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Schlage nun sanfter die Leyer, o Muse! Dein einsa-
mes Lied auch
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Athme stille Melancholey, und Ruhe der Seele,
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Und Entfernung vom Wirbel der Welt. Wie Tage des
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Nicht mit dem Glanze des Sommers geschmückt, die
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Doch fehlt Anmuth auch nicht dem grauen wolkigten
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Welcher das Antlitz der Sonne verdeckt; die ganze
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In sich gekehrt, und voll Ernst, und majestätischen
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So verfliessen die Tage der frommen Matrone. Die
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Frischer Wehmuth strömen nicht mehr um die Urne des
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Aber mit stillerer Schwermuth, und melancholischen
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Wölkt sich ihr Leben. Mit silbernen Locken bedecket
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Jhr ehrwürdiges Haupt. Die alles zerstörende Zeit hat
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In dem Gesicht noch blendende Trümmer von Schön-
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Ordnung und Reinlichkeit herrschen um sie, und der
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Wird dadurch milder und sanft. Jhr stiller bescheidener
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Trauert noch immer geheim um den Mann. Entfernt
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Und dem wilden Geräusche der Welt, verhüllt sie ihr
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Vor dem Schwarme der thörichten Freuden, vor leerer
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Und der Eitelkeit scheckigtem Zug. Nie hat sie der Tadel
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An dem Spieltisch gesehn, und unter den nächtlichen
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Wo so viel verblühte Gesichter ihr Alter entehren.
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Still und einsam lebt sie dahin. Die würdigen Töchter
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Hat sie schon lang an Männer gegeben, und lange schon
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Von den Söhnen gesehn. Jhr reiches gesegnetes Haus
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Tief in glücklicher Ruhe vergraben. Die heilige
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Betender Furien murmelt nie drinn; auch schallt nie
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Pralender Andacht in horchende Gassen, und fröhnet
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Majestätisch und ernstlich sitzt sie am ruhigen Abend
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Mitten unter dem Kreis der horchenden Enkel, und
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Die noch ungebildeten Herzen mit Lehren der Tugend,
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Die ihr eigenes Beyspiel bestärkt. Sie weiß die Ge-
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Lange verflossener Zeit. Der Kreis umringet sie näher,
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Und hängt am erzehlenden Munde, bis über die Erde
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Tiefe Mitternacht fällt, und süsser Schlummer herab-
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Mit dem Tode bekannt, und mit der Zukunft beschäf-
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Betet sie oft, und besuchet voll Andacht die Tempel der
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Ueber ihr graues Haupt sind ihr in langer Erfahrung
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Jahre, nicht immer mit Freuden bemerkt, vorüber ge-
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Doch auch Unglück machte sie weiser; sie ist das Orakel
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Jhrer Gegenden. Blühender stehn die Wiesen am
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Und voll reicherer Aehren die Aecker. Am lachenden
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Beugt sich ihr Weinstock mit völleren Trauben; sie
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Und der Himmel erhöret ihr Flehn. Oft hat sie dem
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Eine zärtliche Gattin gerettet, in traurigen Nächten
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Sie mit Trost und Beystand gestärkt, wenn unter den
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Ganz sie erlag, und die Freude nicht fühlte, nun Mut-
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Klüglich weiß sie zu rathen, wenn in den Sorgen der
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Unerfahren, die jüngere Frau in Fehlern verstrickt ist.
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Bald gewinnt das verworrene Haus ein glücklicher An
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Durch die Ordnung der klugen Matrone. Die muthi-
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Ziehn mit dem Tage zum Acker. Die Hände der fleis-
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Füllen nun wieder die staubichte Spindel, und machen
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Ringsum mit blendender Leinwand bedeckt. Die fei-
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Kommen mit vollen Eutern zurück; und der treuere
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Läßt die Scheere mit Jauchzen erklingen, und füllet
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Mit der längeren köstlichen Wolle. Es seufzen die
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Unter der Last des güldnen Getraides. So bringet sie
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In des Müßiggangs Wohnung, und hilft durch Ord-
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Jhre Schätze verrosten nicht unter dem Riegel, sie
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Und sie gehören den Armen. Sie sah ein bescheidenes
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Jung und schön. Es stand in Gefahr, in bitterer
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Einem Verführer zur Beute zu werden, da nahm sie
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In ihr Haus auf zur Tochter, und gab sie mit reichen
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Einem redlichen Mann, der ihr nun ewig sein Glück
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Sie forscht nach dem bescheidneren Elend, das tiefer in
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Unbekannt traurt, im Kummer verschmachtet; sie weiß
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Und entreißt es der Schande des Bettelns. Der feu-
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Seine Wohlthäterin nicht, sie thats verborgen und
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Also krönt sie ihr Leben mit edelmüthigen Thaten.
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In der einsamen Nacht, wenn ihre göttliche Seele
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Ueber das Grab sich schwingt, und nach der Ewigkeit
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Hört sie oft in frommer Begeistrung seraphische
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Die zum Himmel sie fodern; auch dünkt ihr öfters, sie
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Mit olympischem Schimmer geschmückt, den Schatten
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Der vor ihr her in die Ewigkeit gieng, und ietzo die
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Unter die himmlischen Lauben beruft. Jhr wallet das
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Und nicht lange, so sinkt aufs letzte Lager ihr Haupt hin,
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Und sie bestimmt sich die Stunde des Todes prophetisch.
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Weinen um sie; auch sitzen am Fuß des traurigen Lagers
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Jhre würdigen Söhne, die Zierden des Staats, und
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Jhre Hände mit Thränen. Sie sieht die Schaaren der
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Um ihr Bette versammelt, und alte treue Bediente
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Ganz in Wehmuth versenkt. Dann stärkt sie noch ein-
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Hebt die Hand auf, und segnet sie alle. Mit heiterm
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Sieht sie den Todesengel sich nahn. Er ist ihr nicht
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Sondern fordert sie auf, und ihre willige Seele
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Scheidet sich sanft vom Körper, und folgt ihm über die
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Zu den Schaaren der jauchzenden Engel, die ietzt im
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Zu dem Throne der Allmacht sie führen. Die glänzen-
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Wird ihr geschenkt. — Indessen erhebt sich die Stimme
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Laut durch die Stadt. Die Thränen der Armen, die
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Mischen sich zu den Thränen der Kinder und Enkel.
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Seufzt durch nächtliche Schatten. Der rollende Lei-
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Eilet langsam ans Grab; die langen verschleyerten Reihen
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Folgen ihm nach. Die kühle Gruft empfängt ietzt den
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Jhr Gedächtniß aber blüht ewig. Der prächtige Marmor
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Sagt nicht ihr Lob, dies sagen die Herzen, in denen