Celadons abschied und seiner schäferin weh klage. † † †

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Celadons abschied und seiner schäferin weh klage. † † † (1697)

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Eleonora die betrübte
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Gieng in dem grünen auf und ab/
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Als ihr der schäffer/ der geliebte/
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Den letzten kuß mit thränen gab.
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Ach! sprach sie/ daß ich ietzt muß leben/
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Und meinem schäffer abschied geben.

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Sie rung die liljen-weisse hände/
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Sie schrie mit lauter weh und ach!
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Ach ich! ach ich! ach ich elende!
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Ich bin für meine noth zu schwach!
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Mein Celadon will von mir scheiden/
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Der mit mir pflag allhier zu weiden.

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Sie schrie und sanck vor ohnmacht nieder/
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Red’ und bewegung starb in ihr.
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Der athem fand sich endlich wieder;
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Doch blieb die wehmuth für und für:
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Sie schrie; doch sah man von der auen
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Sie gantz erstarrt gen himmel schauen.

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Die schäflein selbst die sah man klagen/
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Und traurig in dem grase gehn.
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Klagt/ sprach sie/ denn in wenig tagen
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Wird man nicht mehr mich weiden sehn.
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Nehmt diesen crantz und diese myrthen
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Und sucht euch einen andern hirten.

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Der schäffer lieff sie auffzurichten/
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Sie schloß sich ihm um hals und mund;
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Zeugt ihr/ sprach sie/ ihr nahen fichten/
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Was euch von meinen schmertzen kund.
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So offt es nur beginnt zu tagen/
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Hört ihr Eleonoren klagen.

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Mein Celadon du machst die schmertzen/
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Fieng sie zu ihrem schäfer an:
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Du bist ein theil von meinem hertzen/
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So ich auch nimmer missen kan.
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Du aber wilst ietzt von mir ziehen/
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Und die verliebte hürden fliehen.

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Die schlancken arme wurden müde/
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Und Celadon von selben frey;
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Wie klagst du/ sprach er/ zum abschiede;
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Bin ich doch auch abwesend treu.
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Ich schwere dir bey meiner heerde/
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Daß ich bich ewig lieben werde.

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Sie küsten sich/ und weinten beyde.
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Der schäfer fieng an fort zu gehn.
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Sie lief ihm nach die gantze heyde/
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Um Celadon noch eins zu sehn/
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Woselbst sie mit gebrochner zungen/
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Jhm ferner also nachgesungen;

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Zeuch hin/ GOtt sey dein gut geleite/
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Es kommt mir nun nicht mehr die zeit/
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Daß ich den frühling um dich spreite.
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Zeuch hin/ o meine liebligkeit!
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Zeuch hin/ und dencke deiner lieben/
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Die sich um deine trifft betrüben.

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Zeuch hin/ zeuch! darauff schwieg sie stille/
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Die thränen flossen in die schooß/
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Die wiesen stunden sonder fülle/
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Die grünen wälder wurden bloß;
59
Sie aber ist mit blassen wangen
60
Bey dunckler nacht nach hause gangen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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