaos herum. Indem er den Schöpfer vor-
298
Hieß er ihn stehn; und er stand. Vor der Engel er-
299
Lag die weit verbreitete Welt des ewigen Jammers
300
In entsetzlicher Aussicht. O Adam, wo find ich die
301
Dinge zu zeichnen, von seeligen Geistern zu denken kaum
302
Wenn sie die Welt des Jammers und Elends, und sol-
303
Selbst nicht geschaut; und selb nicht gefühlt die Schreck-
304
Die auf ihr in Ewigkeit ruhn? Mit schaudernden
305
Sah man in rauchende Meere hinab von siedendem
306
Voll lautbrausender glühender Wogen; die tobenden
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Sprühten Funken gen Himmel, wofern der nächtliche
308
Himmel zu nennen, der voller Salpeter und schweflich-
309
Um die Welt des Schreckens sich wälzte. Mit schlängeln-
310
Riß sich der Blitz aus eisernen Wolken, und schreckliche
311
Donnerten hinter ihm nach. In andern Gegenden
312
Von zertrümmerten Bergen Orkane mit heulendem
313
Ueber die traurigen Haiden. Da lagen Thäler des Todes,
314
Scheußlich und öde; verdorrtes Gebüsch hieng wild
315
Von den gespaltnen Felsen herab, und ewige Nacht lag
316
Ueber dem Thal; ein banges Klagen, und einsames
317
Heulte der Sturm aus den Hölen, und lange winseln-
318
Weinten aus Klüften herauf, und gossen Schauder und
319
Ueber die Engel. An ihnen grenzten unwirthbare Berge,
320
Ueber einandergestürzte Ruinen zertrümmerter Welten,
321
Ohne Schmuck von lebendgem Gesträuch und lieblichen
322
Sondern versengte verdorrte Wälder, halbumgestürzt,
323
Jhre verwüsteten Rücken herunter. Entflammte Vulkane
324
Brannten viel Meilen lang fort, und wälzten aus schreck-
325
Wolken mit Feuer und Dampf und Felsen vermischt in
326
Unter der Erde vernahm man von fern ein prasselnd
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Wie das Getös von eisernen Wagen; es bebten Provinzen
328
Ueber den unterirdischen Wettern; die zagenden Meere
329
Stiegen empor, und weite Gestade mit ganzen Gebirgen
330
Stürzten hinunter in flammende Seen, und Länder
331
Anderswo rauschten von Felsen hinab in traurige Länder
332
Bäche des Todes, und mächtige Flüsse, die Reiche der Hölle
333
Künftig zu zeichnen. Hier war kein sanstes gemildertes
334
Sondern die brennende Luft, und die Erde versengten
335
Oder sie starrten in ewigem Eis; wohin sich der Blick
336
Sah er Gefilde der Pein und Verzweiflung, erstorbene
337
Traurige Regionen des Kummers, des Jammers, des
338
Eine traurige Welt des Todes, in welcher das Leben
339
Stirbt, und der Tod nur lebt, von Ungeheuern bevölkert,
340
Scheußlicher, schrecklicher, wüthender, wilder, als Lö-
341
Hätte Blutdurst und Gift sie zum Verderben entflammet.