J. H

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: J. H (1697)

1
Ich will itzt meinen geist nicht auf der erden/
2
Weil seine flügel nach den sternen ziehn/
3
Was sterne liebt/ kan zwar nicht sternen werden/
4
Weil nesseln nicht so wie die rosen blühn:
5
Doch kan dein hoher sinn mich/ Flora/ tragen
6
Dahin/ wo mir das glück sonst will absagen.

7
Magnet zieht eisen an/ und du mein hertze
8
Ich leg es dir zu treuen händen hin;
9
Denck nicht daß ich mit bunten farben schertze/
10
Du siehest mein gesicht/ doch nicht den sinn:
11
Wenn mögligkeit mir will ihn lassen mahlen/
12
So wirst du liebe auch mit liebe zahlen.

13
Schau ich dich göttin an und dein gesichte/
14
So seh ich mehr als klar des himmels zier/
15
Wie deiner augen paar den glantz vernichte/
16
Den sonn und monde brauchet für und für;
17
Und wie du holtz und berg und thal entzündest/
18
Wo du/ was zunder nur und schwefel/ findest.

19
Seh ich die weisse hand und deine glieder/
20
So muß der alabast zu grabe gehn.
21
Der wangen liebligkeit giebt mir kaum wieder/
22
Daß ich vermag auf meinem fuß zu stehn;
23
Weil milch und purpur hier vermählet lieget/
24
Weiß ich/ daß deine pracht zur sonnen flieget.

25
Dein schöner mund sticht weit corallen abe/
26
Rubin der siehet ihn als mutter an/
27
Es stirbet deine pracht auf seinem grabe/
28
Weil dein mund selbsten sich nicht küssen kan;
29
Erweichst du deinen sinn und dein gemüthe/
30
So seh ich meinen wunsch in schönster blüthe.

31
Was sind die brüste? ambrosiner kuchen/
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Die doch vor dich nicht selbst gebacken seyn;
33
Sie würden mit der zeit dir selber fluchen/
34
Drum lade einen gast zu diesen ein/
35
Dörfft ich mit einem blick dieselben rühren/
36
So würdest du mich aus mir selber führen.

37
Diß/ was ich hier gesagt/ ist wohl zu rühmen/
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Doch mehr dein hoher geist der in dir lebt;
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Die tugend will dir stets dein haar beblümen/
40
Die sie vom schönsten golde hat gewebt;
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Sie muß dir immerfort zu dienste stehen/
42
Denn du kanst anders nicht als mit ihr gehen.

43
Ich opffre meinen sinn dir/ Flora/ eigen/
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Nim ihn auch/ wie du wilt/ zu diensten hin/
45
Es soll das tieffe meer eh gantz verseigen/
46
Wenn ich nicht immerfort dein diener bin.
47
Eh soll das wasser/ lufft zu steine werden/
48
Und mein erblaster leib zu weisser erden.

49
Wenn ich gestorben bin/ soll meine seele
50
Vor deinem schönen mund zur wache stehn/
51
Und schweben stets um die corallne höle/
52
Ja nimmermehr von dar zurücke gehn.
53
Wenn nun um dein gesicht die lufft wird spielen/
54
So wirst du meinen letzten seuffzer fühlen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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